mini|Motiv in der Ulmer Friedrichsau Die Friedrichsau ist eine rund 43 Hektar große Parkanlage und ein wichtiges Naherholungsgebiet im Osten der baden-württembergischen Stadt Ulm. Der Park grenzt unmittelbar an die Donau und geht auf das Jahr 1811 zurück, als König Friedrich I. eine größere Summe zur Entwicklung bereitstellte und zugleich zum Namensgeber wurde. Zur Friedrichsau gehören unter anderem künstliche Seen, der Tiergarten Ulm sowie Veranstaltungsflächen wie das Areal des Festivals Ulmer Zelt.

Entwicklung

mini|Blick nach Westen auf die Dianawiese mit dem Diana-Denkmal auf einem Hügel, um 1820 Nachdem das zuvor reichsstädtische, 1802 vorübergehend bayerisch gewordene Ulm 1810 zum Königreich Württemberg gekommen war, hatte die Stadt Gebiete rechts der Donau eingebüßt, die vorher als Ausflugsziel und für Sommervergnügungen genutzt worden waren, insbesondere das heute zu Neu-Ulm gehörende Steinhäule. Der Ulmer Senator Eitel von Schermar griff eine Anregung des Oberamtmanns Ludwig Friedrich Fischer auf und ließ auf Ulmer Donauseite das etwas oberhalb des Steinhäule gelegene Gänshölzle, ursprünglich Auwald, entwässern und durch Wege erschließen. Als im Mai 1811 der württembergische König Friedrich I. Ulm zum ersten Mal besuchte, stiftete er 2000 Gulden „als einen Beitrag zur Errichtung des neuen Spaziergangs, welchen sie unter dem Namen Friedrichsaue anlegen wollen.“zit. n. Henning Petershagen, im Flyer Die Friedrichsau, Hrsg. Stadt Ulm, 2010

Im Zuge der Umgestaltung wurde eine Diana-Statue auf einem künstlichen Hügel aufgestellt. Von diesem nicht mehr erhaltenen Standbild zeugt die bis heute so genannte Dianawiese. Bereits 1811 entstanden erste gastronomische Einrichtungen, ein Feuerwerk wurde veranstaltet, und im Oktober unternahm eine Aeronautin einen BallonaufstiegWolf-Dieter Hepach, Wolfgang Adler (2010): Flugpioniere in Ulm. Klemm & Oelschläger, Ulm, ISBN 978-3-86281-004-8, S. 44/45. Ebenfalls 1811 gründeten 20 Ulmer die Au-Gesellschaft „Hundskomödie“ samt Gesellschafts-Gebäude in der Friedrichsau. Die Ulmer Lesegesellschaft (spätere Museumsgesellschaft) errichtete 1811 ein Sommerhaus in Form eines griechischen Tempels. Dort spielte regelmäßig eine Militärkapelle, seit 1817 fanden zudem Tanzveranstaltungen statt. Auch Sängervereine wie der „Liederkranz“ und die „Teutonia“ fanden in der Friedrichsau eine Heimat, wovon gleichnamige Gaststätten bis heute zeugen. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich auch der Brauch, den Schwörmontag in der Friedrichsau ausklingen zu lassen.

Durch Kiesabbau entstanden der Obere und Mittlere Ausee, die an der Wende zum 20. Jahrhundert durch einen Kanal verbunden wurden. 1910 wurde ein Seerestaurant eingerichtet mit Blick auf eine 22 Meter hohe Fontäne. Nach 1945 kam der Untere Ausee durch Kiesgewinnung auf ehemaligem Exerziergelände dazuLandesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit der Stadt Ulm (1977): Der Stadtkreis Ulm. Ulm, Süddt. Verlagsgesellschaft, ISBN 3-920921-94-1, S. 758/759.

Zum Sommerfahrplan 1927 wurde mit der Inbetriebnahme einer Straßenbahnlinie zur Friedrichsau ein langgehegter Wunsch der Ulmer erfülltDaniel Riechers: 100 Jahre Strassenbahn Ulm/Neu-Ulm. 1. Auflage. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1997, ISBN 3-88294-239-8, S. 54.

mini|Ulm, Landesgartenschau 1980, Anlage am Mittleren Ausee 1980 war die Friedrichsau Ort der ersten baden-württembergischen Landesgartenschau, die auch das bayerische Neu-Ulm einbezogBildergalerie Landesgartenschau 1980, Stadt Ulm. Dafür wurde der Park stark umgestaltet und auch der Untere Ausee neu modelliert, diverse Spielplätze und Sportanlagen entstanden. Die Gaststätten der Au-Gesellschaften wurden modernisiert und durch Biergärten ergänzt, die „Hundskomödie“ dabei in die Gegend des 1968 abgebrochenen Seerestaurants verlegt. 2010 wurde am Ufer des Unteren Ausees ein fünfstöckiges, 24 Meter hohes Hotel errichtet.

Als mit 43 HektarHerbert Birkenfeld (1987): Luftbildatlas Region Ulm/Neu-Ulm. Armin Vaas, Langenau/Ulm, ISBN 3-88360-051-2, S. 32 größte Parkanlage Ulms umfasst die Friedrichsau etwa 1.300 Bäume mit über 50 verschiedenen Arten, darunter Riesenmammutbaum, Eisenholzbaum, Kuchenbaum, Amberbaum und Trompetenbaum. Ausgewählte Exemplare verbindet ein rund zwei Kilometer langer BaumlehrpfadBaumlehrpfad Friedrichsau. In der Friedrichsau sind mehrere Skulpturen aufgestellt, so von Erich Hauser und Franz Bernhard („Ulmer Knie“)

Seit den 2000er Jahren sind wieder Biber in der Friedrichsau heimisch, deren Fraß am alten Baumbestand des Parks samt Unterhöhlung von Wegen und Böschungen Konfliktpotenzial birgtValentin Gensch: Mit Drahthosen gegen Baumeister Biber. Welt, 30. April 2014. Darüber informiert ein BiberpfadDer Biber in der Region Donau-Iller.

Weitere Einrichtungen und Bauwerke

mini|Fort Friedrichsau Im südlichen Teil der Friedrichsau befindet sich das Fort Friedrichsau, ein überwiegend zwischen 1852 und 1854 erbauter Bestandteil der Bundesfestung Ulm.

mini|Eingang zum Tiergarten Ulm 1927 richtete die Stadt eine kleine Tierschau ein. Daraus entwickelte sich 1935 ein Tierpark, der nach dem Zweiten Weltkrieg als kleine Aquarien- und Terrarienschau fortgeführt wurde. 1961 abgebrannt, wurde er durch ein Aquarium ersetzt, das später durch ein Freigehege und ein Tropenhaus zum heutigen Tiergarten Ulm ergänzt wurde. Seit den 1930er Jahren existierte zudem ein Braunbären-Gehege im Bereich des Forts Friedrichsau, das 1980 erweitert und 2003 in den Tiergarten integriert wurde.

1956 wurde nördlich des Unteren Ausees die Donauhalle errichtet, deren Ausstellungsgelände 1964 durch weitere Hallen erweitert wurde. 1963 entstand angrenzend eine Fertighaus-Ausstellung. Im Südwesten der Friedrichsau bzw. direkt angrenzend liegt das Donaustadion.

Die Friedrichsau verfügt über ein Festgelände, das für Volksfeste, Zirkusgastspiele und weitere Open-Air-Veranstaltungen genutzt wird. Im Sommerhalbjahr findet dort seit 1987 regelmäßig das Kulturfestival Ulmer Zelt statt.

Einzelnachweise

Literatur Flyer Die Friedrichsau, Hrsg. Stadt Ulm, 2010, Text: Henning Petershagen

Weblinks

Informationen der Stadt Ulm Chronik auf friedrichsau-ulm.de

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