mini|Alexanderplatz, mit beginnender Landsberger Straße (rechts), 1906 mini|Plan der Königsstadt, 1840. Die Landsberger Straße verläuft in mittig West-Ost-Richtung.

Die Landsberger Straße war eine Straße in der Berliner Königsstadt. Sie bestand vom Mittelalter bis 1966.

Lage

mini|Königsstadt, 1875

Die Landsberger Straße führte von der Alexanderstraße östlich des Alexanderplatzes in ostnordöstlicher Richtung stadtauswärts über den Büschingplatz bis zum Landsberger Tor an der Zoll- und Akzisemauer, wo sie in die heutige Landsberger Allee überging. Straße, Platz und Allee waren nach der märkischen Kleinstadt Altlandsberg benannt.

Nebenstraßen und -plätze waren auf der nördlichen Seite stadtauswärts der Georgenkirchplatz, die Katharinenstraße, die Lietzmannstraße, die Gollnowstraße, die Mehnerstraße, der Büschingplatz, die Barnimstraße, die Höchstestraße und die Friedenstraße und auf der südlichen Seite die Kurze Straße, die Kleine Frankfurter Straße, die Waßmannstraße, die Weberstraße, die Palisadenstraße, die Lichtenberger Straße und die Friedenstraße. Die südliche Parallelstraße war die Elisabethstraße. Die Landsberger Straße befand sich bis zur Kreuzung Gollnowstraße/Waßmannstraße in Mitte, dahinter bis zum Landsberger Platz in Friedrichshain. Die heutige Bezirksgrenze befindet sich hingegen östlich des ehemaligen Büschingplatzes.

mini|Neubaugebiet nördlich der Karl-Marx-Allee, 1970, der Verlauf der ehemaligen Landsberger Straße ist schräg zwischen den Neubauten in der linken Bildseite zu erkennen, vorne das Haus der Gesundheit

Der westliche Abschnitt zwischen Alexanderplatz und Büschingplatz existiert nicht mehr, ist aber als Baulücke zwischen den Plattenbauten zu erkennen. Der Straßenverlauf des Ostabschnittes zwischen Büschingplatz und Landsberger Platz ist erhalten geblieben und wurde Mitte der 1960er Jahre in die Neugestaltung des Leninplatzes (heute: Platz der Vereinten Nationen) einbezogen.

Geschichte

mini|Landsberger Straße mit Straßenbahnen in Richtung Stadtmitte, mit Friedenstraße und Volkspark Friedrichshain

Die Straße wurde spätestens im frühen 13. Jahrhundert angelegt, als die Städte Berlin und (Alt-)Landsberg eine regionale Bedeutung entwickelten. 1700 wurde sie im Heer- und Handelsstraßenregister aufgeführt. Danach wandelte sie sich zu einer zentralen Wohn- und Geschäftsstraße.

In den Jahren 1943 bis 1945 wurden die meisten Gebäude schwer beschädigt. 1950 wurde die Straße zusammen mit der anschließenden Landsberger Allee in Leninallee umbenannt. In den folgenden Jahren wurden die anliegenden Gebäude mit Ausnahme des Hauses der Gesundheit abgerissen und dort Neubauten errichtet. Bald darauf wurde die Straße bis zum neuen Leninplatz beseitigt und der Name in diesem Abschnitt offiziell aufgehoben. Den neuen westlichen Abschluss bildet seitdem die Mollstraße.

Straßenbahnverkehr Am 15. Dezember 1881 eröffnete die Neue Berliner Pferdebahn1900 in der Großen Berliner Straßenbahn aufgegangen (NBPf) eine Pferdebahnlinie vom Alexanderplatz durch die Kaiserstraße, Kleine Frankfurter Straße und Landsberger Straße zum Landsberger Platz. Am 24. Oktober 1883 ging das Teilstück vom Alexanderplatz zur Kleinen Frankfurter Straße in Betrieb, womit die Landsberger Straße auf ihrer gesamten Länge von Straßenbahnen befahren wurde. Vermutlich nahmen seit dieser Zeit die von der Großen Frankfurter Straßeheute: Karl-Marx-Allee kommenden Wagen den Weg durch die Kleiner Frankfurter Straße und Landsberger Straße zum Alexanderplatz. Im Jahr 1898 kam es zum Abschluss eines Zustimmungsvertrags zwischen der Neuen Berliner Pferdebahn und der Großen Berliner Pferde-Eisenbahnab 25. Januar 1898: Große Berliner Straßenbahn auf der einen und dem Magistrat von Berlin auf der anderen Seite. Neben der Übernahme der NBPf durch die „Große Berliner“ waren darin unter anderem auch die Elektrifizierung der Pferdebahnstrecken sowie die Mitnutzung der Gleise in der Landsberger Straße zwischen Weberstraße und Landsberger Platz durch Dritte geregelt. Die kurz darauf gegründete Elektrische Straßenbahn Berlin–Hohenschönhausen nutzte diesen Umstand aus, um die von ihr geplante Straßenbahnverbindung aus Hohenschönhausen bis ins Berliner Weichbild führen zu können. Die am 21. Oktober 1899 eröffnete Linie war zudem die erste elektrische Straßenbahnlinie in der Straße. Zwischen dem 21. Januar und 10. Mai 1900 wurden die übrigen durch die Straße führenden Linien auf elektrischen Betrieb umgestellt und weitere Linien ergänzt. Als die Große Berliner Straßenbahn im Mai 1902 Liniennummern einführte, fuhren bereits elf Straßenbahnlinien durch die Landsberger Straße.

+ Straßenbahnlinien durch die Landsberger Straße, 6. Mai 1902 Linie Verlauf 30 20px|zentriert|Gelb mit weißem Strich Gerichtstraße/Müllerstraße – Winterfeldtplatz 31 20px|zentriert|Gelb mit rotem Strich Gerichtstraße/Müllerstraße – Schlesischer Bahnhof 64 20px|zentriert|Grün/Weiß Bahnhof Landsberger Allee – Bahnhof Zoologischer Garten 65 20px|zentriert|Gelb mit weißem Strich Centralviehhof, Forckenbeckplatz – Moritzplatz 66 20px|zentriert|Rot/Weiß Lichtenberg, Dorfstraße – Bahnhof Halensee 67 20px|zentriert|Weiß/Gelb Centralviehhof, Forckenbeckplatz – Wilmersdorf, Wilhelmsaue 68 20px|zentriert|Weiß/Blau mit gelbem Strich Lichtenberg, Dorfstraße – Schöneberg, Grunewaldstraße/Goltzstraße 69 20px|zentriert|Weiß/Blau mit rotem Strich Lichtenberg, Frankfurter Chaussee/Hubertusstraße – Schöneberg, Grunewaldstraße/Goltzstraße 70 20px|zentriert|Grün/Rot mit weißem Strich Friedrichsfelde, Kirche – Spittelmarkt 71 20px|zentriert|Weiß Herzberge – Schöneberg, Grunewaldstraße/Goltzstraße Waßmannstraße/Landsberger Straße – Hohenschönhausen, Schulhaus

Infolge des zunehmenden Verkehrs auf den zum Alexanderplatz führenden Straßen wurden ab dem 1. März 1925 die stadtauswärts fahrenden Linien über die Alexanderstraße, Kaiserstraße und Kleine Frankfurter Straße geführt. Dieser Zustand sollte mit der Umgestaltung des Platzes und dem Durchbruch der Großen Frankfurter Straße zur Landsberger Straße behoben werden, wurde aber nie in Gänze umgesetzt. Ende 1929 befuhren drei Straßenbahnlinien die Straße auf ihrer gesamten Länge, hinzu kamen sechs weitere Linien von der Frankfurter Straße.

+ Straßenbahnlinien durch die Landsberger Straße, 31. Dezember 1929 Linie Verlauf 3 Großer Ring 53 Lichtenberg, Gudrunstraße – Charlottenburg, Reichskanzlerplatz 65 Friedrichshain, Forckenbeckplatz – Friedenau, Rubensstraße 66 Hohenschönhausen, Hauptstraße – Tempelhof, Hohenzollernkorso 68 Lichtenberg, Herzberge – Bahnhof Waidmannslust 168 Lichtenberg, Herzberge – Bahnhof Wittenau (Nordbahn) 69 Friedrichsfelde, Wilhelmstraße – Friedenau, Südwestkorso 70 Johannisthal, Roonstraße – Mitte, Behrenstraße/Mauerstraße 76 Lichtenberg, Gudrunstraße – Grunewald, Hagenplatz

Nach der kriegsbedingten Einstellung fuhren ab dem 12. Oktober 1945 wieder Straßenbahnen durch die Landsberger Straße. Die Schleifenfahrt wurde beibehalten. Mit der Umgestaltung des Alexanderplatz wurde am 10. Oktober 1966 die Straßenbahn aus der westlichen Leninallee herausgenommen.

Gebäude

mini|Wohn- und Geschäftshaus Landsberger Straße 55, vor 1909

Die Landsberger Straße war auf beiden Seiten mit Wohnhäusern bebaut, in denen sich auch einige Geschäfte und kleinere Fabriken befanden. Die Nummerierung verlief in Hufeisenform von der nördlichen Seite am Landsberger Platz bis zur Alexanderstraße und auf der anderen Seite wieder zurück. 1836 gab es 87 Hausnummern, nach der Verlängerung um 1840 dann 120.Adress-Buch für Berlin mit Einschluss der näheren Umgebung und Charlottenburg, 1836, Teil IV, S. 113; erster Straßeneintrag seit 1801

Das einzige erhaltene Gebäude ist das Haus des Verbandes der Krankenkassen Berlins (Nr. 43–47, jetzt Haus der Gesundheit, Karl-Marx-Allee 3), das 1913 erbaut wurde. Dort befanden sich verschiedene Gesundheitseinrichtungen, eine Apotheke, eine Drogerie, eine Schankwirtschaft, ein Kino (Eden-Theater, 1930) und mehr., auch andere Jahre

Weitere Bewohner und Nutzer waren Nr. 21 (alte Nr. 29, linke Seite) Controlleur-Haus am Landsberger Tor an der Zoll- und Akzisemauer (1799), mit historischem Straßenablauf Nr. 29 Rochmann, Cigaretten-Fabrik Phänomen (1869–nach 1930)Rochmann Wirtschaftsarchiv Berlin-Brandenburg, auch Nr. 31 Heilsarmee (1931), mit Festsaal und Krystal-Palast Nr. 32 Zigarettenfabrik Lisbona (1931) Nr. 63 (alte Nr. 1, linke Seite) Cantor-Haus zur Georgen-Kirche (1799), später Wohnhaus (Alexanderstraße zwischen Nr. 63 und 64) N. 69 Brauerei Ley und Pfleiderer (1864)Standorte der Industrie in Friedrichshain Wirtschaftsarchiv Berlin-Brandenburg, wahrscheinlich nach Adressbuch 1842 (die Nummern 69 und 94 gehörten zu Mitte!) Nr. 78–81 Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin (1930), Gebäudekomplex an der Kurzen, Elisabeth- und Kleinen Frankfurter Straße Nr. 94 b Eisengießerei Lehmann (1864) Nr. 99 (alte Nr. 1, rechte Seite) Wachhaus am Landsberger Tor (1799)

Anmerkungen

Weblinks

Einzelnachweise

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