mini|Jean-François Kahnmini|Maurice Szafran Marianne ist ein französisches Wochenmagazin, das 1997 von Jean-François Kahn und Maurice Szafran gegründet wurde. Die Zeitschrift ist dem investigativen Journalismus zuzurechnen. Sie hatte 2024 eine verkaufte Auflage von 130.000 Exemplaren.
Geschichte 1997 bis 2013 Marianne wurde 1997 von Jean-François Kahn und Maurice Szafran gegründet. Der Titel ist eine Anlehnung an Marianne, eine ehemalige linksgerichtete politische und literarische Zeitschrift, die in den 1930er Jahren in Paris veröffentlicht wurde. Bei seiner Gründung wurde die redaktionelle Ausrichtung des Magazins als eher linksgerichtet wahrgenommen.
1997 widmete das Magazin in seiner ersten Ausgabe einen Artikel der Affäre Agusta-Dassault. Serge Dassault versuchte daraufhin die Veröffentlichung zu verbieten und erreichte, dass die erste Ausgabe des Magazins nach drei Tagen Verkauf beschlagnahmt wurde. Darin wurde er als „dreifarbiger Kaiser der Korruption“ dargestellt.
In den beginnenden 2000er Jahren war Marianne zwar im Vertrieb erfolgreich, wurde allerdings von Werbekunden gemieden; lediglich sechs Seiten pro Ausgabe bestanden aus Werbung (Standard 10 Seiten).
Marianne definierte sich 2007 als republikanische Zeitung, die sowohl gegen das, was sie als „Linksextremismus der 68er“ bezeichnete, als auch gegen die kapitalistische Globalisierung kämpfe. Im Februar 2008 lancierte das Magazin den „Appell vom 14. Februar für republikanische Wachsamkeit“, unterzeichnet von 17 Politikern aller Couleur, die ihr Bekenntnis zu den republikanischen Prinzipien, zur Laizität, zur Unabhängigkeit der Presse und zu den großen Optionen, die die Außenpolitik Frankreichs seit fünfzig Jahren leiten, bekräftigen. Zu diesen Persönlichkeiten gehörten insbesondere Nicolas Dupont-Aignan, Dominique de Villepin, Ségolène Royal und François Bayrou.
Im Jahr 2009 gingen die Verkaufszahlen von Marianne um knapp 20 % zurück. Laut Le Monde war die Redaktion in zwei Lager gespalten: die Nationalrepublikaner, die eher der Linie des Gründers des Magazins, Jean-François Kahn (der es allerdings 2007 verlassen hatte), folgten, und die Sozialdemokraten. Diese Spaltung hindere Marianne daran, zu bestimmten gesellschaftlichen Themen Stellung zu beziehen.
In den Jahren 2010 und 2011 steigerte Marianne ihre Verkaufszahlen dank ihrer Veröffentlichungen rund um die Bettencourt-Affäre. Marianne veröffentlichte insbesondere eine Untersuchung, die ein neues Faksimile des Terminkalenders der ehemaligen Schatzmeisterin von Liliane Bettencourt enthielt.
Die Online-Abteilung von Marianne wurde bis 2012 von Philippe Cohen geleitet, der zurücktreten musste, nachdem er eine als zu wohlwollend angesehene Biographie über Jean-Marie Le Pen veröffentlicht hatte.
Im April 2012 veröffentlichte die Redaktion von Marianne die Zahlen der Wahlabsichten der Journalisten der Wochenzeitung im Hinblick auf die französischen Präsidentschaftswahlen: François Hollande erhielt 40 % der Stimmen vor Jean-Luc Mélenchon (31,7 %), François Bayrou und Nicolas Dupont-Aignan lagen mit 8,3 % gleichauf auf dem 3. Platz. Drei Kandidaten erhielten keine Stimmen: Nicolas Sarkozy, Marine Le Pen und Nathalie Arthaud. 74 % der Leserschaft von Marianne stimmte in der ersten Runde für einen Kandidaten der Linken.
2013 bis 2017 Ab dem 29. Juni 2013 wurde das Magazin komplett neu gestaltet und erhielt den Namen Le Nouveau Marianne. Es blieb unter der Leitung von Maurice Szafran, der erklärte, ein Magazin mit einem „pädagogischen Layout“ und Inhalten zwischen „kurzen Beiträgen und langen Artikeln, ohne mittelgroße Beiträge“ gestalten zu wollen. Yves de ChaisemartinNähere Informationen zu Yves de Chaisemartin finden sich in der französischen Wikipédia. verdrängte Maurice Szafran und wurde mit 86 % des Kapitals zum Mehrheitsaktionär. Joseph Macé-Scaron und Frederick Cassegrain, die zuvor bei Le Figaro tätig waren, wurden zum Chefredakteur und Generaldirektor ernannt. Laut Laurent Mauduit von Mediapart wurde die Leitung nun „sehr rechtsgerichtet“ und die finanzielle Lage des Magazins besorgniserregend.
Im Januar 2014 wurde das Magazin wegen öffentlicher Verleumdung gegenüber Robert Ménard verurteilt, der in seinen Kolumnen des Antisemitismus bezichtigt worden war.
Im Mai 2015, wenige Monate nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo im Januar, prangerte Marianne auf ihrer Titelseite die „Komplizen des Islamismus“ in Frankreich an. Diese Positionierung wurde vom Historiker Emmanuel Todd, Autor von Qui est Charlie ?, als „rechtsextreme Haltung“ und vom Journalisten Nicolas Domenach, bis 2014 stellvertretender Chefredakteur, als „eine weitere Tendenz der Linken, die der Meinung ist, dass man diejenigen, die auf eine bestimmte Art und Weise über den Islam sprechen, zur Rede stellen muss“ interpretiert.
2016 wurde Renaud Dély Chefredakteur und stellte Caroline Fourest ein, die von Mediapart als „Figur des Neokonservatismus in den französischen Medien“ bezeichnet wurde. Die Zeitung schloss sich mit dem Comité Laïcité République zusammen, um gegen das zu kämpfen, was sie als Islamo-Gauchisme bezeichnete.
Ende 2017 genehmigt das Handelsgericht Paris die Insolvenzverwaltung (seit 2016) von Marianne, die insbesondere eine Neuausrichtung der Aktivitäten des Magazins sowie einen Personalabbau vorsah.
Ab 2018 mini|Natacha Polony Nach dem Kauf im April 2018 für 6,5 Millionen Euro durch den tschechischen Milliardär Daniel Křetínský schlug die Wochenzeitung unter der Leitung von Natacha Polony eine neue Richtung ein. Daniel Křetínský vereinfachte die Struktur von Marianne und gliederte sie in seine Muttergesellschaft CMI France ein, die auch Eigentümerin von Elle, Franc-Tireur und Télé 7 jours ist. Danach wurde die Blatt-Linie in verschiedenen Zeitungen diskutiert. Le Monde sprach von „Souveränismus“Souveränismus bezeichnet eine eher EU-skeptische oder isolationistische, keine ausgesprochen rechte oder linke Haltung.; Libération verknüpfte den Souveränismus-Vorwurf auch mit dem des Antiliberalismus. Laut L’Obs stuften die Medien Natacha Polony in der Regel als „Neokonservative“ oder sogar als „reaktionäre Intellektuelle“ ein. Ein Jahr nach Polonys Antritt hatte die Hälfte der Redakteure Marianne verlassen. Im Februar 2020 protestierten die verbliebenen Redakteure gegen eine Zusammenlegung des Blattes mit dem Web-TV-Sender Polony.tv.
Daniel Křetínský, der Inhaber der Zeitung, erzwang 2022 im Wahlkampf, dass ein eher Macron-kritisches Titelbild ausgetauscht wurde. Die Redaktion kritisierte dies als unzulässige Einmischung in ihre Kompetenzen.Wie im begleitenden Le-Monde-Link zu sehen ist, zeigen beide Titelbilder Macron und Le Pen; das ausgetauschte Cover ist mit „Wut ... oder Chaos“ beschrieben, das neue mit „Trotz der Wut ... Chaos vermeiden?“
Im März 2024 brachte Marianne ein neues Format mit einem niedrigeren Verkaufspreis (von 4,40 € auf 3,50 €) und einer reduzierten Seitenzahl (von 88 auf 52 Seiten) auf den Markt. Dazu gehörten insbesondere eine Änderung des Layouts und ein neuer Slogan: „Die Wahrheit hat keinen Herrn“.
Im April 2024 kündigte La Lettre an, dass Daniel Křetínský das Magazin verkaufen wolle, dessen souveränistische Ausrichtung im Widerspruch zu seinen europhilen und liberalen Positionen stehe. Die Verkaufsverhandlungen mit dem Milliardär und extremen Rechten Pierre-Édouard Stérin wurden nach Protesten der Redaktion abgebrochen; auch die Verhandlungen mit dem Film- und Videospiel-Produzenten Jean-Martial Lefranc scheiterten.
Darauf wurde Natacha Polony durch Frédéric Taddeï, dieser kurze Zeit später durch Ève Szeftel ersetzt.
Investigativer Journalismus Neben den bereits genannten Affären Agusta-Dassault und Bettencourt war Marianne auch an der Aufdeckung weiterer Vorkommnisse beteiligt: 2010 deckte die Zeitung auf, dass Robert Barcia, der Sekretär der trotzkistischen Partei Lutte Ouvrière, bereits seit einem Jahr tot war. 2012 zeigten von Marianne veröffentlichte Dokumente einen Fall von Einflussnahme seitens der Lyonnaise des Eaux, die mit der Beratungsfirma Vae Solis zusammengearbeitet hatte, um die lokalen Maßnahmen des Gemeindeverbands Les lacs de l’Essonne zu diskreditieren. 2018 deckte Marianne einen Interessenkonflikt auf, der Françoise Nyssen, die Kulturministerin, bei der Vergabe von Subventionen an einen Verlag betraf, dessen Eigentümerin sie ist.
2023 waren die Journalisten Gabriel Libert und Gérald Andrieu von Marianne für die Aufdeckung des politisch-finanziellen Skandals um den „Fonds Marianne“ (Namensvetter des Magazins) rund um Ministerin Marlène Schiappa verantwortlich. Die Untersuchung berichtete von einer undurchsichtigen Verwaltung der Subventionen aus dem Fonds und führte zur Entlassung der Ministerin wegen Lügen, Instrumentalisierung des Mordes an Samuel Paty und Verwendung öffentlicher Subventionen für politische Zwecke. Die Subventionen dienten insbesondere zur Bezahlung des Essayisten Mohamed Sifaoui. Im selben Jahr berichtete Marianne, dass die Regierung in der Angelegenheit der Autobahnkonzessionen gelogen habe und deckte besonders undurchsichtige Verhandlungsbedingungen auf. Diese hätten es Vinci, Eiffage und anderen Unternehmen ermöglicht, von 9 Milliarden Euro an Überschussgewinnen zu profitieren. Nach dieser Veröffentlichung leitet die Staatsanwaltschaft Paris eine Untersuchung wegen Urkundenfälschung ein, von der insbesondere der Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und die Generalsekretärin der Regierung, Claire Landais betroffen waren.
Im Juli 2023 leitete die nationale Finanzstaatsanwaltschaft nach einer Untersuchung von Marianne auf der Grundlage eines Berichts des Rechnungshofs eine Voruntersuchung wegen illegaler Vorteilsnahme ein. Die Wochenzeitung hatte aufgedeckt, dass mehr als 200 Mitarbeiter von Bpifrance – darunter der Generaldirektor Nicolas Dufourcq – „massiv“ in einen Fonds namens „Bpifrance Entreprises 1“ investiert hatten. Der Fonds, der „den Franzosen die Investition ihrer Ersparnisse in französische Unternehmen erleichtern sollte“, habe es den Anlegern ermöglicht, ihren Einsatz in zweieinhalb Jahren zu verdoppeln.
Im September 2023 wies Marokko zwei Journalisten des Magazins aus, die Ermittlungen gegen König Mohammed VI wegen Menschenrechtsverletzungen im Land durchgeführt hatten.
Im März 2024 enthüllte das Magazin, dass Le Grêlé, ein Vergewaltiger und Serienmörder, der in den 1980er und 1990er Jahren sein Unwesen trieb, Anfang der 2020er Jahre an einer Fernsehshow auf France 2 teilgenommen hatte.
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Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Zeitung (Frankreich) Kategorie:Ersterscheinen 1997 Kategorie:Französischsprachige Wochenzeitung