mini|Siedlungsgebiete der lesgischen Völker (ohne Artschinen, Dscheken zu den Krysen (Qriz) gezählt)
Die Lesgischen Völker (auch Lesginische (Sub-)Ethnien, selten Lesgivölker, sehr selten Lekische Völker) sind eine Gruppe von zehn (nach offiziell verbreiteter Kategorisierung) sprachlich nahe verwandten Ethnien im Kaukasus, im Süden der südrussischen Republik Dagestan und im Norden Aserbaidschans, dazu kommt ein Dorf mit Udinen in Georgien. Ihre Sprachen gehören zur Sprachgruppe der Lesgischen Sprachen innerhalb der nordostkaukasischen oder nachisch-dagestanischen Sprachfamilie. Zu ihnen gehört die Lesgische Sprache im engeren Sinne und neun weitere Sprachen mit ihren Dialekten, insgesamt 10 offiziell anerkannte verwandte Sprachen mit insgesamt etwa einer Million Sprechern. Ihre Vorfahren werden als Leks sowie als Kaukasische Albaner (Aluaner) bezeichnet.
Namensherkunft Die Selbstbezeichnung der Lesgier im engeren Sinne lautet (lesgijar oder lesgi), (leksijar oder leksi) oder auch älter лекьер / лекь ( oder –manchmal auch lekk(er) umschrieben, der dritte Laut ist ein stimmloser uvularer Plosiv, der ejektiv gesprochen wirdGeorgij A. Klimov: Einführung in die kaukasische Sprachwissenschaft. (übersetzt von Jost Gippert), Hamburg 1994 (Digitalisat), S. 390–395 (Transkriptionstabellen).). Die übrigen lesgischen Ethnien haben aufgrund ihrer zumeist seit dem Spätmittelalter, bei den Udinen seit der Spätantike getrennten historischen Entwicklungen andere traditionelle Selbstbezeichnungen.
Der Name ist sehr alt, wie schon historische Fremdbezeichnungen in Quellen, wie bei Strabon (XI.5.1) , , , , , auch persisch ähnlich, belegen. Weitere Fremdbezeichnungen sind oder . Er ist im engeren Sinne die Bezeichnung der eigentlichen Lesgier, im weiteren Sinne manchmal die Sammelbezeichnung für die autochthonen lesgischen Ethnien im südlichen Dagestan und des nördlichen Aserbaidschan, die das Becken des Flusses Samur vom östlichen Großen Kaukasus bis zum Kaspischen Meer bewohnen.
Obwohl der Begriff in der russischen und westlichen Literatur lange Zeit, besonders im 19. Jahrhundert für sämtliche Bewohner Dagestans verwendet wurde, ist er heute zutreffend nur für zehn der ethnischen Gruppen im Süden der Region, nämlich: die Agulen, Rutulen, Zachuren, Tabassaranen, Buduchen, Dscheken (eine Dialektgruppe der Krysen), Krysen, Chinalugen (Zugehörigkeit sprachwissenschaftlich umstritten), Artschinen (Zugehörigkeit sprachwissenschaftlich umstritten), Udinen sowie die eigentlichen Lesgier. Der Name „Lek“ lebt heute im Namen der Lesgier fort, die im südlichen Dagestan und im nördlichen Aserbaidschan leben.
Sprachen und Dialekte
mini|Historische Untergliederung der Nordostkaukasischen Sprachfamilie (Wolfgang Schulze 2009)Beispielsweise in der Übersicht Wolfgang Schulze: Languages in the Caucasus. Autochthonous languages and earlier migration languages. (Webarchive), Folien 4 und 5, unten die zugehörigen Dialekte aufgezählt, darunter zu Kryts (Krysisch) unter anderen der Dialekt Dzhek (Dschekisch). Die Lesgischen Sprachen bilden einen von vier Zweigen der Nordostkaukasischen Sprachfamilie. Sie umfassen nach heute üblicher Einteilung zehn Sprachen, die im Kaukasus gesprochen werden. Jede dieser Sprachen weist mehrere Dialekte auf, außer Chinalugisch und Artschinisch, die außerdem nicht von allen Linguisten zu den lesgischen Sprachen gezählt werden, weil sie sich stärker von den übrigen Sprachen unterscheiden. Insgesamt gehören 40 Unterdialekte zu den lesgischen Sprachen, zwei zachurische, drei rutulische, zwei buduchische, drei udinische, zehn lesgische, sechs agulische und elf tabassaranische Dialekte, sowie jeweils eine einheitliche chinalugische und artschinische Sprachform.Wolfgang Schulze: Languages in the Caucasus. Autochthonous languages and earlier migration languages. (Webarchive), Folie 5. Rund eine Million Menschen sprechen eine lesgische Sprache als Muttersprache. Die meistgesprochene Sprache ist das Lesgische (Lekzi), dessen Sprecher etwa 80 % aller lesgischsprachigen Menschen ausmachen.
Unterethnische Gruppen mini|Verbreitungsgebiete der nordostkaukasischen Sprachen; Nr. 6–15 (im Süden in blaugrünen Farbtönen): Sprachen der lesgischen Gruppe Die Agulen, Artschinen, Buduchen, Lesgier, Rutulen, Tabassaranen, Zachuren, Chinalugen, Udinen und Krysen bilden zusammen die lesgische Gruppe innerhalb des dagestanischen Zweigs der nordostkaukasischen Sprachfamilie.
Zeitgenössische lesgische Ethnien EthnonymHauptsiedlungsgebieteReligionAgulenAgulski rajonSunnitischer IslamArtschinerArtschiSunnitischer IslamBuduchenBuduqSunnitischer IslamLesgierdagestanisch-aserbaidschanisches GrenzgebietSunnitischer IslamRutulenRutulski rajonSunnitischer IslamTabassaranenTabassaranski rajonSunnitischer IslamZachurenZaqatala, Qax, Rutulski rajonSunnitischer IslamUdinenNicOrthodoxes ChristentumKrysenQırızSunnitischer IslamChinalugenXinaliqSunnitischer Islam
Geschichte
mini|Lekia 1090 Ac Im 4. Jahrhundert v. Chr. schlossen sich die zahlreichen Stämme, die Lesgische Sprachen, zu einem Bund von 26 Stämmen zusammen, der im ostkaukasischen Staat Kaukasisches Albanien im Jahr 513 v. Chr. gebildet wurde. Angrenzend an Bab al-Abwab (Derbent) bis zu den Grenzen der islamischen Staaten entlang der Meeresküste liegt ein Gebiet namens Maskut, und daneben befindet sich das Land der Lakzs (Lekzi, Lezgi).
Demographie mini|Lekvölker im Dagestan Das südliche Dagestan und das nördliche Aserbaidschan bilden das Hauptsiedlungsgebiet der Lesginischen Gruppen. Das Siedlungsgebiet der Lesgier (Lek) erstreckt sich beiderseits der heutigen russisch-aserbaidschanischen Staatsgrenze.
Religion
Die lesginischen Ethnien sind überwiegend Muslime der schafiitischen Rechtsschule des sunnitischen Islam. Die große Mehrheit der Lesgier (ca. 1 Million) sowie alle übrigen lesgischen Ethnien – Agulen, Artschiner, Buduchen, Rutulen, Tabassaranen, Zachuren, Chinalugen und Krysen (zusammen ca. 200.000) – gehören dem sunnitischen Islam der schafiitischen Rechtsschule an, während die Uden (ca. 10.000 Personen) Christen sind (Albanisch-udi-Kirche).Sergei Markedonov. Azerbaijan: an Islamist Threat to Religious Harmony. Memo.ru
Im 19. Jahrhundert verbreitete sich die Lehre des Muridismus, begründet vom lesgischen Scheich Muhammad Jaragwi, unter den Lesgiern, sowie den verwandten lesgischen Ethnien. Die lesgischen Muriden erkannten die Autorität anderer Imame, wie Imam Schamil, oft nicht an und vertraten oft die Auffassung, dass ausschließlich ein Lesgier als Imam für die lesgische Gemeinschaft dienen könne.Кисриев, 2007
Herkunft Die lesgischen Ethnien wurden in der mittelalterlichen arabischen, georgischen und armenischen Quellen unter verschiedenen Bezeichnungen erwähnt, darunter Leks, Legai/Legae sowie Albans (Aluaner). Peter von Uslar identifiziert die antiken Leks mit den heutigen Lesgiern: „Lesgier, Legai, Leks gaben dem Gebirgszug, der das Kura-Becken vom Rioni-Becken trennt, ihren Namen. ... Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Legai, von denen Herodot spricht, das lesgische Volk waren.“ Nach dem Brockhaus und Efron-Enzyklopädischen Wörterbuch, das Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erschien, seien die „Leken“ die klassischen Legi (Λήγες) des späten 8. Jahrhunderts.
Siehe auch
Lesgier Nordostkaukasische Sprachen Lesgische Sprachen
Einzelnachweise
Kategorie:Ethnie im Kaukasus