Die 1806 gegründete Firma A. Servant ragte unter den Rauchwarenfirmen (Pelzfellhandlungen) lange Zeit hervor. Ihr Chef war ein persönlicher Freund von Napoleon III. Zur Glanzzeit des Pariser Unternehmens in den 1860er Jahren besaß er die größte Jagdmeute Frankreichs. Dieses, wie Emil Brass schrieb, „fürstliche Kaufmannshaus“ ging Ende des 19. Jahrhunderts „ruhmlos zugrunde“.

Belege aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigen jedoch, dass zumindest eine Kürschnerei gleichen Namens mit Geschäften in mehreren französischen Städten weiterhin oder erneut existierte.

Kürschnerei, Pelz- und Rauchwarenhandlung Das Unternehmen A. Servant gehörte zu den ersten, die fertige Pelzkonfektion führten. Als Rauchwarenhändler war er einer der ersten, die – nach der Freigabe des Verkaufs von Rauchwaren auch außerhalb der Messen (April 1836) – im Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl eine Niederlassung errichtete.Walter Fellmann: Der Leipziger Brühl. VEB Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S. 67. ISBN 3-343-00506-1. 1887 lautete die dortige Adresse Krafts Hof, Brühl 64.Pasqualine, In: La Comédie politique, 26. Juni 1887, Gallica [Anmerkung: im Artikel „Krafftshof“ geschrieben] (französisch). Abgerufen am 14. März 2026.

Servant beschickte die in der Zeit der Industrialisierung aufgekommenen technischen und kunsthandwerklichen Leistungsschauen. Im Jahr 1819 wurde anlässlich einer Ausstellung in Paris als Firmeninhaber der Kürschner Alexandre Servant, mit „Verbesserungen in der Pelzindustrie“ genannt;On écrit de Paris au journal l'Europe. In: The Constitutional Nr. 27, Paris, 27. Januar 1863 (französisch). Abgerufen am 9. März 2026. ebenso noch im Jahr 1863 als Aussteller auf der Exposition universelle a Londres.Cosmos : revue encyclopédique hebdomadaire des progrès des sciences / fondée... par M. B. R. de Monfort ; rédigée par M. l'abbé Moigno. Paris, 27. Februar 1863(französisch). Gallica, abgerufen am 7. März 2026.

Gleichzeitig zu den französischen Modeschöpfern sah sich die französische Pelzbranche als weltweit führend an, ergänzend hieß es „die Firma A. Servant aus Paris ist das weltweit führende Unternehmen in diesem Bereich“.P.-F. Bainier: La géographie appliquée à la marine, au commerce, à l'agriculture, à l'industrie et à la statistique. Géographie générale. France. E. Belin, Paris, 1877–1878 (französisch). Abgerufen am 8. März 2025. Im Jahr 1840 und später ist das Unternehmen im Handelsalmanach unter dem Firmennamen Servant-Roussell in Paris auf der Rue de Braque 6 eingetragen.Fourreures. In: Almanach du commerce de Paris, Paris 1840, S. 571 (französisch). Gallica, abgerufen am 9. März 2026.Rubrik pelleteries et fourrures Pelleteries et fourrures. In: Annuaire-almanach du commerce, de l'industrie, de la magistrature et de l'administration : ou almanach des 500.000 adresses de Paris, des départements et des pays étrangers : Firmin Didot et Bottin réunis, 1. Januar 1868, S. 966 (französisch). Gallica, abgerufen am 9. März 2026.

Auf der Weltausstellung in Wien im Jahr 1873 war Frankreich nur mit drei Firmen vertreten, bei insgesamt weltweit 77 Pelz- und Lederausstellern. Wie es hieß, konnte „Dank der herausragenden Leistung eines dieser Aussteller“ Frankreich seinen guten Ruf jedoch wahren: „Die Herrn A. Servant verliehene Ehrenurkunde belegte, dass Frankreich in diesem Spezialgebiet nichts von seiner Vormachtstellung eingebüßt hat und bestätigte einmal mehr die hohe Qualität seiner Produkte“. Der Berichterstatter schrieb, A. Servant, Hersteller von Kürschnerwaren und Pelzhändler, hätte die französische Industrie stets würdig vertreten. „Wir haben ihn auf allen Ausstellungen ehrenvoll gesehen: So war er 1855 auf der Pariser Ausstellung Mitglied der Jury; 1862 erhielt er in London eine Ehrenmedaille und wurde aufgrund dieser hohen Auszeichnung zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen; 1867 hatte er in Paris erneut die Ehre, Mitglied der Jury zu sein und darüber hinaus Sekretär der Klasse 12.“ Bereits auf der Londoner Ausstellung 1862 hatte Herr A. Servant nach Ansicht der Mitglieder der Internationalen Jury den bemerkenswertesten Stand.

Weiter hieß es: „Dasselbe gilt sicherlich auch für seine Ausstellung in Wien, die 650 Fellarten präsentierte, die bis heute von Kürschnern auf allen fünf Kontinenten verwendet werden. Sein Handel beliefert regelmäßig 23 Industrien mit Rohstoffen, die in der Regel gesalzen, getrocknet, verarbeitet oder gefärbt sind. Diese Rohstoffe werden aus den Produktionsländern importiert und an Hersteller in Paris verkauft, welche die sogenannten Pariser Waren herstellen. Die Pariser Industrie, die mit ihrem raffinierten Geschmack jeder Konkurrenz trotzt, exportiert diese Fertigwaren weltweit. Die Ausstellung von Herrn A. Servant präsentierte 100 verschiedene Kaninchenfellarten, die, je nach Bedarf oder Geschmack der einzelnen Länder verarbeitet, in alle Teile der Welt exportiert werden und diese somit von Frankreich abhängig machen. Die Mode für Federn hat in Paris in den letzten Jahren einen florierenden Handel dorthin gebracht. In Wien präsentierte uns Herr A. Servant eine sehr feine Sammlung, und ich sehe in einer Notiz, die dieser Aussteller an die Jurymitglieder richtete, dass er gezwungen ist, diese direkt in Europa (Russland, der Levante, dem Nordpol), in Afrika, in Südamerika, in Asien, ja sogar in China zu suchen, was ihm nur dank seiner Niederlassungen im Ausland und seiner zahlreichen Vertreter möglich ist. Das Ehrendiplom, das ich mit großem Stolz für Herrn A. Servant erwirkt habe, war eine Anerkennung der wirtschaftlichen Bedeutung all seiner Betriebe und eine Bestätigung dafür, dass der französische Pelzhandel weltweit eine führende Rolle einnimmt.“Charles Soyer: Pelleteries et fourrures. In: Rapport sur l'industrie du cuir et du caoutchouc / par M. Charles Soyer,…; Exposition universelle de V…, Paris 1873, S. 35–40 (französisch), Gallica, abgerufen am 4. März 2025.

Auf der Weltausstellung 1878 in Frankreich war Servant, Pelz- und Fellhändler, Mitglied der Jury für die Preisvergabe, sowie der Vorstand und blieb es bis 1888.Ministère du Commerce, de l'industrie et des colonies. Exposition universelle internationale de 1889 à Paris. Rapports du jury international, publiés sous la direction de M. Alfred Picard,... Classe 43. Produits de la chasse. Produits, engins et instruments de la pêche et des cueillettes. Rapport de M. H. de Clermont, … 31. Dezember 1890 (französisch). Gallica, abgerufen am 7. März 2026.

Unter den Ausstellern der für die innovative Entwicklung der Pelzmode herausragend wichtigen Weltausstellung, in Paris 1889 und vor allem Paris 1900, war die Firma A. Servant nicht mehr dabei.Paul Larisch, Josef Schmid: Das Kürschner-Handwerk. I. Teil, Nr. 3–4, Kapitel Die Kürschnerarbeiten der Weltausstellung Paris 1889 (Entnommen aus den Nummern 20-24 der „Kürschner-Zeitung“, Leipzig, vom Jahre 1889). Verlag Larisch und Schmid, Paris 1902, S. 30–34 (Auflistung der Pelzaussteller).

Nach 1900 mini|Einnähetikett in einer Pelzstola

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist erneut eine Kürschnerei „A. Servant“ belegt. Das hier abgebildete Webetikett in einer Fuchsstola ungewissen Alters nennt eine Firma A. Servant in den französischen Städten Montluçon, Nevers und Carcassonne. Die Hauptstelle in Montluçon befand sich 1928 auf dem Boulevard de Courtais, 82, A. Servant wird als Schatzmeister für die dortigen Messevorbereitungen genannt.Foire expedition du 2 au 10juin 1928. In: L'Écho de l'Allier : agricole, commercial, politique, littéraire et d'annonces (französisch). Gallica, abgerufen am 10. März 2026.

Das Journal de Limoux meldete am 19. März 1933, dass der Kürschner Servant am Sonntag um 16 Uhr in einem von ihm gesteuerten Wagen auf der Straße 118 nach Cournanel ins Schleudern kam. Herr Beedeiti, ein Schneider aus Carcassonne, war sofort tot, zwei weitere Personen, die Schwestern des Fahrers, Marie und Hélene Servant, wurden leicht verletzt.Accident Mortel. In: Journal de Limoux, 19. März 1933, (französisch). Abgerufen am 8. März 2026.

Weblinks

Einzelnachweise

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