mini|Das Glatttal in der Umgebung von Wallisellen und Zürich-Nord, Ansicht von Rümlang mini|Flughafen Zürich mini|Sicht von Uster auf das Glatttal Das Glatttal ist eine Region im Schweizer Kanton Zürich. Es liegt zwischen dem Limmattal im Westen und dem Tösstal im Osten und nimmt einen beträchtlichen Teil des Zürcher Unterlands ein. Es entspricht dem Einzugsgebiet des Flusses Glatt, der aus dem Greifensee fliesst und bei Glattfelden in den Rhein mündet.

Das Glatttal ist dicht besiedelt, liegt zur Gänze im unmittelbaren Einzugsgebiet der Stadt Zürich und gilt als Teil der Metropolregion Zürich. Der Flughafen Zürich wurde ab 1948 in ein ehemaliges Moorgebiet der Glatt zwischen Kloten und Oberglatt gebaut.

Neben der Schreibweise Glatttal gemäss Rechtschreibreform – so jetzt auch in den Geodaten des Bundesamts für Landestopografie – ist auch noch Glattal anzutreffen, woran die Staatskanzlei des Kantons Zürich 2002 festhalten wollte.Aus den Verhandlungen des Regierungsrates. Sitzung vom 4. Dezember 2002. Kommunikationsabteilung des Regierungsrates des Kantons Zürich, 5. Dezember 2002 (Medienmitteilung, archiviert auf der Website der Schweizer Orthographischen Konferenz).

Geographie Siehe auch: Glatt (Rhein), Bezirk Bülach, Bezirk Dielsdorf, Bezirk Uster und Zürcher Unterland

Das Glatttal umfasst Teile der Bezirke Uster, Dielsdorf und Bülach sowie Teile des Gemeindegebiets der Stadt Zürich (Zürich Nord). Die Glatt verfügt insgesamt über ein Einzugsgebiet von 416 km² oder knapp ein Viertel der Fläche des Kantons Zürich.Als «Glatttal» gilt allerdings nur das Gebiet unterhalb des Greifensees, der selber ein Einzugsgebiet von 169 km² hat; hydrographisch hätte damit das «Glatttal» eine Fläche von 247 km². Das Glatttal ist nach Osten vom Einzugsgebiet der unteren Töss abgegrenzt durch Hügelzüge, die eine Höhe von knapp erreichen (Büliberg bei Bülach, ). Gegen Westen ist das Glatttal vom unteren Zürichsee und der Stadt Zürich abgegrenzt durch Adlisberg und Zürichberg; bei Regensdorf wird es durch Moränen (Standort der Strafanstalt Pöschwies) vom Furttal abgegrenzt, die Wasserscheide zum Surbtal verläuft zwischen Steinmaur und Schöfflisdorf, diejenige zum Fisibach (der bei Fisibach in den Rhein mündet) zwischen Neerach und Bachs. Sein oberer Teil (in etwa das Gebiet der Gemeinden im Bezirk Uster) trug im 19. Jahrhundert den – heute kaum mehr bekannten – Namen Bauernland.Schweizerisches Idiotikon, Band IV, Spalte 1304, Artikel Būrenland sowie Verzeichnis der abgekürzt zitierten Belegorte unter Z (für Kanton Zürich; wo Abkürzung ZB.).

Politische Gemeinden Politische Gemeinden (und Zürcher Stadtteile), die ganz oder teilweise im Einzugsgebiet der Glatt liegen:

Bezirk Uster Wappen PLZ und Gemeindename Einwohner() Flächein km² 35px|Dübendorf 8600Dübendorf 13,61 35px|Fällanden 8117Fällanden 6,41 35px|Greifensee 8606Greifensee 2,30 35px|Schwerzenbach 8603Schwerzenbach 2,64 35px|Volketswil 8604Volketswil 14,00 35px|Wangen-Brüttisellen 8306Wangen-Brüttisellen 7,90

Stadt Zürich Stadtkreis Wappen Statistische Quartiere EinwohnerStatistisches Jahrbuch der Stadt Zürich 2016, S. 34 (33,4 MB)(31. Dezember 2015) Flächein km²Statistisches Jahrbuch der Stadt Zürich 2016, S. 86 (33,4 MB) Kreis 11 20px|center|Affoltern Affoltern 25'874 6,04 20px|center|Oerlikon Oerlikon 21'966 2,67 20px|center|Seebach Seebach 24'991 4,71 Kreis 12Schwamendingen 20px|center|Schwamendingen Saatlen 8508 1,13 Schwamendingen Mitte 11'315 2,79 Hirzenbach 11'930 2,05

Bezirk Bülach Wappen PLZ und Gemeindename Einwohner() Flächein km² 35px|Bachenbülach 8184Bachenbülach 4,25 35px|Bassersdorf 8303Bassersdorf 9,02 35px|Bülach 8180Bülach 16,09 35px|Dietlikon 8305Dietlikon 4,26 35px|Glattfelden 8192Glattfelden 12,35 35px|Hochfelden 8182Hochfelden 6,16 35px|Höri 8181Höri 4,85 35px|Kloten 8302Kloten 19,28 35px|Nürensdorf 8309Nürensdorf 10,09 35px|Opfikon 8152Opfikon 5,61 35px|Wallisellen 8304Wallisellen 6,50 35px|Winkel 8185Winkel 8,16

Bezirk Dielsdorf Wappen PLZ und Gemeindename Einwohner() Flächein km² 35px|Dielsdorf 8157Dielsdorf 5,86 35px|Neerach 8173Neerach 6,01 35px|Niederglatt 8172Niederglatt 3,62 35px|Niederhasli 8155Niederhasli 11,24 35px|Oberglatt 8154Oberglatt 8,29 35px|Rümlang 8153Rümlang 12,39

Geschichte

Historisch lagen kaum Siedlungen direkt an der Glatt, da der Fluss in seinem natürlichen Verlauf auf seiner ganzen Länge von Sumpf und Moorlandschaften charakterisiert war. Durch diesen Umstand hat die Glatt nur selten den Charakter eines Dorfbaches, sondern folgt öfter den Grenzen zwischen Gemeinden bzw. historischen Siedlungskernen. Eine Ausnahme ist Dübendorf, wo bereits im Frühmittelalter Ansiedlungen direkt an der Glatt bestanden. An ihrem Unterlauf wurde die Glatt bereits im Mittelalter wirtschaftlich genutzt, indem man sich das relativ starke Gefälle zum Betrieb von Wassermühlen zunutze machte. Im 19. Jahrhundert wurde der Fluss praktisch auf der ganzen Länge korrigiert, um Überschwemmungen zu vermeiden und die Moore kultivierbar zu machen.

Das Glatttal fiel bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in den Herrschaftsbereich der Stadt Zürich, die Gerichtsbarkeit blieb aber bei regionalen Herrschaften, zuletzt grossmehrheitlich bei der Herrschaft Kyburg, bis zur Gründung des modernen Kantons Zürich in der Mediationsverfassung von 1803. Bereits im frühen 18. Jahrhundert entstand im Glatttal eine ausgedehnte Heimindustrie. Johann Conrad Fäsi schrieb 1765:

Die Glatt wurde bereits im Mittelalter wirtschaftlich genutzt, indem man sich das relativ starke Gefälle im Unterlauf zum Betrieb von Wassermühlen zu Nutze machte. Um 1800 war etwa die Hälfte der Bevölkerung in der Baumwollverarbeitung tätig. Während der Frühindustrialisierung wurden am Glattufer Textilfabriken gebaut, die ihre Maschinen mit Turbinen betrieben. Um 1900 wurden die Fabriken elektrifiziert, und mit neu gebauten Wasserkraftwerken wurde Strom produziert.

Mit der einsetzenden Industrialisierung des 19. Jahrhunderts setzten sich die Industriellen besonders in Uster für den Bau einer Bahnlinie ein. Die Glatthalbahn wurde 1856 auf der Strecke Wallisellen–Uster eröffnet und noch in demselben Jahr mit der St. Gallisch-Appenzellischen Eisenbahn und der SüdostbahnDie mit englischem Kapital finanzierte Bahn strebte den Bau einer Lukmanierbahn an. Sie ist nicht zu verwechseln mit der heutigen Schweizerischen Südostbahn (SOB). zu den Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) vereinigt. Damit war die Finanzierung des Weiterbaus bis Wetzikon (1858), Rüti ZH (1858) und Rapperswil SG (1859) gesichert. Die Glatttalstrecke war von den VSB als Hauptverkehrsachse für die Verbindung Zürichs sowohl mit Österreich als auch mit der Gotthardbahn (seit 1871 in Planung) vorgesehen. Die VSB wurden 1902 verstaatlicht, und der Betrieb wurde von den SBB übernommen; der Ausbau der Bahnstrecke wurde zugunsten der linksufrigen Zürichseebahn aufgegeben. Erst 1980 wurde der Doppelspurausbau der Glatthalbahn in Angriff genommen (Inbetriebnahme auf der Strecke Wallisellen–Dübendorf am 31. Juli 1983).

Im frühen 20. Jahrhundert erhielt v. a. das mittlere Glatttal zunehmend den Charakter einer Agglomeration der Stadt Zürich. Seit der Eingemeindung von 1934 gelten Teile des Glatttals gar als eigentliches Stadtgebiet («Zürich Nord»). Ab 1909 entwickelte sich mit dem Flugplatz Dübendorf-Wangen ein gemischter ziviler und militärischer Flugbetrieb. Der Flugplatz war ab 1919 Heimat der Swissair-Vorgängerin Ad Astra Aero und ab 1932 der Swissair. Aus militärstrategischen Überlegungen kündigte der Bund, als Alleineigentümer des Flugplatzareals, 1939 dem Kanton Zürich vorsorglich die gemeinsame Nutzung. Der Zürcher Regierungsrat gab im April 1943 eine Studie in Auftrag, die mögliche Standorte für den Bau eines kantonalen Grossflughafens prüfen sollte. Der Bericht empfahl den Bau eines getrennten Zivilflugplatzes im Moorgebiet des Waffenplatzes Kloten-Bülach. Die beiden Kammern des Bundesparlaments verabschiedeten den «Bundesbeschluss über den Ausbau der Zivilflugplätze» vom 22. Juni 1945, der die Bundesbeiträge für vier kontinentale Flugplätze festlegte und den Zusatzausbau von Zürich-Kloten zum interkontinentalen Flugplatz bestätigte. Nach fünfjährigem Betrieb als Provisorium wurde der Flughafen Zürich-Kloten in einer dreitägigen Einweihungsfeier vom 29. August bis zum 31. August 1953 der Bevölkerung vorgestellt.

Die zunehmende Urbanisierung der Region im späteren 20. Jahrhundert wird reflektiert durch die Eröffnung im Jahr 1975 des Glattzentrums auf dem Gebiet von Wallisellen, eines der ersten grossen Einkaufszentren nach US-amerikanischem Vorbild in der Schweiz. Bedeutend für die Wahl des Standortes war die damals erst geplante Autobahn N1. Der Bau der «Einkaufsstadt» begann 1971 und umfasste neben dem eigentlichen Einkaufszentrum eine grosszügige Parkhausanlage, die damals übliche Grosstankstelle und ein Bürohochhaus. Koordiniert mit der Standortgemeinde, der Stadt Zürich, dem Kanton Zürich und dem Bund, welcher ebenfalls 1971 mit dem Bau der N1 Zürich–Winterthur begann, wurden die Strassenzufahrten erstellt, an welche die Bauherrschaft namhafte Beiträge leistete. So umfasst die zentrumsseitige Autobahn-Fahrspur (Richtung Zürich) innerhalb des Autobahnanschlusses Wallisellen eine direkte Ausfahrt zum respektive eine Einfahrt vom Einkaufszentrum.

Siedlungsentwicklung und Bauprojekte Das Glatttal ist heute dicht besiedelt. Die Glatttalgemeinden erfuhren seit dem späteren 20. Jahrhundert als «Flughafengemeinden» und verstärkt seit 1990 mit dem Betrieb der S-Bahn Zürich und der damit entstandenen Attraktivität für Pendler eine starke Zersiedelung. Exemplarisch dafür ist die demographische Entwicklung der Gemeinde Bassersdorf: Die Wohnbevölkerung betrug hier 1950 noch 2'143 Personen; sie verdoppelte sich innerhalb von 20 Jahren (1970: 5'590 Einwohner) und ein weiteres Mal in den folgenden 40 Jahren (2010: 11'052 Einwohner); während der Jahre 2001 bis 2010 erfuhr Bassersdorf ein Bevölkerungswachstum von 47 % (kantonaler Durchschnitt: 12,7 %; landesweiter Durchschnitt: 8,0 %). . In: Website des Bundesamtes für Statistik.

Die acht Gemeinden Rümlang, Kloten, Opfikon, Wallisellen, Dietlikon, Bassersdorf, Wangen-Brüttisellen und Dübendorf betreiben seit 2002 unter dem Motto glow. das Glattal eine gemeinsame Standortförderung.Gründung als Verein am 12. Juni 2002, vormals (1990–2001) «Interessengemeinschaft Zukunft Glattal» (IG ZUG). In: Website von glow. das Glattal. Der Verein glow. das glattal treibt in Zusammenarbeit mit dem regionalen Planungsverband «Zürcher Planungsgruppe Glattal» (ZPG)Öffentliche Veranstaltung von glow. das glattal und der ZPG Zürcher Planungsgruppe Glattal: «glattal – eine stadt im werden». In: Guidle. Bassersdorf 2014 (PDF; 100 kB); Barbara Kieser: . In: Website des Vereins Metropolitanraum Zürich. August 2013: «Alle Welt spricht vom rasanten Wachstum der Stadt Zürich. Gleich daneben wächst aber eine Stadt noch viel schneller heran: die sogenannte Glattalstadt, auch bekannt als ‹glow.das Glattal›. Sie setzt sich zusammen aus den acht Gemeinden Rümlang, Kloten, Opfikon, Wallisellen, Dietlikon, Bassersdorf, Dübendorf und Wangen-Brüttisellen – und ist politisch gesehen natürlich keine Stadt. Trotzdem hat sie sich soeben erfolgreich für die Durchführung des Städtetages 2014 beworben.» die Bautätigkeit weiter voran mit dem Ziel einer zusammenhängenden urbanen «Glattalstadt». Hervorgehoben werden die guten Standortfaktoren (Nähe zum Flughafen und zur Stadt Zürich, vorhandene Infrastruktur) und die Vorteile von «verdichtetem Bauen», als negativer Standortfaktor gilt die hohe Fluglärmbelastung. Dazu kommt, dass mit der Annahme der kantonalen Kulturlandinitiative 2012 langfristige Bauprojekte und die Verdichtung zu einer «Glattalstadt» in Frage gestellt wurden.Rita Schlegel: In: Zürcher Oberländer. 17. Juni 2012. Martin Liebrich: . In: Zürcher Unterländer. 26. Oktober 2012 (Abschnitt Fragezeichen Kulturlandinitiative).