Heinrich Anton von Nagel zu Aichberg, seit 1906 Freiherr von Nagel zu Aichberg (* 24. November 1833 in Weilheim; † 24. Oktober 1910 in München) war ein bayerischer General der Kavallerie.
Leben Herkunft Heinrich entstammte der Familie Nagel, die am 15. Juli 1775 durch Kaiserin Maria Theresia mit dem Prädikat „zu Nagel“ in den erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben wurde. Er war ein Sohn des bayerischen Landrichters Anton von Nagel zu Aichberg (1798–1859) und dessen ersten Ehefrau Johanna, geborene Klieber (1803–1840). Der bayerische Major und Maler Ludwig von Nagel zu Aichberg (1836–1899) war sein jüngerer Bruder aus dieser Ehe.Vgl. Stadtgeschichte München | Münchner Friedhofportal: Ludwig von Nagel zu Aichberg. Stand 22. Juni 2026.
Militärkarriere Nagel besuchte ab 1843 das Kadettenkorps in München. Anfang September 1851 wurde er als Junker im 5. Chevaulegers-Regiment „Leiningen“ der Bayerischen Armee angestellt und gleichzeitig zu Ausbildungszwecken an die Artillerie- und Genie-Schule kommandiert. Am 11. Oktober 1853 folgte mit Patent vom 18. September 1852 seine Beförderung zum Unterleutnant. Mitte April 1860 wurde Nagel zum Adjutanten des Generalmajors und Brigadiers der 4. Kavallerie-Brigade Wilhelm von Lindenfels (1799–1890) ernannt. In dieser Stellung avancierte Nagel Anfang November 1861 zum Oberleutnant und trat mit der Pensionierung seines vorgesetzten Generals am 20. April 1866 wieder in den Truppendienst zurück. Kurz darauf wurde Nagel Anfang Mai 1866 in das 6. Chevaulegers-Regiment „vacant Herzog von Leuchtenberg“ versetzt und nahm in dessen Reihen während des folgenden Krieges gegen Preußen am Gefecht bei Roßdorf teil. Im Armeebefehl vom 5. Juli zum Rittmeister befördert, wurde er am 20. August 1866 für sein Verhalten vor dem Feind belobigt.
Nach dem Krieg erfolgte am 3. Mai 1867 seine Versetzung als Eskadronchef in das 3. Chevaulegers-Regiment „Herzog Maximilian“. Mit diesem Regiment nahm Nagel beim I. Armee-Korps 1870/71 am Krieg gegen Frankreich teil. In der Schlacht bei Wörth entschloss er sich auf eigene Initiative in der linken Flanke vorzugehen und den bei Niederbronn verdeckt stehenden Gegner zu vertreiben. Seine Eskadron erbeutete zwei Geschütze, drei Munitions- und zwei Vorratswagens sowie 25 Pferde. Dafür wurde ihm zunächst das Ritterkreuz 2. Klasse des Militärverdienstordens und das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Ein am 25. September 1870 unter dem Vorsitz des Generals der Infanterie Jakob von Hartmann abgehaltenes Ordenskapitel sprach sich für seine Taten einstimmig für eine Aufnahme in den Militär-Max-Joseph-Orden auf. Mit Armeebefehl vom 11. Oktober 1870 wurde Nagel mit Wirkung zum 6. August 1870 durch König Ludwig II. mit dem Ritterkreuz der höchsten bayerische Kriegsauszeichnung beliehen.
Am 2. Februar 1871 wurde Nagel zum 1. Adjutanten des Generalleutnants Joseph Maximilian von Maillinger ernannt und gleichzeitig zum 2. Armee-Divisionskommando versetzt. Nach dem Friedensschluss trat er Mitte Februar 1872 in den Truppendienst im 3. Chevaulegers-Regiment „Herzog Maximilian“ zurück. Mit der Beförderung zum Major folgte am 29. März 1873 seine Versetzung als Stabsoffizier in das 5. Chevaulegers-Regiment „Prinz Otto“ nach Saargemünd. Nachdem man ihn am 4. April 1877 zunächst mit der Führung des 3. Chevaulegers-Regiments „Herzog Maximilian“ beauftragt hatte, wurde Nagel am 23. November 1877 unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Regimentskommandeur ernannt. Zuvor hatte er am 9. November 1877 die Erlaubnis zur Annahme des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse erhalten. Nagel avancierte am 23. November 1882 zum Oberst, erhielt Anfang November 1884 die Erlaubnis zur Annahme des preußischen Kronen-Ordens II. Klasse und wurde am 3. Dezember 1884 zum Kommandeur der 1. Kavallerie-Brigade in München ernannt. In dieser Funktion beauftragte man ihn unter Stellung à la suite des 3. Chevaulegers-Regiments „Herzog Maximilian“ am 31. Juli 1886 zusätzlich mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Inspekteurs der Militärischen Strafanstalten. Er stieg am 17. November des Folgejahres zum Generalmajor auf und erhielt Ende Mai 1889 die Erlaubnis zur Annahme des Großkreuzes des Franz-Joseph-Ordens.Bayerisches Kriegsministerium (Hrsg.): Verordnungs-Blatt. Nr. 28 vom 29. Mai 1889, S. 252. Zum Jahreswechsel 1890/91 verlieh Prinzregent Luitpold ihm den Verdienstorden vom Heiligen Michael II. Klasse und er beförderte Nagel am 11. Juni 1891 zum Generalleutnant. Kurz vor den Königsmanövern bei Röhrmoos, die die ersten in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. sein sollten, wurde Nagel am 18. August 1891 zum Kommandeur der 4. Division ernannt. Nach Beendigung der Truppenübungen ehrte der Prinzregent ihn durch die Verleihung des Großkomturkreuzes seines Militärverdienstordens.Bayerisches Kriegsministerium (Hrsg.): Verordnungs-Blatt. Nr. 41 vom 14. September 1891, S. 377. Im Herbst 1897 nahm Nagel am Kaisermanöver zwischen preußischen und bayerischen Truppen bei Hanau teil. Dafür erhielt er die Erlaubnis zur Annahme des Roten Adlerordens I. Klasse.Bayerisches Kriegsministerium (Hrsg.): Verordnungs-Blatt. Beilage Nr. 24 vom 25. September 1897, S. 169. In Genehmigung seines Abschiedsgesuches wurde Nagel am 25. Dezember 1897 unter Verleihung des Charakters als General der Kavallerie mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt.
Nach seiner Verabschiedung lebte er in München. Dem Armeemuseum schenkte Nagel seinen Feldzugsäbel, den er 1870/71 im Krieg gegen Frankreich getragen hatte, sowie ein Album „Skizzen für Reiterei 1862“, dass sein verstorbener Bruder Ludwig von Nagel zu Aichberg gezeichnet hatte.Bayerisches Kriegsministerium (Hrsg.): Verordnungs-Blatt. Nr. 3 vom 13. Januar 1904, S. 16.Bayerisches Kriegsministerium (Hrsg.): Verordnungs-Blatt. Nr. 22 vom 9. Juli 1904, S. 209.
Anlässlich der Feier des 100-jährigen Bestehens des Militär-Max-Joseph-Ordens wurde Nagel am 1. März 1906 (immatrikuliert am 30. März) in den erblichen bayerischen Freiherrnstand erhoben.
Prinzregent Luitpold ehrte Nagel bei seinem Begräbnis durch die persönliche Kranzniederlegung des Militär-Max-Joseph-Ordens und einen Nachruf.
Familie Nagel hatte sich am 5. September 1861 in Amberg mit Julie Freiin von Podewils (1841–1876) verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor, darunter der bayerische Generalmajor Karl von Nagel zu Aichberg (1866–1919). Ludwig Philipp von Nagel zu Aichberg (1865–1927), sein ältester Sohn, kgl. bayrischer Kammerherr und Oberstleutnant a. D., bewirtschafte mit seiner Familie im Schloss Wörth an der Isar mehrere Jahre eine Brauerei, nachfolgend dessen Erbengemeinschaft.
Literatur Baptist Schrettinger: Der Königlich Bayerische Militär-Max-Joseph-Orden und seine Mitglieder. R. Oldenbourg, München 1882, S. 578–579. Festschrift zur Feier des 150 jährigen Bestehens des K. B. Kadetten-Korps am 14. Juli 1906. München 1906, S. 117–119. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1907. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 556–557. Aus dem Leben des verstorbenen Generals der Kavallerie z.D. Heinrich Freiherr v. Nagel. In: Militär-Wochenblatt. Nr. 142, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin vom 15. November 1910, S. 3287–3291. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1909. Jahrgang 59, Justus Perthes, Gotha 1908, S. 501–502. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (DAG). Teil B (Briefadel). 1941. Jahrgang 91, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 304.
Einzelnachweise
Kategorie:General der Kavallerie (Bayern) Kategorie:Person im Deutschen Krieg Kategorie:Person im Deutsch-Französischen Krieg Kategorie:Träger des Militär-Max-Joseph-Ordens (Ritter) Kategorie:Träger des Bayerischen Militärverdienstordens (Großkomtur) Kategorie:Ritter II. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 1. Klasse Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 2. Klasse Kategorie:Träger des Ordens der Eisernen Krone (III. Klasse) Kategorie:Träger des Franz-Joseph-Ordens (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens der Krone von Italien (Großkreuz) Kategorie:Freiherr Kategorie:Bayer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1833 Kategorie:Gestorben 1910 Kategorie:Mann