Kreuz 160px|Jerusalemkreuz des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem Wappen 200px|Wappen des Equestris Ordo Sancti Sepulcri Hierosolymitani OESSHWahlspruch: Deus lo vult („Gott will es“) Basisdaten Gegründet 1868 Amtssprache Italienisch Rechtsstatus Souveränitätsverhältniszum Heiligen Stuhl Sitz des Ordens (admin.) Palazzo Della RovereVia della Conciliazione 33, Rom Sitz des Ordens (jur.) Gran Magistero dell’O.E.S.S.H.00120 Vatikanstadt Sitz des Großmeisteramts Borgo S. Spirito, 7300193 Rom Kardinal-Großmeister Fernando Kardinal Filoni(seit 8. Dezember 2019) Großprior Pierbattista Kardinal Pizzaballa OFMLateinischer Patriarch von Jerusalem General-Statthalter vakant General-Gouverneur Leonardo Visconti di Modrone (seit 2017) Mitglieder ca. 30.000 (2024)Webseite www.oessh.va

Der Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem (, Ordenskürzel OESSH, auch als Grabesritter bekannt) ist neben dem Malteserorden einer der zwei Päpstlichen Ritterorden.Satzung des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem (in der am 19. Juli 1977 von Papst Paul VI. genehmigten Fassung)

Der Orden ist ein im 19. Jahrhundert konstituierter römisch-katholischer Laienorden. Im Jahre 1868 wurde diese Laienvereinigung als Ritterorden vom Heiligen Grab durch Papst Pius IX. konstituiert. Die Gründung der deutschen Statthalterei dieses Päpstlichen Laienordens erfolgte am 8. Dezember 1933. Aufgabe des Ordens ist es seitdem, die katholische Kirche im Heiligen Land zu fördern und durch weltweite Aktivitäten zu unterstützen. Von allen geistlichen Ritterorden der katholischen Kirche, z. B. der Malteserorden und der Deutsche Orden, die beide bereits während der Kreuzzüge im Heiligen Land gegründet worden sind und dort auch ansässig waren, ist der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem demnach zum einen der jüngste päpstliche Ritterorden; zum anderen war er – in Rom gegründet – nie im Heiligen Land beheimatet. Der Orden steht aufgrund historischer, rechtlicher und geistiger Bande direkt unter dem Schutz des Heiligen Stuhls und ist eine juristische Person des kanonischen Rechts gemäß Bestätigung durch Papst Pius XII. vom 14. September 1949, Johannes XXIII. vom 8. Dezember 1962 wie auch Papst Paul VI. vom 19. Juli 1977 sowie – aufgrund einer Bestätigung durch Papst Johannes Paul II. vom 1. Februar 1996 – eine juristische Person des Vatikanstaates und dadurch eine päpstlich anerkannte Gemeinschaft katholischer Laien und Priester.

Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem genießt die gleiche unmittelbare Anerkennung wie der Malteserorden. Beide sind die einzig vom Heiligen Stuhl anerkannten Ritterorden der katholischen Kirche, die zudem in einem besonderen Souveränitätsverhältnis zum Heiligen Stuhl stehen. Beide Orden haben ihren Ursprung nicht einer päpstlichen Stiftung zu verdanken, allerdings ist der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem kein Orden im Sinne des CIC.

Vorgeschichte Mittelalter mini|Gottfried von Bouillon Neben den wesentlich älteren christlichen Ritterorden, z. B. dem Malteserorden (katholisch), dem Deutschritterorden oder Deutscher Orden (lateinisch: Ordo Teutonicus, OT (katholisch)) und dem Johanniterorden (evangelisch), die in der (Rechts-)Nachfolge der geistlichen Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge stehen, bildet der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem einen Ritterorden, der nicht in der Tradition der Kreuzzüge steht.

Ideelle Vorläufer hat der Orden im Chorherrenorden vom Heiligen Grab, der aus dem 1099 gegründeten Domkapitel des Patriarchates von Jerusalem unter Gottfried von Bouillon hervorging. In dem alten Statut des Chorherrenorden vom Heiligen Grab (1099), das 1573 zu Lyon von Antoine Régnault veröffentlicht wurde, wurde unter Artikel 4 folgender Text festgehalten:Satzung des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem (in der am 19. Juli 1977 von Papst Paul VI. genehmigten Fassung), hier: Anhang I.

Ab 1114 wurde den Ordensmitgliedern der Chorherren vom Heiligen Grab die Regel des Heiligen Augustinus durch den Patriarchen von Jerusalem auferlegt; was 1122 von Papst Calixt II. bestätigt wurde. Oberhaupt des Ordens waren zu dieser Zeit die Päpste Calixt II., Honorius II. und Coelestin II.Eduard Mühle: Monarchische und adlige Sakralstiftungen im mittelalterlichen Polen. Walter de Gruyter 2013, S. 320 f.Alain Demurger: Die Ritter des Herrn: Geschichte der geistlichen Ritterorden. C. H. Beck 2013, S. 39 f. Für die weitere Geschichte des geistlichen Ordens vom Heiligen Grab siehe: Chorherren vom Heiligen Grab.

Die historischen Ursprünge dieses Ordens sind jedoch nicht eindeutig geklärt, obwohl eine nicht belegte Tradition seinen Ursprung im ersten Kreuzzug nachzeichnet. In der Tat stammen die ersten Belege für die Investitur eines Ritters genannt „Ritter des Heiligen Grabes“ von 1336 und sind somit weit hinter den eigentlichen Kreuzzügen einzuordnen. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Existenz des Ordens gut bezeugt.

Im 14. Jahrhundert entstand eine religiöse Laienvereinigung im Zusammenhang mit dem Erstarken der Wallfahrtsbewegung ins Heilige Land aus dem 1333/36 zuerst bezeugten Brauch, adlige Pilger beim Heiligen Grab durch den Guardian des Franziskanerklosters auf dem Berg Zion zum Ritter des heiligen Grabes zu schlagen. Dieser Brauch entstand also lange nach den Kreuzzügen. Nach der Rückkehr der Pilger in ihre Heimat bildeten diese lockere, bruderschaftsähnliche Zusammenschlüsse. Ein gemeinsames Ordensleben wie bei anderen Ritterorden ist für den mittelalterlichen Ritterorden vom Heiligen Grab nicht belegt. Der Ritterschlag war aber mit der Pflicht zur Einhaltung spezifisch religiöser Vorschriften verbunden.Dieter Berg: Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-451-22002-4, Sp. 1323. Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert wurden auch Nicht-Adlige zu Rittern geschlagen.

Neuzeit 1496 erhielt der Franziskaner-Guardian in Jerusalem von Papst Alexander VI. die Erlaubnis, Pilger zu Rittern vom Heiligen Grabe zu schlagen. Dieses Vorrecht wurde mehrfach von Rom bestätigt, zuerst durch Papst Leo X. am 4. Mai 1515,H. Schulze: Chronik sämmtlicher bekannten Ritter-Orden und Ehrenzeichen, welche von Souverainen und Regierungen verliehen werden, nebst Abb. der Decorationen. Moeser 1855, S. 566 f. danach durch Papst Clemens VII., Papst Pius IV. am 1. August 1561, Papst Alexander VII. am 3. August 1665 und Papst Benedikt XIII. am 3. März 1727. Eine von Papst Paul V. wie auch von Innozenz VIII. 1489 beabsichtigte Verschmelzung mit dem Malteserorden kam nicht zustande.Allgemeine encyclopädie der wissenschaften und künste in alphabetischer folge von genannten schrifts bearbeitet und herausgegeben von J. S. Ersch und J. G. Gruber, J. f. Gleditsch, 1828, S. 158 f.

Viele prominente Adelige nahmen, insbesondere im 14. und 15. Jahrhundert, die strapaziöse und gefährliche Pilgerreise ins Heilige Land auf sich, um am Grab des Herrn zu seinem Ritter geschlagen zu werden: Herzog Ernst der Eiserne, Oswald von Wolkenstein, Kaiser Friedrich III., Landgraf Wilhelm I. von Hessen, Kurfürst Friedrich III. von Sachsen, Herzog Christoph der Starke und andere. Das Interesse des hohen Adels an einem Besuch des Heiligen Grabes ließ jedoch im Laufe des 16. Jahrhunderts so sehr nach, dass dann fast nur noch niederadlige Besucher in den Orden aufgenommen werden konnten. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts gelang es auch immer wieder Angehörigen anderer Konfessionen (Lutheraner, Anglikaner), den Ritterschlag zu erhalten. Erst im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde diese Ehrung strenger gehandhabt.

Geschichte

1847 wurde das Lateinische Patriarchat Jerusalem wiedererrichtet; Papst Pius IX. reorganisierte daraufhin auf Ersuchen des Jerusalemer Patriarchen Giuseppe Valerga mit dem Breve cum multa sapienter vom 24. Januar 1868 das alte Rittertum vom Heiligen Grabe und gestaltete es zu einem förmlichen päpstlichen geistlichen Ritterorden; das Jerusalemkreuz wurde offiziell Symbol des Ordens.Theodor Wyder: Le Cardinal Henri Schwery: prêtre, évêque, cardinal – un quart de siècle d'Épiscopat. Editions Saint-Augustin 2002, S. 273 f. Der Orden war zunächst direkt dem Patriarchen von Jerusalem unterstellt. Die Päpste haben sodann persönlich den Orden geführt, bis Pius XII. mit dem Statut von 1949 einen Kurienkardinal als Großmeister des Ordens etablierte.

Das Apostolische Schreiben vom 6. Januar 1928 legte fest, dass sich der Orden auf keinerlei Urkunden vor dem 24. Januar 1868 berufen könne. Damit wurden insbesondere die Privilegien, die der Kustode des Franziskanerordens Bonifaz von Ragusa 1553 erließ, außer Kraft gesetzt.

Am 27. Juli 1931 erhielt der Orden Ritterorden vom Heiligen Grab den Zusatz zu Jerusalem. Ebenfalls wurde festgelegt, dass die Ernennung neuer Ritter dem Päpstlichen Brevensekretariat zur Genehmigung vorgelegt werden muss; damit erhält die Auszeichnung der neu ernannten Ritter zugleich die offizielle Anerkennung aller Regierungen, die mit dem Heiligen Stuhl in diplomatischer Beziehung stehen.

Dem päpstlichen Orden gehören neben Priestern auch Laien an. Im Jahr 1871 erhält eine erste Frau das Ordenskreuz als Auszeichnung, bevor Papst Leo XIII. 1888 erstmals die Investitur von Frauen zur Dame des Heiligen Grabes erlaubt.Une nouvelle mission pour l’Ordre (depuis 1847) auf ordredusaintsepulcre.fr, abgerufen am 8. Juli 2022 (französisch)

Aufgaben und Ziele Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem unterstützt zunächst das christliche Leben seiner Mitglieder und ist eine Gemeinschaft des Betens, der Spiritualität, Nächstenliebe wie auch der Aktion. Dem Orden gehören sowohl katholische Laien (männlich oder weiblich) als auch Geistliche an.

Der Orden ist ein päpstlicher Orden in der katholischen Kirche mit einem vom Papst eingesetzten Kardinal als Großmeister. Er sieht sich der Verteidigung der Rechte der Kirche und der Freiheit der Religionsausübung, der Förderung der Ökumene, dem Schutz ethnischer Minderheiten sowie den Bemühungen um Gerechtigkeit und Frieden verpflichtet. Die Soziallehre ist ein besonderes Anliegen des Ordens. Politische oder wirtschaftliche Aufgaben nimmt der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem nicht wahr.

Das Leitmotiv des Ritterordens lautet Deus lo vult („Gott will es“).

Der Orden ist weltweit tätig sowie in religiösen, karitativen, kulturellen und sozialen Werken bzw. Einrichtungen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem engagiert und unterstützt die Christen im Heiligen Land sowohl in Hinsicht auf Förderung des katholischen Glaubens im Heiligen Land als auch in finanzieller Hinsicht. Insbesondere engagiert man sich für das vielfältige Wirken des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem in der Seelsorge in den 65 Pfarreien, in der Unterstützung z. B. für das Priesterseminar in Beit Jala, für den Bau und die Instandhaltung von Pfarrkirchen, für Kindergärten und Schulen und in zahlreichen sozialen Einrichtungen wie Altenheimen, Krankenstationen sowie in der Hilfe für sozial schwache und alte Menschen in Israel, Palästina (Gazastreifen/Westjordanland), Jordanien und Zypern. Der Ritterorden stellt die Finanzierung 70 Patriarchatsschulen mit über 30.000 christlichen, jüdischen und muslimischen Schülern in Palästina, Jordanien, Israel und Zypern sicher. Darüber hinaus wird die Universität Bethlehem und die American University of Madaba in Jordanien wesentlich unterstützt.

Aufbau und Mitgliederstruktur Sitz mini|Ordenssitz Palazzo Della Rovere, Rom