Die Peterskirche ist eine evangelische Pfarrkirche in Oberbrüden, einem Ortsteil der Gemeinde Auenwald im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das schlichte Gotteshaus im Stil der Nachkriegsmoderne wurde 1959 nach Plänen von Otto Nussbaum erbaut und nach dem Apostel Simon Petrus benannt. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Erste Peterskirche mini|Die alte Peterskirche auf einer Ansicht aus dem 17. Jahrhundert (Andreas Kieser, 1686) Die ursprüngliche Pfarrkirche war die Wehrkirche Oberbrüden, die im 15. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Diese Kirche war der letzte Rest von Alt Oberbrüden, der Keimzelle des Dorfs. Diese frühmittelalterliche Siedlung entstand in der Merowingerzeit auf einem steilen Hügel zwischen dem Wittumbach im Westen und dem Brüdenbach im Osten, etwa 700 Meter nördlich der heutigen Ortsmitte. Dieses Alt Oberbrüden wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt von seinen Einwohnern verlassen und sie Siedlung in das Tal des Brüdenbachs verlegt. Das Kirchenschiff und Glockenturm der alten Kirche waren überdimensioniert groß, was vielleicht im Repräsentationsbedürfnis der Herren von Ebersberg begründet ist, die einst die Herrschaft über den Ort ausübten. Im 18. Jahrhundert wurde diese Kirche baufällig und wurde nur noch als Friedhofskapelle (Totenkirche) genutzt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Kirchenschiff bereits so stark beschädigt, dass man sich für den Abriss entschied. In den Jahren 1812/1813 wurde das Schiff schließlich abgebrochen. Der Glockenturm der alten Kirche blieb zunächst bis 1834 erhalten, ehe er ebenfalls wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste.

Zweite Peterskirche Als Ersatz für die baufällige alte Peterskirche wurde ab 1755 die spätgotische Kapelle im Dorf sukzessive erweitert und zur neuen, Zweiten Peterskirche umgebaut. Nach dem Abbruch der ersten Peterskirche wurde der gotische Taufstein (von 1583), ein Epitaph (von Pfarrer Birck) und das Kruzifix in das neue Gebäude versetzt. 1866 erhielt der Bau einen hölzernen Dachreiter. Der Umbau wurde als unglücklich kritisiert, das Kirchenschiff sogar mit einer Scheune verglichen. Die Sakristei wurde von Pfarrer Ludwig Haug als sehr klein, feucht und unbeheizt beschrieben. Weiterhin stand die Kirche so nah am Brüdenbach, dass sie bei Wolkenbrüchen immer wieder überschwemmt wurde. Daher wurden Pläne ausgearbeitet, auch diese Kirche durch einen Neubau zu ersetzen. Die Pläne wurden jedoch wegen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg nicht weiter verfolgt.

Dritte Peterskirche Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte ein Neubau lange Zeit nicht realisiert werden. Erst gegen Ende der 1950er Jahre wurden die Pläne für eine neue Dorfkirche wieder aufgenommen.

Gemeinde Zum Kirchenbezirk Oberbrüden gehörten die Orte Ober-, Mittel- und Unterbrüden, Heslachhof, Rottmannsberg, Rottmannsberger Sägmühle, Tiefental, Trailhof, Trailhöfle sowie der Utzenhof. Seit 2025 gehört Oberbrüden zur neu gegründeten Gesamtkirchengemeinde Auenwald.

Pfarrer Die Liste ist unvollständig; Amtszeiten teilweise unklar. 1599–1608: Alexander Hugener 1609–1621: Sebastian Beck 1621–1632: Johannes Käser 1632–1635: Johannes Hagenloch 1635: Paul Baur 1635–1651: Vakanz 1651: Michael Heuß 1652: Johann Jakob Linde 1972–1978: Pfr. Dieter Eisenhardt 1979–1990: Pfr. Manfred Kuhn 1991–1992: Pfr. Andreas Schütz 1993–1995: Buchmann (Vikar) 1993–1995: Pfr'in Katrin Fetzer 1995–2002: Pfr'in Ingeborg und Pfr. Gerhard Brüning 2002–2015: Pfr. Dr. Ingo Spörl 2016: Pfr. Bernhard Körner

Architektur und Ausstattung Die Saalkirche im Stil der Nachkriegsmoderne ist schlicht gehalten. Die Wand hinter dem Altar besteht aus unverputzten Ziegelsteinen. Das Altarkreuz zeigt Jesus Christus nicht als Leidenden, sondern als herrschenden Messias.

Epitaph Beim Altar hängt der bemerkenswerte Epitaph der Getrude Birck (geb. Wermlin), Ehefrau des Pfarrers Thomas Birck aus dem 16. Jahrhundert. Er trägt folgende Inschrift: M(agister) thomas birckh pfarrer / der Zeit zu obern Brid(en) / EPITAPHIUM F / Gertrude verstorben / in Gott / Der meine Seel(e) in seiner / Handt hött.

Orgel Die Orgel wurde 1962 von Richard Rensch aus Lauffen am Neckar gebaut. Sie hat 13 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Disposition der Orgel (Quelle: ) Manual I1.Weitprincipal8′2.Singend Octave4′3.Gedecktflöte4′4.Quartan II + 1′5.Mixtur III–IV2' Manual II6.Gedeckt8′7.Rohrflöte4′8.Prinzipal2′9.Terzsepta I/II′ + ′10.Scharfzimbel III′Tremulant Pedal11.Subbaß16′12.Prinzipal8′13.Rohrpommer4′

Koppeln: II/I, I/P, II/P

Glocken Die Peterskirche verfügt über vier Glocken, die zu unterschiedlichen Anlässen geläutet werden. Die älteste Glocke ist die Kreuzglocke, die 1745 von Gottlieb Jakob Rechlen (Stuttgart) gegossen wurde. Sie wird jeden Tag um 11 Uhr geläutet und erinnert an die Finsternis während der Kreuzigung Jesu. Die Friedensglocke läutet immer um 12 Uhr. Sie wurde von der Glocken- und Kunstgießerei Rincker aus dem hessischen Sinn (Lahn-Dill-Kreis) gegossen. Ebenfalls von Rincker ist die Gebetsglocke, die um 19 Uhr läutet. Die kleine Taufglocke wurde 1949 bei Kurtz in Stuttgart gegossen und wird immer bei Taufen und um 15 Uhr geläutet, in der Todesstunde Jesu Christi. +Übersicht der Glocken der PeterskircheGlockeNameGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonGewichtInschriftFunktionI.FriedensglockeGebrüder RinckerSinn1966g″581 kgMeinen Frieden gebe ich euch .Mittagsläuten, 12:00 UhrII.Gebetsglockeb″341 kgWachet und betet .Abendläuten, 19:00 UhrIII.KreuzglockeGottlieb Jakob RechlenStuttgart1745c″266 kgIOHANN CHRISTOPH PFARRER / SCHVLTHEIS IOHANN MARDEBRINER / HEILIGENPF(LEGER) IOHANN GEORG SCHEIB / SCHULME(ISTER) FRIED(RICH) GOTTLIEB PFELER / GOTTLIEB IACOB RECHLEN GOS MICH IN STVTTGARDT ANNO MDCCXLV.Günther Grundmann (Hrsg.): Deutscher Glockenatlas Württemberg und Hohenzollern. Hamburg 1959, S. 227.Gedächtnisläuten, Werktags, 11:00 UhrIV.TaufglockeHeinrich KurtzStuttgart1949es″165 kgSiehe ich mache alles neu .Bei Taufen; Gedächtnisläuten 15:00 Uhr

Literatur Oberbrüden. In: Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Backnang (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 53). H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 265–269. Ludwig Haug, August Schmid: Die evangelischen Kirchenstellen in Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1886, S. 87. Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, München und Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 195f. Die evangelische Kirchengemeinde Oberbrüden. In: 750 Jahre Auenwald 1245–1995. Gemeinde Auenwald, 1995, ISBN 3-929478-08-0, S. 249–251. Pfarrer Ingo Spörl: Thomas Birck und sein Epitaph in der Peterskirche Oberbrüden. In: Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 21. Verlag Medienwelt Schlichenmaier, Weissach im Tal 2007, ISBN 978-3-929478-42-6, S. 157 f.

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