Silke Margherita Redolfi (* 26. Mai 1964 in Samedan) ist eine Schweizer Historikerin, Autorin, Archivarin, Mitgründerin und seit 2008 Leiterin des Frauenkulturarchivs Graubünden.
Leben Kindheit und Ausbildung Silke Redolfi wuchs in Bever im Engadin auf. Ihr Vater Elvezio Redolfi (1920–2003) stammte aus dem Bergell. Der spätere Gemeindepräsident von Bever (1975 bis 1983) kaufte 1954 die Crasta Mora, eine alte Pension mit Restaurant, und modernisierte diese zusammen mit seiner Ehefrau Barbara Redolfi-Schwerzmann (1932–2008). Sie führte das Hotel, bis 1991 Silkes Bruder Ernesto Redolfi den elterlichen Betrieb übernahm.
Silke Redolfi besuchte die Evangelische Mittelschule Schiers (heute Academia EngiadinaAlle haben an der Academia bestanden «Nichts ist unmöglich» In: Engadiner Post vom 3. Mai 2003 (abgerufen auf e-newspaperarchives.ch)) und erwarb 1983 das HandelsdiplomGratulation In: Engadiner Post vom 21. April 1983 (abgerufen am 5. März 2026 auf e-newspaperarchives.ch). Nach dem Gymnasium, das Redolfi 1987 mit der Matura abschloss, folgte eine Stage als Journalistin bei der damaligen Bündner Zeitung.
Studium und Doktorat Von 1988 bis 1996 studierte sie Geschichte, deutsche Linguistik und Mediävistik sowie Historische Hilfswissenschaften an der Universität Basel und schloss das Studium mit ihrer Lizenziatsarbeit über Churer Frauenvereine während der Zwischenkriegszeit ab.Zum Abschluss lic. phil. I In: Engadiner Post vom 2. Juli 1996 (abgerufen am 5. März 2026 auf e-newspaperarchives.ch) Ihre Forschung zu diesem Thema bewog sie 1997, zusammen mit Silvia Hofmann das Frauenkulturarchiv Graubünden zu gründen.Auszeichnung für zwei Südbündnerinnen Frauenkulturarchiv gewinnt «Dunna 2012» In: Engadiner Post, Band 119, Nummer 137, vom 20. November 2012 (abgerufen in e-newspaperarchives.ch)
2016 schloss Silke Redolfi ihr Promotionsstudium an der Universität Basel ab. Ihre Dissertation erschien 2019 als Buch Die verlorenen Töchter.
Berufstätigkeit Bereits während ihres Studiums arbeitete Redolfi als Bibliothekarin in der rätoromanischen Bücherei in der Chesa Planta der Fundaziun Planta in Samedan. 1999 und 2000 bereitete sie die reichen Bestände des Archivs der Chesa Planta auf.Neue Bibliothekarin in der Chesa Planta In: Engadiner Post vom 10. Juli 1999 (abgerufen am 5. März 2026 auf e-newspaperarchives.ch) Daneben arbeitete sie von 1991 bis 2000 als Registratorin im Staatsarchiv Graubünden, bevor sie ab 2000 als freischaffende Historikerin Aufträge annahm. Sie arbeitete von 2003 bis 2007 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt «Ausheirat und Ausbürgerung» bei Prof. Dr. Josef Mooser und Prof. Dr. Regina Wecker an der Universität Basel.
Seit 2008 führt Silke Redolfi das Frauenkulturarchiv in Chur als alleinige Leiterin und tritt als Referentin und Kursleiterin auf.Archivkurs für Private und Vereine In: Thurgauer Zeitung vom 7. November 2000 (abgerufen am 5. März 2026 auf e-newspaperarchives.ch)
Mandate und Mitgliedschaften Silke Redolfi ist Stiftungspräsidentin des Frauenkulturarchivs Graubünden. Ausserdem ist sie Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte SGG, des Vereins Schweizerischer Archivarinnen und Archivare SVA sowie der Historischen Gesellschaft Graubünden.
Persönliches Silke Margherita Redolfi ist Bürgerin von Bever und Stampa und lebt in Masein.Frauengeschichte: «Die verlorenen Töchter» In: Engadiner Post, Band 126, Nummer 140, vom 28. November 2019 (abgerufen auf e-newspaperarchives.ch)
Publikationen (Auswahl) Silke Redolfi hat zahlreiche Publikationen zur Frauen- und Regionalgeschichte Graubündens verfasst und war jahrelang Projektleiterin und Mitautorin der wissenschaftlichen Forschungsreihe «Fraubünden». Zum Wandel von Handlungsraum, Öffentlichkeitsverhältnis und Kommunikationskultur in Frauenvereinen 1920 bis 1940. Vergleichend untersucht am Gemeinnützigen Frauenverein Sektion Chur und am Katholischen Frauenverein Chur, Lizentiatsarbeit Universität Basel, 1995 Dominikanerinnen Kloster Cazis in: Helvetia Sacra, Abteilung IV, Band 5, Die Dominikaner und Dominikanerinnen in der Schweiz, Basel 1999 Frauen bauen Staat. 100 Jahre Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2000, ISBN 3-85823-819-8 Bever. Die Geschichte eines Engadiner Dorfes, Bürgergemeinde Bever (Hrsg.), Gammeter Druck AG St. Moritz, 2007 Die verlorenen Töchter. Der Verlust des Schweizer Bürgerrechts bei der Heirat eines Ausländers. Rechtliche Situation und Lebensalltag ausgebürgerter Schweizerinnen bis 1952, Chronos Verlag, Zürich, 2019, ISBN 978-3-0340-1504-2 frauenRecht, Band 1 der Forschungsreihe «Fraubünden» (2003), ISBN 3-03823-051-0 frauenKörper, Band 2 von «Fraubünden» (2005), ISBN 978-3-03823-067-0Frauenkörper In: Engadiner Post vom 12. Juli 2005 (abgerufen am 5. März 2026 auf e-newspaperarchives.ch) frauenArbeit, Band 3 von «Fraubünden» (2007), ISBN 978-3-907291-61-0 fremdeFrau, Band 4 von «Fraubünden» (2009), ISBN 978-3-03823-069-4
Ehrungen und Auszeichnungen 2013: Anerkennungspreis des Kantons Graubünden 2012: Dunna-Preis der Sektion Graubünden des Schweizerischen Verbandes der Akademikerinnen 2007: Anerkennungspreis der Irma-Landolt-Stiftung für die Gründung des Frauenkulturarchivs Graubünden 2003: Promotionsstipendium des Schweizerischen Nationalfonds für das Dissertations-Projekt «Ausheirat und Ausbürgerung. Der Verlust des Bürgerrechts und seine politischen und individuellen Folgen. Geschlechtergeschichtliche Studien zur Bedeutung des Bürgerrechts in der Schweiz des 20. Jahrhunderts» 2000: Förderpreis des Kantons Graubünden
Weblinks Frauenkulturarchiv Graubünden Silke Margherita Redolfi Website Durch Heirat ausgebürgert In: Schweizer Radio und Fernsehen, Sendung Kontext vom 26. Juli 2021 Kupfer-Wolle-Bast: Silke Redolfi forscht zu der 68er Generation in Graubünden In: Schweizer Radio und Fernsehen, Sendung Regionaljournal Graubünden vom 3. Juni 2014 (ab 7:26 Minuten)
Einzelnachweise
Kategorie:Frauenrechtler (Schweiz) Kategorie:Archivar (Schweiz) Kategorie:Herausgeber Kategorie:Person (Kanton Graubünden) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Frau