Die Afonso de Albuquerque war ein 1767 gebautes 64-Kanonen-Linienschiff der portugiesischen Marine, das bis 1797 zunächst den Namen Nossa Senhora dos Prazeres trug. 1822 wurde sie in die brasilianische Marine übernommen und 1826 außer Dienst gestellt.

Geschichte Bau Die spätere Afonso de Albuquerque wurde von Schiffbaumeister Manuel Vicente Nunes entworfen, der zahlreiche Linienschiffe des Landes konstruierte wie etwa die Nossa Senhora da Conceição. Die Afonso de Albuquerque wurde im Marinearsenal von Lissabon auf Kiel gelegt und lief dort am 26. Juli 1767 vom Stapel. Sie erhielt den Namen Nossa Senhora dos Prazeres nach dem Marientitel Unseren Liebe Frau der Freuden für Maria, die Mutter Jesu.Nossa Senhora dos Prazeres auf threedecks.org Sie war das letzte in Portugal gebaute 64-Kanonen-Linienschiff und galt als das langsamste Linienschiff der Flotte.Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823, S. 52, S. 166

Einsatzgeschichte Über die frühen Jahre liegt lediglich die Information vor, dass die Afonso de Albuquerque ab 1776 dem Esquadra do Sul, dem Südgeschwader, angehörte, das in Südamerika stationiert war.Esparteiro, S. 22 Kommandant in dieser Zeit war José de Mello.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 126, S. 132 Auch während des Spanisch-Portugiesischen Krieges (1776–1777) befand sich die Afonso de Albuquerque in Brasilien. Während der Suche nach einem spanischen Verband mit dem Linienschiff San Agustín traf sie am 12. Juni 1777 bei der vor Brasilien liegenden Insel Santa Catarina auf drei Kriegsschiffe, die sie für spanischen Einheiten hielt, und geriet mit ihnen ins Gefecht. Erst nach Stunden stellten beide Parteien fest, dass sie beide zum portugiesischen Esquadra do Sul gehörten. Diese Begegnung hatte auf den Schiffen rund 50 Tote und Schwerverletzte zur Folge.Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807, Pos. 5017ff.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 133f.

In den 1792 beginnenden Koalitionskriegen trat die Afonso de Albuquerque erstmals 1796 in Erscheinung. Zunächst eskortierte sie im Frühjahr 1796 mehrere Handelsschiffe von Lissabon nach Brasilien und begleitete auf dem Rückweg den jährlichen Goldtransport aus Südamerika in das Heimatland.Light: Britain and the Portuguese Navy 1760–1810, S. 37 Es folgte ein längerer Werftaufenthalt, bei dem sie umgebaut und abschließend 1797 umbenannt wurde. Sie erhielt den Namen des Seefahrers Afonso de Albuquerque (1453–1515), da die portugiesische Marine ihre Namenspolitik für Schiffe geändert hatte. Diese benannte sie nun nach historischen, mythologischen oder realen Persönlichkeiten, anstatt wie bis dahin üblich nach Heiligen oder kirchlichen Festtagen.

Als die portugiesische Marine am 27. Juli 1797 ein Geschwader gegen französische Korsaren aufstellte, wurden neben der Principe Real (90 Kanonen), der Medusa (74) und der São Sebastião (64) auch die Afonso de Albuquerque zu dieser Einheit abgestellt.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 178

Von 1798 bis 1800 gehörte die Afonso de Albuquerque zu den portugiesischen Schiffen, die die britische Royal Navy im Mittelmeer unterstützten. Sie beteiligten sich nach der Seeschlacht bei Abukir zunächst an der Verfolgung der französischen Flotte.Pivka: Navies of the Napoleonic Era, S. 191f. Ab September 1798 bildeten vier portugiesische Linienschiffe, eine Fregatte und eine Brigg zusammen mit zwei britischen Linienschiffen ein Geschwader zur Blockade Maltas: Unter dem Kommando von Almirante Marquês de Nisa standen die Linienschiffe Principe Real, Rainha de Portugal (74), São Sebastião und Alfonso de Albuquerque (unter dem Kommando des britischen Kapitäns Donald Campbell) sowie die Fregatte Benjamim und die Brigg Falcão. Bis November hielten sie die Blockade aufrecht.Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão, S. 60ff.José Rodrigues Pereira: D. Domingos Xavier de Lima, 7º Marquês de Nisa (1765–1802). In: Revista Armada Nº 408, Mai 2007, S. 18–21 (Online-Version als PDF).zu Donald Campbell vgl.: Light: Britain and the Portuguese Navy 1760–1810, S. 36

1799 führte die Afonso de Albuquerque eine Einzelmission gegen Korsaren nach Tripolis im heutigen Libyen, um mit dem Bey von Tripolis einen Waffenstillstand auszuhandeln. Im Rahmen des Vorgehens brachte sie mehrere Schiffe auf und beschoss die Hafenbatterien, bevor der Vertrag unterzeichnet wurde und sie im März wieder in Palermo eintraf.Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão, S. 66 Auch 1802 beteiligte sie sich an einem Einsatz gegen Korsaren und hatte die Aufgabe, den Hafen von Algier zu blockieren.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 184 Anschließend beteiligte sie sich an Evakuierung von Neapel.Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823), S. 219

Nach dem französischen Einmarsch in Portugal gehörte die Afonso de Albuquerque im Jahr 1807 zur portugiesischen Flotte aus 28 Kriegsschiffen, die den König mitsamt Familie und einem Hofstaat von mehreren tausend Personen ab 27. November des Jahres nach Brasilien brachte. Unter dem Kommando von Inácio da Costa Quintela beförderte die Afonso de Albuquerque die Prinzessin von Brasilien, Dona Carlota Joaquina, und ihre Töchter, die Prinzessinnen D. Maria Isabel Francisca, D. Maria da Assunção, D. Ana de Jesus und D. Maria Teresa.Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão, S. 22, S. 93Light: Britain and the Portuguese Navy 1760–1810, S. 46f. Das Schiff blieb zunächst in Brasilien und nahm – wie die gesamte portugiesische Flotte – an keinen weiteren Kampfhandlungen in diesem Krieg mehr teil.

Als die königliche Familie 1821 nach Portugal zurückkehrte, verblieb die Afonso de Albuquerque in Brasilien. Zur Zeit der Unabhängigkeit Brasiliens im Jahr 1822 lag die Afonso de Albuquerque im Hafen von Rio de Janeiro vor Anker. Anschließend wurde sie ohne Namensänderung in die neue brasilianische Marine integriert und gehörte zu ihrem ersten Kern an Schiffen. Das inzwischen über 50 Jahre alte Schiff diente nur noch als Lager, Kaserne sowie Gefängnis und wurde 1826 ausgemustert.Nau Afonso de Albuquerque, bei naval.com.br

Technische Beschreibung Die Afonso de Albuquerque war als Batterieschiff mit zwei durchgehenden Geschützdecks konzipiert. Sie war ein Rahsegler mit drei Masten (Fockmast, Großmast und Kreuzmast). Letzterer trug statt des Besansegels ein Lateinersegel. Der Rumpf schloss im Heckbereich mit einem Heckspiegel, in den Galerien integriert waren, die in die seitlich angebrachten Seitengalerien mündeten. Die Beplankung des Schiffes war kraweel ausgeführt, das heißt, die Kanten der Planken stießen stumpf aufeinander, so dass eine glatte Außenfläche entstand.Gomes: Portugues ships. 14th–19th century, S. 42

Die Bewaffnung bestand aus 64 Kanonen.Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823, S. 52 UnteresBatteriedeck OberesBatteriedeck Backdeck Achterdeck Kanonen Design 26 × 24-Pfünder 26 × 18-Pfünder 2 × 18-Pfünder10 × 9-Pfünder 64 Kanonen

Besatzung Die Besatzung hatte eine Stärke von 634 Mann.

Literatur António Marques Esparteiro: Catálogo Dos Navios Brigantinos (1640–1910). Centro de Estudos de Marinha, Lissabon 1976 (Online-Version als PDF). Otto von Pivka: Navies of the Napoleonic Era. David & Charles Books, Newton Abbot / Devon 1980, ISBN 0-7153-7767-1. Telmo Gomes: Portugues ships. 14th–19th century. Edições Inapa, Lissabon 1995, ISBN 972-9019-79-7. José Rodrigues Pereira: Campanhas navais 1793–1807. Volume I: A Armada e a Europa. A Marinha Portuguesa na Época de Napoleão. Tribuna da História / Edição de Livro e Revistas Lda., Lissabon 2005, ISBN 972-8799-30-6. Kenneth Light: Britain and the Portuguese Navy 1760–1810. In: The British Historical Society of Portugal. Twenty Second annual report and review 1995, Lissabon 1995, S. 34–57 (Online-Version als PDF). José Manuel Malhão Pereira: História da Marinha Portuguesa: Navios. Marinheiros e Arte de Navegar 1669–1823. Academia de Marinha, Lissabon 2012, ISBN 978-972-781-112-0 (Online-Version als PDF). Saturnino Monteiro: Portuguese Sea Battles – Volume VII. In the shade of England 1669–1807. Lissabon 2012, E-Book, Kindle Edition. Augusto Alves Salgado: História da Marinha Portuguesa: Viagens e operações navais (1668–1823). Academia de Marinha, Lissabon 2022, ISBN 978-972-781-168-7 (Online-Version als PDF).

Weblinks Nossa Senhora dos Prazeres, bei threedecks.org (englisch), abgerufen am 8. März 2026

Einzelnachweise

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