mini|Peter Hemmelskamp vor einem seiner Werke mini|Signatur von Peter Hemmelskamp Peter Hemmelskamp (* 3. Mai 1961 in Delmenhorst, Niedersachsen; † 27. März 2006 in Hude (Oldenburg)) war ein deutscher bildender Künstler und Globetrotter. Sein Werk umfasst ca. 120 Gemälde und wenige Zeichnungen, die der Art brut bzw. Outsider Art zuzurechnen sind. Seine Gemälde hat er mit "Peter Hemmelskamp" signiert.

Leben

Peter Hemmelskamp wurde am 3. Mai 1961 als jüngerer von zwei Söhnen geboren. Er stammte aus einer alt eingesessenen Bauernfamilie, die seit 1817 bis zum Tod des Vaters Gustav im Jahre 2016 einen Bauernhof in Hude-Vielstedt betrieb. Hemmelskamp ging auf die 10-klassige Schule Hohelucht in Hude (heute Peter Ustinov Schule Hohelucht), die er mit einem Realschulabschluss verlies. Hemmelskamp erkannte früh, dass er kein Landwirt werden wollte und begann in Bremen eine Ausbildung zum Zahntechniker. Er erkannte allerdings früh, dass auch dies nicht seiner Lebenseinstellung entsprach. Hemmelskamp arbeitete nie in einem erlernten Beruf. Seine Ausbildung hat er nicht abgeschlossen.siehe DEEDS.News, 23.06.2026 Er verzichtete auf eine komfortable bürgerliche Existenz mit Ehe und Beruf und pflegte insofern einen oppositionellen Lebensstil, was – wie sein Reisebericht zeigtsiehe Hemmelskamp, Peter: Dritter Klasse durch die Wüste, S. 48f. – durchaus auch den Konsum von Drogen einschloss. Seine Reisen entsprangen einer innerlichen Unruhe, die ihn dazu trieb, "der heimischen Einöde entfliehen zu wollen: „Weg!“, um zu sich selbst zu finden, die private Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen."Witthuhn, Orell: Dritter Klasse durch die Wüste, 30.03.2026 Die erste Reise führte ihn bis nach Ägypten. Die folgenden Reisen nutzte Hemmelskamp für Studienaufenthalte in Israel, Griechenland, Ägypten, Sudan, Tansania, Kenia, Uganda, Tunesien, Marokko und dem westlichen Europa. Diese oftmals mehrmonatigen Aufenthalte brachten ihn mit unterschiedlichen Kulturen und verschiedensten Kunstrichtungen in Berührung. Seine Reiseeindrücke verarbeitete er in seinen vielfarbigen Gemälden. Nach der zweiten Afrika-Reise wollte Hemmelskamp im Jahr 1982 ein Kunststudium aufnehmensiehe Hemmelskamp, Peter: Dritter Klasse durch die Wüste, S. 14, was aber nicht zustande kam. So wohnte er nur kurze Zeit in Bremen, danach wieder in Hude-Vielstedt, wo er allein in der Dachgeschosswohnung im elterlichen Einfamilienhaus lebte. Er führte zwar ein ökonomisches Randdasein, konnte allerdings Dank seiner Ungebundenheit seinem künstlerischen Schaffensbedürfnis nach Belieben Ausdruck verleihen. Nach einem halbjährigen Studienaufenthalt in Tarifa, Spanien, war Hemmelskamp ab 1984 als Künstler tätig.Stöver, Krimhild: Urwald Hasbruch. Alte Meister – junge Kunst, S. 6 Neben Einkünften aus seinen wenigen Ausstellungsbeteiligungen waren es Bilderverkäufe an Verwandte und Freunde, aus denen er ein gelegentliches Einkommen erzielte.

Hemmelskamp verstarb am 27. März 2006 im Alter von 44 Jahren. Bestattet wurde er im FriedWald Hasbruch bei Bremen. Nach seinem Tod wurde das künstlerische Werk von Hemmelskamp durch den Verkauf an einen PrivatsammlerHufer, Christin: Denkmal für den "Picasso von Hude", 07.04.2026 vor dem Vergessen bewahrt. Dieser machte 2016 die Gemälde zum 10-jährigen Todestag von Hemmelskamp in einer Retrospektive erstmals wieder zugänglich.Derke, Klaus: Der ganze Klosterort wird zur Galerie, 13.07.2016

Reisebericht Zur Erinnerung an den 20-jährigen Todestag von Peter Hemmelskamp erschien zur Leipziger Buchmesse 2026 sein Reisebericht „Dritter Klasse durch die Wüste“.siehe Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Darin schildert Hemmelskamp nach einem kurzen Rückblick auf seinen Aufenthalt in Athen 1979 seine zweite Afrikareise mit Start am 30. Dezember 1980 nach Griechenland, Ägypten, Sudan, Uganda, Kenia und Tansania. Das Manuskript endet mit der Einreise in Uganda. Auf die Reise hat er auch Malutensilien mitgenommensiehe Hemmelskamp, Peter: Dritter Klasse durch die Wüste, S. 15, etwaige Reiseskizzen sind aber leider nicht erhalten.

Stimmen zum Buch Für Orell Witthuhn, Georg-August-Universität Göttingen, fassen die "einfühlsamen Skizzen Hemmelskamps ... das gesellschaftliche Miteinander während seiner Reisezeit sehr gut zusammen. ... Es ist eine kluge Entscheidung, derartige Berichte nicht erst hundert Jahre oder noch längere Zeiträume nach ihrer Abfassung zu publizieren, um auch die kulturpolitische Situation des Verfassenden nicht aus den Augen zu verlieren, denn nicht nur in Ägypten hat sich vieles verändert, sondern eben auch in Deutschland."Witthuhn, Orell: Dritter Klasse durch die Wüste, 30.03.2026

mini|Schrei des Bussards über dem Hasbruch, Mischtechnik (Aquarell, Bleistift, Öl), 100 × 70 cm

Werk

Hemmelskamp war Autodidakt, er hat keinerlei künstlerische Ausbildung erlangt. Nach seiner eigenen Aussage war für sein Werk die abstrakte Malerei von Wassily Kandinsky prägend. Er folgte ihm jedoch nicht in die vollständige Abstraktion, sondern entschied sich für einen figurativ-abstrahierenden Stil. Im Zeitablauf nahmen die abstrakten bzw. abstrahierenden Elemente einen immer größeren Anteil an der jeweiligen Bildwelt ein. Seine Maltechnik bestand in einer Mischtechnik aus Aquarell, Zeichnung, Ölkreide, Ölmalerei und Lack.

Das Werk von Hemmelskamp lässt sich in zwei Phasen gliedern.

1. Werkphase bis 1990

In der ersten Werkphase sind die Darstellungen bereits abstrahiert, aber noch deutlich als Menschen, Gebäude und Landschaften zu erkennen. Inhaltliche Bezüge zu seinen Reisen sind leicht erkennbar. Die Motive werden bereits mit ornamentalen Elementen verbunden. Eine natürliche Anordnung ist noch weitgehend vorhanden.

2. Werkphase ab 1990

In der zweiten Werkphase, die das Hauptwerk von Hemmelskamp ausmacht, werden die dargestellten Inhalte mitunter stark abstrahiert. Sie zeigen eine Bildwelt aus organischen und geometrischen Formen, die die gesamte Bildfläche ausfüllen. Der Hintergrund der Bilder besteht aus transparenten, fließenden Farbverläufen, die eine sanfte, freundliche Atmosphäre erzeugen und im Kontrast zu den scharf umrandeten Formen im Bildvordergrund stehen. Die Motive sind jetzt in erster Linie der Natur entnommen: Pflanzen, Wellen, Himmelskörper und vor allem Tiere, insbesondere Vögel, Fische, Schlangen oder Schnecken. Viele Gebilde erinnern auch an Igel, Amöben oder Föten. Diese Motive sind häufig in die geometrischen Formen eingebunden, durch die das Bild grundlegend strukturiert wird. Ornamentale Figuren, z. B. Bänder, Sicheln oder Kreise, ergänzen die Szenerie. Alle Motive bewegen sich in einer Bildwelt ohne Perspektive oder räumliche Anordnung. Die Farbpalette deckt nahezu alle Primär- und Sekundärfarben ab, wobei häufig eine Kombination aus zwei Farben dominiert.

Charakteristisch für die zweite Werkphase von Hemmelskamp ist sein Werk „Schrei des Bussards über dem Hasbruch“, ein Bild, zu dem sich Hemmelskamp in einem Gespräch geäußert hat. In dem von der Farbkombination Blau-Rosa dominierten Bild entfaltet sich zwischen den Wellen am oberen Rand und dem am unteren Rand abgebildeten, gerade noch als Vogel erkennbaren Bussard eine Welt aus vielgestaltigen Formen und Figuren. Der Bussard ist mit einem Baum symbiotisch verbunden, der, so Hemmelskamp, „ihm von der Schöpfung gegeben worden“ sei. Hemmelskamp betont, dass „alles, was auf der Welt vorhanden ist … eine Gleichheit“ besitzt. Zwar befindet sich in der Mitte des Bildes ein abstrahierter Mensch, der sich aber für Hemmelskamp „in seiner Wertigkeit und seiner Symbolik“ einreiht. „Er ist nicht der alles Beherrschende, kein omnipotentes Wesen in diesem Bild“.Gespräch von Karin Behrends mit Peter Hemmelskamp, in: Künstlergruppe Atelier Hasbruch, S. 18

Mitglied im „Atelier Hasbruch“ In der Künstlergruppe „Atelier Hasbruch“ schlossen sich im Sommer 1993 über ein Dutzend Huder Kunstschaffende aus den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei, Literatur/Lyrik, Collage, Keramik, Fotografie und Performance zusammen. Die Mitglieder wechselten über die Jahre – unter ihnen neben Peter Hemmelskamp Wolf E. Schultz, Krimhild Stöver, Karin Behrends, Barbara Daling, Michael Klucken, Diedrich Mörking, Peter-Marten Müller und Insa Winkler. Die Künstlergruppe wollte sich im heimischen 'Urwald' von „den Kulturstätten längst vergangener naturnaher Völker“Krimhild Stöver: "Atelier Hasbruch" Künstler und Künstlerinnen am Werk, in: Künstlergruppe Atelier Hasbruch, S. 5 inspirieren lassen und gemeinsam themenfrei künstlerisch tätig sein. Die Ergebnisse wurden erstmals 1993 und dann seit 1996 in Jahresausstellungen gezeigt, an denen auch Hemmelskamp beteiligt war.siehe Delmenhorster Kreisblatt, 23.10.1997, S. 9

Ausstellungen

1993 Gruppenausstellung: Wanderausstellung Huder Künstler, Rathaus HudeKolloge, Karsten: Huder Künstler zeigen gemeinsam Flagge, 22.09.1993 und weitere AusstellungsorteStöver, Krimhild: Urwald Hasbruch. Alte Meister – junge Kunst, S. 5 1994 Gruppenausstellung: Künstler aus Hude, Kreishaus Landkreis Oldenburg, WildeshausenNordwest-Zeitung, 04.03.1994, S. K3 1995 Duo-Ausstellung mit dem Bildhauer Wolf E. Schultz im World Trade Center Bremensiehe den Eintrag auf der Webseite von Wolf E. Schultz (Gruppenausstellungen) 1997 Gruppenausstellung "Einblicke 1997", 2. Jahresausstellung "Atelier Hasbruch", Evangelische Pastorei Vielstedter StraßeDelmenhorster Kreisblatt, 23.10.1997, S. 10 1998 Gruppenausstellung „Urwald Hasbruch. Alte Meister – junge Kunst“, Doppelausstellung in den Räumen der Volksbank Hude und in der Evangelischen Pastorei Vielstedter Straßesiehe den Eintrag zur Ausstellung "1998 Urwald Hasbruch Alte Meister - Junge Kunst" auf der Webseite von Krimhild Stöver (Publikationen) 2003 Gruppenausstellung "Huder Künstler stellen aus", Rathaus HudeNordwest-Zeitung, 09.07.2003, Hude, S. K9 2016 Einzelausstellung, Retrospektive zum 10. Todestag in Hude, Schaufenstergalerie des Huder GewerbevereinsDerke, Klaus: Der ganze Klosterort wird zur Galerie, 13.07.2016Derke, Klaus: Erinnerung an Hudes „Picasso“, 26.03.2016 2026 Einzelausstellung "Uferlos im All" in der Galerie CSR.ART, BerlinDEEDS.News, 23.06.2026

Bilder im öffentlichen Besitz In der Artothek im Deutschen Bundestag befinden sich insgesamt sieben Werke vom Hemmelskamp. Neben vier Werken ohne Titel sind dies „Blick eines Vogels im Flug“, „Eine Träne für die untergehende Welt“ und „Eine Träne Jesus?“.Artothek im Deutschen Bundestag, Vorläufige Bestandsliste, Stand: 01.08.2021, S. 34f.

Weblinks Website zu Peter Hemmelskamp Peter Hemmelskamp im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Peter Hemmelskamp in WorldCat Peter Hemmelskamp in Artfacts Peter Hemmelskamp im Verzeichnis der Arthothek im Deutschen Bundestag, Vorläufige Bestandsliste, Stand: 1. August 2021, abgerufen am 9. März 2026 CSR.ART: Zur Ausstellung in der Galerie CSR.ART DEEDS.News: Peter Hemmelskamp: UFERLOS IM ALL – CSR.ART, News vom 23. Juni 2026, abgerufen am 24. Juni 2026 Derke, Klaus: Erinnerung an Hudes „Picasso“, NWZ online, Nachricht vom 26. März 2016, abgerufen am 9. März 2026 Derke, Klaus: Der ganze Klosterort wird zur Galerie, NWZ online, Nachricht vom 13. Juli 2016, abgerufen am 9. März 2026 Schulz, Wolf E.: Website Wolf E. Schulz (Gruppenausstellungen), abgerufen am 13. Mai 2026 Stöver, Karin: Website Karin Stöver (Publikationen), abgerufen am 6. April 2026 Witthun, Orell: Dritter Klasse durch die Wüste, Wissenschaftlicher Literaturanzeiger, Justus-Liebig-Universität Gießen / Georg-August-Universität Göttingen, 30. März 2026, abgerufen am 6. April 2026

Einzelnachweise Delmenhorster Kreisblatt: Bilder, Objekte und Lyrik – "atelier hasbruch": 2. Jahresausstellung, 23.10.1997, S. 10 Hemmelskamp, Peter: Dritter Klasse durch die Wüste, Weltenbruchverlag, Diedrichshagen 2026, ISBN 978-3-9825540-8-2 Hufer, Christin: Denkmal für den "Picasso von Hude", Nordwest Zeitung, Nr. 80, 07.04.2026, S. 15