Tamara Stefanovich (* 1973 in Belgrad) ist eine deutsche Pianistin. Ihr Repertoire reicht von Klassik bis zur Neuen Musik. Sie wurde mit der Einspielung Organised Delirium (Pentatone) wahrgenommen, die Boulez’ Zweite Klaviersonate ins Zentrum stellt.
Leben Stefanovich wuchs im sozialistischen Jugoslawien auf, wo ihre Kindheit von Leistungsansprüchen, Musikunterricht und regelmäßigen öffentlichen Prüfungen geprägt war. Mit fünf Jahren begann sie mit dem Klavierunterricht und erhielt ab dem Alter von sechs Jahren zwei praktische Klavierstunden pro Woche. Mit 13 Jahren begann sie ein Studium an der Universität für Musik Belgrad, nachdem ihr Talent früh gefördert worden war. In Belgrad studierte sie neben Klavier auch Psychologie, Soziologie und Pädagogik. Während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien setzte sie ihr Studium am Curtis Institute of Music in Philadelphia fort. Nach drei Jahren in den Vereinigten Staaten ging sie nach Köln in Deutschland. Dort lernte sie Pierre-Laurent Aimard im Umfeld eines Kurses über Boulez’ Structures an der Kölner Hochschule für Musik kennen. Sie lebt heute im Berliner Ortsteil Schöneberg.
Wirken Stefanovichs Konzertprogramme sind häufig so gebaut, dass sie stilistisch weit entfernte Komponisten über gemeinsame Denkweisen und Motive in Beziehung setzt. Ein Etüden-Recital im Pierre Boulez Saal verband Werke vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart und umfasste eine Auswahl von insgesamt 13 Komponisten, darunter Béla Bartók, Claude Debussy, György Ligeti, Liza Lim und Olivier Messiaen. Beim Musikfest Berlin 2025 thematisierte sie die emotionale Kraft von Rebecca Saunders’ Klavierkonzert to an utterance und den Umgang mit neu entstehenden Stücken. Für das Musikfest Berlin 2026 ist sie als Solistin in Hans Werner Henzes Klavierkonzert Tristan angekündigt, begleitet vom NDR Elbphilharmonie Orchester unter Alan Gilbert. In der Elbphilharmonie präsentierte sie 2023 einen dreiteiligen Sonaten-Marathon, der über fünf Stunden Sonaten von Bach bis Busoni sowie von Soler bis Ives nebeneinanderstellte. Sie bezeichnete den Barockkomponisten Domenico Scarlatti in diesem Zusammenhang als einen wichtigen Bezugspunkt und Orientierungshilfe. Für Organised Delirium arbeitete sie Boulez’ Zweite Klaviersonate aus, nachdem sie das Werk mit Boulez selbst studiert hatte. Nennenswert sind ihre präzise, zugleich energiegeladene Interpretation der Sonaten von Dmitri Schostakowitsch, Bartók und Hanns Eisler und Scarlattis Sonate K 87 als beruhigender Abschluss.
Einzelnachweise
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