miniatur|Torre di Acquapuzza in Borgo Tufette Der Torre di Acquapuzza ist ein Turm aus dem 12. Jahrhundert in Kegelstumpfform im Ortsteil Borgo Tufette von Bassiano in der italienischen Region Latium. Dort gab es im Altertum eine Stadt gleichen Namens (dt.: stinkendes Wasser), der vom charakteristischen Geruch des Schwefelwassers abgeleitet ist, das zahlreichen Quellen in der Gegend entspringt.
Beschreibung Der Turm hat einen kreisrunden Grundriss und besteht aus zwei Teilen: Der untere ist ein Kegelstumpf, der obere, durch ein Gesims vom unteren getrennt, ist zylindrisch mit eher unregelmäßigen Balustraden. Er weist kleine Schießscharten auf. Nach oben schließt der Turm mit kleinen Konsolen ab, die den oberen Kranz tragen. Darauf befindet sich außerdem ein viereckiges Türmchen.
Der Turm liegt am Fuß der Berge, wo zahlreiche Quellen, auch schwefligen Wassers entspringen, die dem Ort seinen Namen verliehen haben.
Der Turm befindet sich in der Nähe der am Bergfuß verlaufenden Straße, die unterhalb der Monti Lepini verlief und ab dem 6. Jahrhundert eine alternative Route zur Via Appia darstellte, die aufgelassen wurde, da sie von den pontinischen Sümpfen umgeben und durch die baldige Ausbreitung der Malaria belastet war.
Dazu kam die militärisch-strategische Bedeutung des Gebäudes, von dem aus man den darunter liegenden Passo di Acquapuzza kontrollieren und jeglichen Verkehr auf der Route unterbrechen konnte.
Kaiser Karl V. sorgte sich auf seiner Rückkehr aus Tunesien mit seinen Truppen nicht wenig, dass die Caetanis aus Sermoneta sie auf dem Weg am Torre di Acquapuzza vorbei einschließen könnten.
Man reiste über den Passo di Acquapuzza (später Passo di Sermoneta), einen Punkt von enormer strategischer Bedeutung für den Schutz Roms vor Einfällen aus dem Süden. Mit der Aneignung des Weges erlangte Sermoneta – oder besser die Caetanis – ihre große militärische und politische Macht. Man denkt, dass der Weg die Truppen Friedrichs II. im 13. Jahrhundert auf ihrem Marsch gegen den Papst erfolgreich aufhielt.
Die Festung war eine bedeutende Zollstelle des Kirchenstaates, auch wenn die Besitzverhältnisse durch gewaltsame Auseinandersetzungen mehrmals wechselten. Päpste, Sezze, Sermoneta und andere stritten sich darum bis ins 18. Jahrhundert, als sie ihre strategische Bedeutung verlor. Unterhalb der Festung war die Via Pedemontana (dt.: Straße am Fuße der Berge) (die tatsächlich ganz eng zwischen den Bergen und der pontinischen Tiefebene verlief, die sehr reich an ganzjährigen Wasserflächen war, nicht nur die eigentlichen Sümpfe, sondern auch ein bedeutendes System an Wasserläufen, die an den örtlichen Quellen entsprangen und natürliche Hindernisse für menschliche Bewegungen darstellten) in beide Richtungen durch eine Kette versperrt, die nur nach Zahlung einer Maut nach einem genauen Tarif geöffnet wurde. Die Kirchenleute und die Einwohner der Gegend waren davon nicht ausgenommen.
Der Durchgang von Acquapuzza betraf nicht nur den Straßenverkehr, sondern auch die Wasserläufe, wodurch er vielleicht auch eine Rolle bei den Steuererhebungen, dem Fischhandel und dem Flussverkehr spielte, und zwar mit erheblichen Einnahmen für die Steuerbehörden: Dies auch dank der Tatsache, dass die inneren Wasserläufe das ganze Jahr über mit kleinen Booten bis zum Durchgang selbst schiffbar waren, auch im Sommer.
Kürzliche Studien und Beobachtungen von Seiten pontinischer Historiker identifizierten diesen Turm und den Passo di Acquapuzza als den Hintergrund auf Leonardo da Vincis Gemälde Mona Lisa.
Geschichte Der Turm, der Teil einer später zerstörten Festung war, wurde im 12. Jahrhundert auf einer Klippe des Monte Acquapuzza errichtet, die man wählte, weil sie einen Überblick über die pontinische Ebene, die damals ein Sumpf war, soweit das Auge reichte, ermöglichte. So konnte die Besatzung der Festung bereits von Weitem die Bewegungen feindlicher Truppen, wie denen der Seeräuber und gefürchteten sarazenischen Piraten, kontrollieren.
Der Torre di Acquapuzza war der Bergfried der neuen Festung. Die neue Siedlung Bassiano dagegen hatte keine Mauer und war von der Ebene aus nicht zu sehen.
Einzelnachweise und Bemerkungen Die Festung lag in einer Mulde im unteren Bereich des Berghangs, eine Art „Felspodium“, wodurch der Ort als weiteren Namen „Castrum Podii“ oder „Castel del Podio“ erhielt. Fondazione Camillo Caetani, Rom: Sermoneta e i Caetani: Dinamiche politiche, sociali e culturali di un territorio tra Medioevo ed Età Moderna. L’Erma di Bretschneider. Dizionario Biografico degli Italiani. Treccani. Band 16. Eintrag: CAETANI Antonio. L. Fiora: Sermoneta e i Caetani: dinamiche. Studien des Historikers Eros Ciotti in seinem Buch Le Paludi Pontine del ’500 e la Gioconda di Leonardo da Vinci und spätere Studien über Francesco Melzi, Schüler von Leonardo da Vinci, der im diesem in den pontinischen Sümpfen war. Acquapuzza war ein Verteidigungsbollwerk gegen die Geißel der Piraterie, die an den Küsten und dem Landesinneren der pontinischen Ebene stark verbreitet war, da die Korsaren ihre Basen in den Küstenhöhlen des Monte Circeo und in den Buchten der nahelegenen Inseln Ponza und Ventotene hatten.
Weblinks und Quellen
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