Musschia wollastonii ist eine seltene Pflanzenart aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) in der Gattung Musschia. Sie kommt ausschließlich auf der portugiesischen Insel Madeira vor. In Kultur gehört sie zur Sammlung vieler Botanischen Gärten.
Name Die Art wird wegen ihrer Höhe von bis zu 2 Meter im Deutschen mitunter Riesenglockenblume genannt.Rolf Goetz: Madeiras Flora. Rother Bergverlag, München 2022, ISBN 978-3-7633-6103-8 Im Portugiesischen nennt man sie tangerão bravo.
Die Gattung Musschia ist zu Ehren von Jean-Henri Mussche (1765–1834), einem Obergärtner des Botanischen Gartens in Gent, benannt.
Merkmale mini|Musschia wollastonii, Illustration von Louis van Houtte, 1858 Der Halbstrauch mit verholztem Stamm erreicht eine Wuchshöhe von 1 bis 2 Meter. Seine zu Rosetten oberseits angeordneten bis über 80 Zentimeter langen und 15 Zentimeter breiten, sitzenden, verkehrt-eilanzettlichen Blätter sind doppelt gesägt, spitz bis stumpf und fein behaart.Roberto Jardim, David Francisco: Blumen der Insel Madeira. 4. Auflage, Muchia Publicações, Funchal 2010, ISBN 978-972-8622-07-7.
Der stark verzweigte, feinhaarige Blütenstand mit gelb- bis braunroten Blüten bildet eine endständige, pyramidenförmige, lockere, sparrige und reichblütige Rispe. Die großen, fünfzähligen und gestielten Blüten sind zwittrig. Die länglichen, zusammenstehenden Petalen sind oberseits zurückgelegt. Der Blütenbecher ist kantig, die Kelchblätter spitz. Die fünf kurzen Staubblätter sind am Grund verbreitert. Der unterständige Fruchtknoten ist fünfteilig mit langem, dickem Griffel. Die Blüten sind protandrisch, vormännlich. An der Unterseite der langen Griffeläste wird Pollen produziert.Catarina Gomes et al.: Reproductive biology and pollinators of Musschia wollastonii Lowe (Campanulaceae). In: Perspectives in Plant Ecology, Evolution and Systematics. Volume 67, 2025, 125866, doi:10.1016/j.ppees.2025.125866. Blütezeit ist von August bis November.
Es werden fünfteilige und rippige, vielsamige Kapselfrüchte mit beständigem Kelch gebildet, die Quer aufreißen.A. Engler, K. Prantl: Die natürlichen Pflanzenfamilien. IV. Teil, 5. Abteilung, Engelmann, 1894, S. 42, 44, 46, 59 f, online auf biodiversitylibrary.org.
Vorkommen Musschia wollastonii ist auf Madeira endemisch. Sie kommt dort an feuchten und schattigen Standorten im Lorbeerwald in Höhenlagen zwischen 400 und 900 Meter vor, vornehmlich an den Nordhängen der Insel. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich im Wesentlichen auf die als Parque Florestal Ribeiro Frio ausgewiesene Region um den Ort Ribeiro Frio.
In der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN wird Musschia wollastonii als gefährdet eingestuft.IUCN Red List 2011.
Taxonomie und Systematik Musschia wollastonii wurde 1856 von Richard Thomas Lowe in Hooker's Journal of Botany and Kew Garden Miscellany Band 8 Seite 298 erstbeschrieben. Das Epitheton "wollastonii" ehrt den englischen Insektenforscher Thomas Vernon Wollaston (1822–1878), der sich viel mit der Fauna von Madeira befasst hat.
Verwandte Arten Zur Gattung Musschia zählen neben Musschia wollastonii die beiden Arten Musschia aurea und Musschia isambertoi . Ihr Vorkommen ist ebenfalls auf Madeira, bzw. die vorgelagerte Insel Deserta Grande begrenzt.Peter Sziemer: Eine kurze Naturgeschichte Madeiras. Ribeiro & Filhos, Funchal 2000, ISBN 972-9177-30-9, S. 177.
Galerie
Literatur Curtis’s Botanical Magazine. Vol. XXII, Third Series, Reeve, 1866, Tab. 5606, online biodiversitylibrary.org. H. Suzanne Cubey, James Cullen, Sabina G. Knees: The European Garden Flora Flowering Plants. Volume V, Second Edition, Cambridge University Press, 2011, ISBN 978-0-521-76164-2, S. 394. Joachim W. Kadereit, C. Jefferey: The Families and Genera of Vascular Plants. Volume VIII: Flowering Plants Eudicots, Springer, 2007, ISBN 978-3-540-310-50-1, S. 41.
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Einzelnachweise
Kategorie:Endemische Pflanze Madeiras