mini|hochkant=1.5|Tad Lucas auf Juarez, Salt Lake City, Utah (1924) Tad Lucas (* 1. September 1902 in Cody, Nebraska; † 23. Februar 1990 in Fort Worth, Texas) war eine US-amerikanische Kunst- und Rodeoreiterin. Sie war eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Rodeos im frühen 20. Jahrhundert und galt ein Jahrzehnt lang als die weltbeste Rodeoreiterin. Zu dieser Zeit, in den 1920er und frühen 1930er Jahren erlebte das Trickreiten seine Blütezeit und es wurden Wettbewerbe mit hochdotierten Gewinnpreisen veranstaltet. Im Laufe ihrer Karriere gewann Lucas alle wichtigen Trophäen und Titel, die es für Rodeo-Cowgirls zu gewinnen gab – darunter auch Reitwettbewerbe wie Pony-Express-Rennen und Staffelrennen.

Werdegang Tad Lucas kam als Barbara Inez Barnes als jüngstes von 24 Kindern von Lorenzo White Barnes auf einer Ranch im Cherry County von Nebraska zur Welt. Wegen ihrer geringen Körpergröße und Lebhaftigkeit wurde sie als Kind „Tadpole“ (Kaulquappe) genannt und der Name später zu „Tad“ abgekürzt. Sie lernte schon als Kind reiten und begann schon früh mit dem Pferderennsport. 1917 nahm sie erstmals an einem Rodeo teil und gewann ihren ersten Wettbewerb im Bullenreiten. Später nahm sie an Bullenreitveranstaltungen in Cody teil, um während des Ersten Weltkriegs Spenden für das Rote Kreuz zu sammeln. Kurz darauf zog sie nach El Paso zu einer ihrer Schwestern und lebte dann gemeinsam mit einem ihrer Brüder in Fort Worth in Texas.

1922 lernte sie den Cowboy „Buck“ Lucas kennen, den sie 1924 heiratete. Im Laufe ihrer Ehe bekam sie zwei Kinder. Ihre Tochter Dorothy verabscheute Rodeo, während die jüngere Tochter Mitzi später eine angesehene Trickreiterin wurde. Ab 1933 lebte sie mit ihrer Familie in einem Haus, das sie und ihr Mann erbaut hatten. Im selben Jahr brach sie sich den linken Arm, als sie bei einem Stunt unter die Hufe ihres Pferdes geriet. In der Folge musste sie mehrfach operiert werden. Trotzdem nahm sie schnell wieder an Wettbewerben teil und schützte den beeinträchtigten Arm drei Jahre mit einem Gips. Sie trat auch zusammen mit ihrer Tochter Mitzi auf, die mit vier Jahren zu reiten begonnen hatte.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele Rodeo-Wettbewerbe für Frauen dauerhaft eingestellt. In den 1940er Jahren spielte Tad Lucas eine wichtige Rolle bei der Gründung der Girls Rodeo Association (heute Women’s Professional Rodeo Association) im Jahr 1948, um die Zukunft von Frauen im Rodeosport zu fördern und ihre Rolle darin wiederzubeleben. Als Gründungsmitglied verlieh Tad Lucas der neuen Organisation öffentliche Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit. Nach Ende ihrer aktiven Zeit war sie weiterhin viele Jahre im Vorstand der Professional Rodeo Cowboys Association und der Rodeo Historical Society aktiv. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1990 lebte sie in Fort Worth in der Nähe ihrer Tochter Mitzi Riley.

Karriere Tad Lucas trat erst bei kleineren Rodeos an und meldete sich danach zu bekannteren und größeren Veranstaltungen. Innerhalb weniger Jahre avancierte sie zu einem aufstrebenden Star unter den Rodeo-Künstlerinnen. 1921 schloss sie sich als professionelles Cowgirl der California Frank’s Rodeo Company als „Bronco-Reiterin“ an und trat unter anderem drei Monate lang in Mexiko auf.

Nachdem Tad Lucas ihr Talent für das Trickreiten entdeckt hatte, reiste sie 1924 mit dem Tex Austin Rodeo als Rennreiterin und Trickreiterin nach London, wo sie im alten Wembley-Stadion auftrat. Sie gewann zahlreiche Wettbewerbe in dieser Disziplin, darunter viermal zwischen 1926 und 1933 in Fort Worth und achtmal in Folge bei den „Cheyenne Frontier Days“ in Wyoming. Sie beherrschte Stunts wie den „Back Drag“, bei dem sie sich so weit zurückbeugte, dass ihr Kopf nur knapp über den galoppierenden Hufen war, und den Seitenwechsel unter dem Bauch eines galoppierenden Pferdes hindurch.

1930 gewann sie die mit 10.000 US-Dollar dotierte „Metro-Goldwyn-Mayer-Trophäe“ für drei aufeinanderfolgende Siege als Allround-Champion-Cowgirl beim großen Madison-Square-Garden-Rodeo. 1933 siegte sie bei dem Allround-Wettbewerb der Cowgirls auf der 2. Weltausstellung A Century of Progress in Chicago.

Mehrere Jahre lang ritt sie bei den Rodeos von C. B. Irwin, unter anderem in Staffelrennen, Pony-Express-Rennen, auf Mustangs und bei Trickreit-Wettkämpfen. 1940 trat sie dem US-amerikanischen Rodeo-Team bei und nahm an der „Royal Easter Show“ in Sydney in Australien teil. Sie ritt bis 1964 wilde Pferde, bevor sie im Alter von 62 Jahren ihre Karriere beendete.

Auszeichnungen und Ehrungen 1967/1968: Aufnahme als erste Frau in die „National Rodeo Hall of Fame“ des National Cowboy & Western Heritage Museums in Oklahoma City, in „Anerkennung ihrer herausragenden Verdienste um den Rodeosport“ 1978/1979: Aufnahme in das National Cowgirl Museum and Hall of Fame. Fort Worth, Texas 1979: Aufnahme in die „Pro-Rodeo Hall of Fame“ 1989: Stiftung des Tad Lucas Memorial Award: ein nach ihr benannter Gedächtnispreis der Rodeo Historical Society und des National Cowboy & Western Heritage Museums, der Frauen ehrt, die sich in Bereichen mit Bezug zum Western-Erbe besonders hervorgetan haben. 1997: Aufnahme in den „Texas Trail of Fame“. Fort Worth, Texas 2002: Aufnahme in die „Hall of Fame“ des Cheyenne Frontier Days Old West Museum. Cheyenne, Wyoming 2007: Aufnahme in die „Texas Cowboy Hall of Fame“. Fort Worth, Texas

Weblinks Reportage über Tad Lucas auf dem Youtube-Kanal der Texas Cowboy Hall of Fame

Einzelnachweise Mary Lou LeCompte: Cowgirls of the Rodeo. Pioneer Professional Athletes. University of Illinois Press 2000, ISBN 978-0-2520-6874-4, S. 78–79 Mary Lou LeCompte: Cowgirls of the Rodeo. Pioneer Professional Athletes. University of Illinois Press 2000, ISBN 978-0-2520-6874-4, S. 98 Teresa Jordan: Cowgirls. Women of the American West. University of Nebraska Press 1992, ISBN 978-0-8032-7575-1, S. 200–202 Terry Lidral: Tad Lucas – She’s a legendary Bronc Rider. In: Bucking Stock Talk Magazine vom 4. September 2019. Abgerufen am 1. März 2026 Cheyenne Frontier Days Hall of Fame Inductees: Class of 2002. In: Cheyenne Frontier Days Old West Museum. Abgerufen am 1. März 2026 Tad Lucas. In: National Cowgirl Museum and Hall of Fame. Abgerufen am 1. März 2026 National Rodeo Hall of Fame. Tad Barnes Lucas. In: National Cowboy & Western Heritage Museum. Abgerufen am 1. März 2026 Sonja Rossum: Lucas, Barbara (1902-1990). In: Encyclopedia of the Great Plains. University of Nebraska-Lincoln. Abgerufen am 1. März 2026 Tad Lucas. Rodeo Notable Inducted 1979. In: ProRodeo Hall of Fame & Museum of the American Cowboy. Abgerufen am 1. März 2026 Tad Lucas - 2007. Pioneer Cowgirl and Trick Rider. In: Texas Cowboy Hall of Fame. Abgerufen am 1. März 2026 Tad Lucas. In: Texas Trail of Fame. Abgerufen am 1. März 2026

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