Rapaxavis (lateinisch rapax – „räuberisch“ und avis – „Vogel“) ist eine ausgestorbene Gattung von Vögeln im weiteren Sinne aus der Gruppe der Enantiornithes. Sie lebte während der ersten Hälfte der Kreidezeit im heutigen Nordosten Chinas. Die einzige bekannte Art ist Rapaxanis pani.
Entdeckung 2006 entdeckte Pan Lijun den Holotyp (DMNH D2522) in der Jiufotang-Formation in Liaoning, einer geologischen Schicht, die bereits dutzende Arten hervorbrachte. Es handelt sich um ein nahezu vollständiges Exemplar, das beim Auftrennen des Gesteins sauber auf einer Seite verblieb. Da die drei Mittelfußknochen noch nicht vollständig verwachsen waren, handelt es sich bei dem Tier um ein subadultes Individuum. Zunächst wurde das Fossil noch Longirostravis zugeordnet. Die Restauration allerdings wurde unsauber durchgeführt. Das Skelett nahm durch grobes Werkzeug und fehlende Sorgfalt ernsthaften Schaden. Es wurde an das Natural History Museum of Los Angeles County überstellt. Dort gelang es die Präparation fertig zu stellen und die Beschädigungen weitgehend zu beheben. Während Wirbel und Flügel gerettet werden konnten, ging das rechte Jochbein unwiederbringlich verloren. Eric M. Morschhauser und sein Team umreißen den Sachverhalt in ihrer Erstbeschreibung von 2009.
Zu Ehren des Finders wurde die Art pani getauft. Zudem wurde ein baumbewohnender Lebensstil angenommen, weshalb der Name zudem als Anlehnung an Pan als Gott des Waldes dient.
2011 erfolgte eine weiterführende Beschreibung durch eine Arbeitsgruppe um Jingmai K. O’Connor und Luis K. Chiappe, beide waren an der Rettung des Fundes beteiligt.
Merkmale mini|372x372px|Schemata verschiedener Longipterygidae-Schädel im Vergleich Die anhand des Skeletts von Rapaxavis errechneten Maße liegen bei rund 10–12 cm Körperlänge samt Schnabel, einer Spannweite von knapp 25 cm und einem Gewicht von 44 g. Voll ausgewachsen müssten diese nochmals ein wenig darüber liegen.
Alles deutet auf einen stochernden Baumkletterer, ganz ähnlich der rezenten Baumläufer hin: +KörperteilMerkmaleDeutungSchädelSchnabelmit 35,4 mm extrem lang (>60 % Schädellänge), gewaltig im Bezug zur Körperlänge, sehr schmal und zulaufend.„Pinzette“ – spechtartiges StochernZähnesehr klein, stiftartig, distal, 2–3 pro Kieferseite, animalivore MorphologieGreifhilfe zum Entnehmen von Insekten aus Baumlöchern, höchst wahrscheinlich insektenfressendAugenhöhlen (Orbits)geradezu riesigexzellentes Sehvermögen zur Erspähung im Dickicht, eventuell verbesserte Sicht im HalbdunkelHalswirbelsehr beweglich, leicht unabhängiger Oberkiefervergrößerte Schnabelöffnung ohne Kopfbewegung, gute Drehfähigkeit und Schädelkinese (Beweglichkeit), ähnlich moderner VögelFüßeHallux (hintere Zehe)vollständig gegenüberstehend (opponiert)ermöglicht Umschließen von Ästen, SitzvogelKrallenlang, sehr scharf, starke Krümmung, seitliche Abflachungenorme Schließkraft, sehr wahrscheinlich stark genug für vertikale Bewegungen an BäumenLaufknochen (Tarsometatarsus)kurz, kräftigtypisch für Kletterer und GreiferBrustbein (Sternum)groß, ausgeprägter KielAnsatz für massive Flugmuskeln, kein GleiterFlügelFedernasymmetrische Schwungfedern, wahrscheinlich lange Schmuckfedern am Schwanzaktiver Flug, gute BalanceDaumenfittich (Alula)Rückständeermöglicht langsamen Flug und punktgenaue LandungOberarm (Humerus)hohl, leicht, an Gelenken verstärktfür hohe Belastung ausgelegtSchwanz (Pygostyl)lang, schwertförmigAnkerpunkt für Schmuckfedern, Gegendruck am Baum links|mini|690x690px|Detailaufnahme vom Schädel Rapaxavis, graphische Rekonstruktion sowie Schema des Schnabels
Systematik Rapaxavis reiht sich neben Longirostravis und Shanweiniao innerhalb der Longipterygidae in die Untergruppe der Longirostravinae ein. Wie die beiden genannten zeichnet er sich durch den filigraneren Körperbau und grazilere Zahnmorphologie aus als die Schwestergruppe der Longipteryginae aus. Der Fund belegt eine frühere und ausgefeiltere Spezialisierung der Gruppe als bisher angenommen.
Die systematische Stellung von Rapaxavis
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Einzelnachweise
Kategorie:Enantiornithen Kategorie:Enantiornithes