mini|Władysław Dziewulski Władysław Dziewulski (* 2. September 1878 in Warschau; † 6. Februar 1962 in Toruń) war ein polnischer Astronom.
Leben Władysław Dziewulski wurde am 2. September 1878 als Sohn von Aniela und Eugeniusz Dziewulski in Warschau geboren. Von 1897 bis 1901 studierte er Astronomie, Mathematik und Physik an der Kaiserlichen Universität Warschau und arbeitete ein Jahr lang am Observatorium der Universität Warschau. In den folgenden zwei Jahren setzte er seine astronomischen Studien an der Georg-August-Universität Göttingen unter Karl Schwarzschild fort und ging anschließend als Assistent an das Observatorium der Jagiellonen-Universität in Krakau. Dort wurde er 1906 mit der Dissertation Wiekowe perturbacye Marsa w ruchu Erosa (Säkulare Marsstörungen in der Eros-Bahn) promoviert. Von 1907 bis 1908 war er wieder bei Schwarzschild in Göttingen und kehrte anschließend erneut an das Universitätsobservatorium in Krakau zurück. Im Jahre 1916 habilitierte er sich und wurde Dozent an der Jagiellonen-Universität. 1919 ging er als Professor an die Universität Vilnius, damals Stephan-Báthory-Universität, wo er am Aufbau des dortigen Observatoriums mitwirkte und in den Jahren 1924/25 sogar Direktor des Observatoriums war.
Die Kriegsjahre verbrachte Dziewulski in Vilnius, wo er im Untergrund lehrte und geheime Schul- und Universitätskurse organisierte. Nach dem Krieg ging er zusammen mit anderen überlebenden Akademikern der Universität Vilnius an die 1945 neu gegründete Nikolaus-Kopernikus-Universität Toruń. Er beteiligte sich aktiv an der Organisation der Universität sowie am Aufbau des ebenfalls neu gegründeten Observatoriums im zirka 10 km nördlich von Toruń gelegenen Dorf Piwnice, wo er bis 1952 Direktor war. An der Universität war er aktiver Professor, bis er 1961 mit 83 Jahren in den Ruhestand trat.
Dziewulskis Doktorarbeit befasste sich mit den Einflüssen des Mars auf die Bahn des Asteroiden (433) Eros. Dabei handelte es sich um die erste Arbeit, die sich mit dem Marseinfluss auf Asteroidenbahnen befasste, zuvor waren im Wesentlichen die durch Jupiter verursachten Störungen untersucht worden. Durch viele Jahre hindurch studierte er die Umlaufbahnen von Asteroiden, etwa von (153) Hilda, (13) Egeria, (133) Cyrene, (887) Alinda und (1474) Beira. Während seiner Göttinger Zeit arbeitete er mit an der Erstellung der Göttinger Aktinometrie. Dziewulski befasste sich ferner mit Sternbewegungen und berechnete den Sonnenapex sowie Fluchtpunkte anderer nahegelegener Sterne. Sowohl während seiner Zeit in Vilnius als auch in Toruń führte er systematische Beobachtungen veränderlicher Sterne durch.
Dziewulski war seit dem 21. November 1909 mit Jadwiga Malinowska verheiratet. 1961 trat er mit 83 Jahren in den Ruhestand. Er starb im darauf folgenden Jahr am 2. Februar 1962 in Toruń und wurde auf dem dortigen Friedhof Hl. Georg (Cmentarz św. Jerzego) beerdigt. Sein älterer Bruder Wacław Dziewulski (1882–1938) war Physiker und ebenfalls Professor in Vilnius.
Ehrungen und Mitgliedschaften Dziewulski war 1923 Mitbegründer der Polnischen Astronomischen Gesellschaft (PTA, Polskie Towarzystwo Astronomiczne) und von 1930 bis 1934 ihr Präsident. Dziewulski war Mitglied der Warschauer Wissenschaftlichen Gesellschaft (Towarzystwo Naukowe Warszawskie). Er war auch Mitglied in der Polska Akademia Umiejętności. Er wurde zum Mitglied der Polnische Akademie der Wissenschaften gewählt. Dziewulski wurde mehrfach mit dem Orden Polonia Restituta in verschiedenen Ausprägungen geehrt, Komtur (1937 und 1954), Offizier (1946), Komtur mit Stern (1959). In den Jahren 1949–1956 war er Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft in Toruń (Towarzystwo Naukowe w Toruniu). Am 13. Dezember 1957 wurde er zum Fellow der Royal Astronomical Society gewählt. Die Nikolaus-Kopernikus-Universität verlieh ihm am 29. April 1961 die Ehrendoktorwürde. Im Jahre 1970 benannte die Internationale Astronomische Union den Mondkrater Dziewulski offiziell nach Władysław Dziewulski. Der 2006 entdeckte Asteroid (319636) Dziewulski wurde ebenfalls nach Dziewulski benannt.
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Einzelnachweise
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