Die Katolikus Néppárt (oft kurz Néppárt, auch Katholikus Néppárt oder Országgyűlési Néppárt, zu Deutsch Katholische Volkspartei) war eine zwischen 1894 und 1918 bestehende Partei im Königreich Ungarn. Sie war die erste weltanschaulich orientierte Partei des Landes und war Teil der europäischen Bewegung des politischen Katholizismus. Ihr Programm orientierte sich an der Soziallehre der Kirche, besonders an der Enzyklika Rerum Novarum (1891) von Papst Leo XIII.

Geschichte Gegründet wurde die Partei auf Anregung von Ottokár Prohászka, dem Bischof von Székesfehérvár, am 14. November 1894 durch Nándor Zichy und Miklós Móric Esterházy, um auf Säkularisierung, liberale Reformen und soziale Veränderungen in Ungarn zu reagieren. Auslöser waren etwa die kirchenpolitischen Gesetze der 1890er Jahre unter Ministerpräsident Sándor Wekerle, die eine stärkere Trennung von Kirche und Staat zum Ziel hatten. Im Zuge dessen wurden beispielsweise die obligatorische Zivilehe und staatliche Standesregister eingeführt. Zwar wurden die Gesetze anfangs durch das Magnatenhaus mit seiner katholisch-konservativen Mehrheit blockiert und auch König Franz Joseph I. stand ihnen als gläubiger Katholik kritisch gegenüber, doch war er um der Aufrechterhaltung des Ausgleichs willen politisch auf die liberale Parlamentsmehrheit angewiesen und ließ die Gesetze letztlich passieren. Dadurch verlor die Kirche einen Teil ihrer bisherigen gesellschaftlichen und rechtlichen Sonderstellung.

Weil die katholische Kirche diese Gesetze nicht verhindern konnte, erkannte sie, dass sie sich politisch organisieren musste. Das Ziel der Katolikus Néppárt war demnach die Verteidigung der katholischen Kirche und ihrer gesellschaftlichen Rolle, die Ablehnung des laizistisch-liberalen Geistes der Regierung und die Unterstützung der christlichen Sozialpolitik. Während die Parteiführung vor allem aus Aristokraten, katholischen Geistlichen und Intellektuellen bestand, setzten sich ihre Wähler hauptsächlich aus dem städtischen Bürgertum, wohlhabenden Bauern sowie katholischen Minderheiten, wie den Slowaken zusammen.

Parteivorsitzende

Wahlergebnisse Ergebnisse der Reichstagswahlen: Jahr Sitze 1896 1901 1905 1906 1910

Bekannte Mitglieder Ödön Beniczky (1878–1931), Obergespan und späterer Innenminister János Csernoch (1852–1927), Erzbischof von Esztergom und Fürstprimas von Ungarn Mihály Dömötör (1875–1962), späterer Innenminister Sándor Ernszt (1870–1938), Kanoniker und späterer Minister István Haller (1880–1964), späterer Minister für Kultus und Unterricht István Rakovszky (1858–1931), späterer Präsident der Nationalversammlung Sándor Simonyi-Semadam (1864–1946), späterer Ministerpräsident György Szmrecsányi (1876–1932), Obergespan Aladár Zichy (1864–1937), Minister, Parteivorsitzender 1903–1918 János Zichy (1868–1944), Parteivorsitzender 1900–1903, späterer Minister Nándor Zichy (1829–1911), Tarnackmeister, Parteivorsitzender 1894–1900

Literatur

Kategorie:Historische Partei (Ungarn) Kategorie:Historische konservative Partei Kategorie:Politischer Katholizismus Kategorie:Parteigründung 1894 Kategorie:Aufgelöst 1918