Manis aurita ist eine Säugetierart aus der Familie der Schuppentiere (Manidae). Sie kommt im nördlichen Südasien und im westlichen Südostasien vor und bewohnt dort Tieflandsgebiete und mittlere Gebirgslagen. Über die Lebensweise der Tiere liegen keine Informationen vor. Die Art ähnelt weitgehend dem Chinesischen Schuppentier und teilt mit diesem die Ausprägung von Ohrmuscheln, was bei anderen Vertretern der Familie nicht der Fall ist. Sie wurde im Jahr 1837 wissenschaftlich eingeführt, galt jedoch im Verlauf des 20. Jahrhunderts als Unterart des Chinesischen Schuppentiers. Genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2025 stellten dann aber die Eigenständigkeit der Population des nördlichen Südasiens heraus. Eine daraufhin für diese etablierte Art namens Manis indoburmanica wird als synonym zu Manis aurita angesehen. Der Bestand ist möglicherweise bedroht.

Merkmale Habitus Manis aurita ist ein mittelgroßer Vertreter der Schuppentiere. Die Gesamtlänge wird mit durchschnittlich 95,2 cm angegeben, wovon 37,4 cm auf den Schwanz entfallen. Das Gewicht liegt bei rund 5 bis 6 kg. Mit den Maßen überifft die Art das nahe verwandte Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla), bleibt aber hinter dem Vorderindischen Schuppentier (Manis crassicaudata) zurück. Äußerlich entspricht sie den beiden anderen Formen weitgehend. Charakteristisch für Manis aurita sind der lange Kopf, die kurzen Gliedmaßen und der Schwanz, der weniger als die Hälfte der Länge des übrigen Körpers ausmacht. Eine Besonderheit ist das Auftreten von kleinen Ohrmuscheln, was Manis aurita mit dem Chinesischen Schuppentier teilt, bei anderen Angehörigen der Familie aber nicht vorkommt. Bei erstgenannter Art sind die Ohren mit rund 2,0 cm Länge jedoch kleiner als bei letztgenannter. Typisch für alle Mitglieder der Familie ist der Schuppenpanzer, der die Oberseite des Kopfes, den Rücken sowie die Seiten, die Außenflächen der Gliedmaßen und den Schwanz bedeckt. Er besteht bei Manis aurita aus 538 bis 596 einzelnen Hornschuppen. Von diesen verteilen sich 254 bis 274 auf den Hals und den Rücken sowie 140 bis 153 auf den Schwanz. Weitere 32 bis 55 Hornschuppen bedecken jeweils beide Vorder- und Hinterfüße. Die einzelnen Panzerelemente sind an Rumpf und Schwanz in Reihen angeordnet, deren Anzahl bei 23 bis 24 beziehungsweise 16 bis 20 liegt. Auf dem Kopf reichen die Hornschuppen nicht bis zur Nase vor, so dass hier ein Bereich mit nackter Haut besteht. Auffallend ist die trapezförmige Gestaltung der Hornschuppen der Rückenseite mit einem geraden Abschluss an der Hinterkante, während jene der Bauchseite eher rundlich sind. Der gesamte Schuppenpanzer besitzt eine dunkelbraune Farbgebung und ist damit deutlich dunkler als beim Vorderindischen Schuppentier. Der Hinterfuß ist 6,4 cm lang und damit deutlich länger als beim Chinesischen Schuppentier.

Schädelmerkmale Der Schädel wird durchschnittlich 9,5 cm lang, 4,1 cm breit und 3,7 cm hoch. In Seitenansicht ist er robuster gebaut und weust eine Wölbung im vorderen Abschnitt des Rostrums auf, was durch eine Aufblähung des Oberkiefers am Kontakt zum Mittelkieferknochen hervorgerufen wird. Das Nasenbein wirkt kürzer und breiter als beim Chinesischen Schuppentier. Einzigartig bei Manis aurita ist der vollständig ausgebildete Jochbogen, während er bei anderen Arten zumeist offen bleibt oder fehlt. Auf der Schädelunterseite nimmt der Gaumen eine weiter nach vorn verschobene Position ein mit dem hinteren Rand etwa auf Höhe der Verbindung zwischen den beiden Jochbogenabschnitten. Im Vergleich dazu endet er beim Chinesischen Schuppentier dahinter. Der Unterkiefer misst 6,1 bis 7,0 cm in der Länge.

Verbreitung und Lebensraum Das Verbreitungsgebiet von Manis aurita umfasst das Grenzgebiet von Süd-, Südost- und Ostasien, ist aber gegenwärtig nicht genau umrissen. Allgemein nimmt es das ehemalige westliche Vorkommen des Chinesischen Schuppentiers ein, wodurch möglicherweise Bereiche vom östlichen Nepal über das nordöstliche Indien bis in das nordwestliche Myanmar eingeschlossen sind. Allerdings könnte die Art auch deutlich weiter verbreitet sein. Der genutzte Lebensraum erstreckt sich über Höhenlagen von 180 bis 3000 m über dem Meeresspiegel. Als Lebensraum dienen Mischwälder und tropische Regenwälder. Teilweise dringen die Tiere auch in von Menschen veränderte Landschaften vor.

Lebensweise Informationen zur Lebensweise von Manis aurita liegen nicht vor.

Systematik

Manis aurita ist eine eigenständige Art aus der Gattung Manis. Dieser werden zusätzlich vier weitere, heute noch bestehende Angehörige zugesprochen. Alle zusammen stellen die asiatischen Vertreter der Familie der Schuppentiere (Manidae) dar. Die Schuppentiere wiederum repräsentieren das gegenwärtig einzige Mitglied der Ordnung der Pholidota, die somit als monotypisch anzusehen sind. Zur weitläufigeren Verwandtschaft der Schuppentiere gehören die Raubtiere (Carnivora). Die Beziehung der beiden Gruppen wurde allerdings erst durch molekulargenetische Untersuchungen erbracht und abgesichert. Die asiatischen Vertreter der Schuppentiere sind der Unterfamilie der Maninae zugeordnet. Sie bildet das Schwestertaxon zu den afrikanischen Schuppentieren, die in der Unterfamilie der Smutsiinae zusammengefasst werden.

Mitunter wird die Gattung Manis in die Untergattungen Manis und Paramanis aufgeteilt. In dieser Ansicht wären ersterer das Chinesische Schuppentier (Manis pentadactyla) und das Vorderindische Schuppentier (Manis crassicaudata) zuzuweisen, letztere beinhaltet dann das Malaiische Schuppentier (Manis javanica) und das Palawan-Schuppentier (Manis culionensis). Dem widersprechen aber genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2017, denen zufolge das Chinesische Schuppentier die Schwestergruppe zu allen anderen asiatischen Schuppentieren bildet. Dieses spaltete sich bereits im Mittleren Miozän vor 12,9 Millionen Jahren von der gemeinsamen Vorfahrenlinie ab. Dessen nächster Angehöriger ist Manis aurita. Beide Linien trennten sich im Pliozän oder Unterpleistozän vor gut 3,4 bis 1,8 Millionen Jahren auf.

Die Erstbeschreibung von Manis aurita erstellte Brian Houghton Hodgson im Jahr 1837. Er nutzte hierfür ein 89 cm langes Individuum aus den zentralen Tieflandlagen Nepals. Als Besonderheit hob Houghton die runden, nackten Ohren hervor, worauf sich auch das Artepitheton bezieht (von lateinisch auris für „Ohr“). Üblicherweise fehlen diese sonst bei den Schuppentieren. Eine Ausnahme bildet das Chinesische Schuppentier, mit dem Hodgson auch die größten Gemeinsamkeiten erkannte. Die von ihm ursprünglich verwendete Variante Manis auritus wurde im darauffolgenden Jahr von George Robert Waterhouse in das korrekte Manis aurita geändert. Im Verlauf des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Art weitgehend als eigenständig und wurde unter anderem im Jahr 1872 von Leopold Fitzinger mit der Trivialbezeichnung „Nepal-Spitzschwanzschuppenthier“ versehen. Joel Asaph Allen wiederum unterschied Manis aurita im Jahr 1906 von anderen Vertretern der Gattung des ost- und südostasiatischen Festlands neben der variierenden Größe unter anderem anhand der Gestaltung der Schnauze.

Allerdings war rund dreißig Jahre später wiederum Glover M. Allen der Auffassung, dass alle Schuppentiere Ostasiens einer einzigen Art, dem Chinesischen Schuppentier, angehörten, welches mehrere Unterarten einschloss. Dies bestätigten John Reeves Ellerman und Terence Charles Stuart Morrison-Scott im Jahr 1951 im Rahmen eines großen Katalogwerkes zur Fauna der Paläarktis. Sie wiesen Manis aurita als eine von drei Unterarten des Chinesischen Schuppentiers aus. Diese nahm vor allem die Populationen aus dem festländischen Ost-, Südost- und Südasien auf, während die beiden anderen jenen der Inseln Taiwan und Hainan vorbehalten waren. Gleichzeitig vereinten Ellerman und Morrison-Scott innerhalb der Unterart Manis pentadactyla aurita mehrere weitere Formen, die zwischenzeitlich benannt worden waren, so unter anderem Manis dalmanni von Carl Jacob Sundevall aus dem Jahr 1843 oder die von Fitzinger gut 40 Jahre später eingeführten Varianten Manis assamensis und Manis bengalensis. Die Einschätzung übernahm ein Großteil der späteren Autoren, wodurch dies Einzug in verschiedene, weltweit akzeptierte Veröffentlichungen erhielt, etwa dem Artporträt des Chinesischen Schuppentiers in der Fachzeitschrift Mammalian Species aus dem Jahr 1992, dem Eintrag im Referenzwerk Mammal Species of the World aus dem Jahr 2005 oder dem zweiten Band des Monographienreihe Handbook of the Mammals of the World aus dem Jahr 2011.

Bereits relativ früh wurde für das Chinesische Schuppentier eine höhere morphologische Variabilität erkannt, wodurch sich auf dem chinesischen Festland eine braungraue und sehr dunkle Variante unterscheiden ließ. Genetischen Untersuchungen aus dem Jahr 1991 an Individuen aus der Provinz Yunnan zufolge trennten sich diese beiden Gruppen bereits vor rund 600.000 Jahren voneinander ab. In den 2020er Jahren deckten weitere genetische Analysen auf, dass die Gliederung der asiatischen Schuppentiere vermutlich komplexer ist als ursprünglich angenommen. Unter anderem ergaben sich für das Chinesische Schuppentier in Nepal einzelne, genetisch deutlich von anderen Populationen in Ost- und Südostasien abgesetzte Linien. Eine dieser Linien ließ sich bei weiteren Studien im Jahr 2025 erneut identifizieren, wobei sowohl beschlagnahmte Schuppen als auch einige gefangene Individuen aus dem nordöstlichen Indien die Materialbasis bildeten. Die Initiatoren der Analyse, ein Autorenteam um Lenrik Konchok Wangmo, erkannten eine deutliche genetische Abweichung vom Chinesischen Schuppentier, die mit 3,8 % höher ist als jene zwischen dem Malaiischen und dem Palawan-Schuppentier. Die Wissenschaftler beschrieben daraufhin die potenzielle neue Art unter der Bezeichnung Manis indoburmanica, wobei der Artzusatz auf die Herkunft der Tiere aus dem indischen Bundesstaat Arunachal Pradesh im Grenzgebiet zu Myanmar hinweist. Der Holotyp umfasst ein männliches Tier aus dem Distrikt West Kameng, die Typuslokalität liegt in 1830 m Höhe über dem Meeresspiegel. In einem Kommentar zur veröffentlichten Erstbeschreibung von Manis indoburmanica hob Jelle S. Zijlstra noch im gleichen Jahr hervor, dass die Bezeichnung lediglich als Synonym von Manis aurita aufzufassen ist, da letzterer Name der gültige für die Schuppentiere der Region sei. Wangmo und Kollegen widersprachen dem zwar mit dem Hinweis auf die seltene Verwendung der Bezeichnung Manis aurita und einer fehlenden Gensequenzierung von dessen Typusexemplar, doch andere Autoren übernahmen Zijlstras Standpunkt. Die Übereinstimmung konnte im Jahr 2026 auch genetisch durch Einbeziehung des Lectotyps von Manis aurita belegt werden.

Bedrohung und Schutz Manis aurita wird derzeit nicht von der IUCN erfasst. Da aber die genetischen Analysen aus dem Jahr 2025, die zur Aufdeckung der eigenständigen Linie der Art führten, zum Teil an beschlagnahmten Schuppen durchgeführt wurden, schätzen die Autoren der Studie ihren Bestand als bedroht ein. Für eine genauere Beurteilung sind Untersuchungen zur Verbreitung und den ökologischen Ansprüchen der Tiere notwendig. Das Auftreten der Art in anthropogen veränderten Landschaftsräumen lässt auf gewisse Toleranzen und Anpassungen schließen.

Literatur Brian Houghton Hodgson: Synoptical description of Sundry New animals enumerated in the catalogue of Nipalese mamnals. Journal of the Asiatic Society of Bengal 5, 1836, S. 231–238 () Lenrik Konchok Wangmo, Avijit Ghosh, Stanzin Dolker, Bheem Dutt Joshi, Lalit Kumar Sharma und Mukesh Thakur: Indo‑Burmese pangolin (Manis indoburmanica): a novel phylogenetic species of pangolin evolved in Asia. Mammalian Biology 105, 2025, S. 691–698, doi:10.1007/s42991-024-00475-7