mini|Balen Shah (2026) Balendra „Balen“ Shah (; * 27. April 1990 in Kathmandu) ist ein nepalesischer Politiker, Bauingenieur und Rapper. Er war von 2022 bis Januar 2026 Bürgermeister von Kathmandu, trat im Januar 2026 zurück und gewann bei der Parlamentswahl vom 5. März 2026 als Kandidat der linksliberalen Rastriya-Swatantra-Partei (RSP) im Wahlkreis Jhapa-5 gegen den ehemaligen Premierminister Khadga Prasad Oli. Am 27. März 2026 wurde er als Premierminister Nepals vereidigt. Spiegel.de, Rapper als Regierungschef von Nepal vereidigt, 27. März 2026
Leben Shah absolvierte ein Studium des Bauingenieurwesens am Himalayan WhiteHouse Institute of Technology sowie ein anschließendes Masterstudium in Tragwerksplanung in Indien. Er promovierte zudem an der Universität Kathmandu im Bereich Denkmalpflege. Als Bauingenieur arbeitete er an Straßen, Brücken, Industrieanlagen, Stadien und Wissenschaftsparks in 65 Distrikten Nepals. Shah gehört der ethnischen Minderheit der Madheshi an. Teile seiner Ausbildung absolvierte er in Südindien und befasste sich dort mit Erdbebentechnik.
Bekannt wurde er ab 2013 als Rapper und erlangte mit politisch-satirischen Songs rasch Popularität. In seinen Texten thematisierte er Arbeitsmigration, soziale Ungleichheit und den Wunsch nach politischer Veränderung. Seine öffentliche Kommunikation stützt sich stark auf soziale Medien, auf denen er Millionen von Anhängern hat und klassische Medienauftritte oft ersetzt.
Wirken Bei der Kommunalwahl in Kathmandu erhielt Shah 61.767 Stimmen und gewann als parteiloser Kandidat gegen die Bewerber der Nepalesischen Kongresspartei und der Kommunistischen Partei Nepals (Vereinigte Marxisten-Leninisten). Er war damit der erste parteiunabhängige Bürgermeister der Hauptstadt. In seiner Amtszeit blieb er selbst frei von größeren Skandalen, auch wenn ihm eine grundlegende Eindämmung der Korruption nicht gelang. In seiner Amtszeit führte er Direktübertragungen von Stadtratssitzungen ein, regelte die Müllabfuhr neu und ging streng gegen illegale Bauten, informelle Siedlungen und Straßenhändler vor. Darüber hinaus stieß er Reformen an kommunalen Schulen, Stipendienprogramme, eine Neuordnung des Parkraummanagements und Maßnahmen zum Schutz archäologischer Stätten an. Analysen beschrieben seine Bilanz als Mischung aus spektakulären Durchsetzungsaktionen und erheblichen Umsetzungsproblemen in der Verwaltung, einschließlich Konflikten im Rathaus und sozialen Folgekosten für Betroffene. Ein Leistungsbericht der National Natural Resources and Fiscal Commission stufte Kathmandu unter Nepals sechs Metropolen auf den letzten Platz ein, insbesondere wegen Defiziten im Haushaltsvollzug und in der Verwaltungseffizienz.
Im Juni 2023 kündigte er ein Verbot aller indischen Filme in Kathmandu an, solange eine von ihm als beleidigend bewertete Zeile im Film Adipurush nicht geändert werde. Nach den Gen-Z-Protesten im September 2025 gegen Korruption und das Verbot sozialer Medien, die landesweit mit Polizeigewalt eskalierten und 77 Tote hinterließen, wurde Shah zu einem landesweit bekannten Gesicht des Generationenwechsels. Der Polizeichef hatte damals den Einsatz tödlicher Gewalt gegen tausende unbewaffnete Demonstrierende angeordnet. Obschon er nach dem Sturz der Regierung als möglicher Übergangskandidat gehandelt wurde, lehnte er eine nicht gewählte Machtposition ab und wollte stattdessen den politischen Wettbewerb an der Wahlurne suchen. Stattdessen unterstützte er die frühere Oberste Richterin Sushila Karki für die Führung der Übergangsregierung, was seine Popularität zusätzlich steigerte.
Im Januar 2026 trat er als Bürgermeister zurück und kündigte eine Kandidatur im Wahlkreis Jhapa-5 direkt gegen Oli und einen Antritt für das Amt des Premierministers an. Nach seinem Rücktritt trat er der RSP bei und wurde von deren Führung als Leitfigur des Wahlkampfs inszeniert. Im Februar 2026 veröffentlichte die RSP ein Wahlmanifest, das die Schaffung von 1,2 Millionen Arbeitsplätzen, eine Verringerung erzwungener Arbeitsmigration sowie binnen fünf Jahren eine Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens auf 3.000 US-Dollar und ein Bruttoinlandsprodukt von 100 Milliarden US-Dollar in Aussicht stellte. Die Parlamentswahl 2026 wurde in einem System mit 275 Sitzen durchgeführt, von denen 165 direkt gewählt und 110 proportional vergeben werden. Im Wahlkampf verzichtete Shah weitgehend auf große Ausgaben, suchte häufig persönlich den Kontakt in der Provinz und fuhr seinen Wagen dabei selbst. Seine Wahlkampfführung wurde zudem als bewusst minimalistisch beschrieben: Er vermied längere Medienauftritte, hielt nur wenige ausgedehnte Reden und suchte mit kurzen Bemerkungen, oft in lokalen Dialekten, unmittelbare Nähe zu den Wählern. Er nutzt soziale Medien intensiver als traditionelle Medien, gab jedoch nur selten Interviews, während seine knappen Botschaften teils als mehrdeutig wahrgenommen wurden.
Nach der Wahl feierte er in Kathmandu den Sieg mit einer Nationalflagge in der Hand auf dem Dach eines Autos, während Anhänger ihn wie einen Popstar bejubelten. Nepals Wahlkommission bestätigte nach Auszählung der Stimmen für Jhapa-5 68.348 Stimmen für Shah und 18.734 Stimmen für Oli. Die RSP gewann 125 der 165 Direktmandate im Parlament. Nach dem amtlichen Endergebnis errang die RSP insgesamt 182 der 275 Sitze und damit die absolute Mehrheit im Repräsentantenhaus. Zu seinen Verbündeten innerhalb der RSP zählen der Aktivist Sasmit Pokharel und der Sozialaktivist und DJ Sudan Gurung. Am Wahltag bedankte sich Shah öffentlich bei der Übergangspremierministerin Sushila Karki und erklärte, die Demokratie habe unter ihrer Führung gesiegt. Kritik und Sorgen richteten sich auf seine teils impulsiven Äußerungen in den sozialen Medien und auf die Kürze seiner öffentlichen Auftritte. Er leitet das Kabinett Balen Shah.
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