Die Heilig-Geist-Kirche ist eine römisch-katholische Filialkirche in der Gemeinde Althütte im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das schlichte Fertigteil-Gotteshaus im Stil der Nachkriegsmoderne ist 1967 nach Plänen des Sindelfinger Architekten Paul Nagler (1925–2018) entstanden und dem Patrozinium des Heiligen Geistes anvertraut. Die Kirche gehört zur katholischen Kirchengemeinde „Herz Jesu Ebersberg“, welche die Gemeinden Auenwald und Althütte umfasst.
Geschichte Nach der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich wurde Althütte wie ganz Alt-Württemberg 1535 evangelisch-lutherisch. Erst nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam es wieder zu einer Einwanderung römisch-katholischer Christen nach Alt-Württemberg, jedoch blieb ihre Zahl sehr gering. Zur Zeit der Deutschen Reichsgründung (1871) bekannten sich im gesamten heutigen Gemeindegebiet nur 16 Personen zum Katholizismus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und der Flucht und Vertreibung von Millionen Deutschen aus Mittel- und Osteuropa ab 1945 kamen wieder Katholiken in großer Zahl nach Althütte. Im April 1946 wurden 35 heimatvertriebene Familien von der US-Armee auf Lastwagen verladen und vor der evangelischen Kirche in Althütte abgesetzt. Dem Bürgermeister wurde befohlen, die Vertriebenen notdürftig unterzubringen. Im Juni 1946 erlaubte der evangelische Oberkirchenrat die Überlassung kirchlicher Räume für katholische Gottesdienste. Dadurch konnte die evangelische Dorfkirche als Simultankirche benutzt werden. Nach dem Bau der Herz-Jesu-Kirche in Lippoldsweiler-Ebersberg wuchs auch bei den Katholiken in Althütte der Wunsch nach einer eigenen Kirche. 1964 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Im selben Jahr erwarb die Diözese Rottenburg-Stuttgart einen Bauplatz (Uhlandstraße 15). Man entschied sich für eine hölzerne Fertigteil-Kirche des Architekten Nagler, die sich bereits an anderen Orten bewährt hatten. Im März 1967 begannen die Bauarbeiten. Am 13. Juni 1967 wurde das Richtfest gefeiert. Am 3. Dezember 1967 wurde die neue Kirche feierlich eröffnet und durch Anton Herre geweiht, der als Weihbischof den verhinderten Carl Joseph Leiprecht vertrat.
Die Baukosten beliefen sich auf 225.000 Deutsche Mark. 180.000 Mark finanzierte das Bischöfliche Ordinariat. 30.000 Mark kamen als Zuschuss vom Bonitatiuswerk zur Unterstützung der katholischen Diaspora. Der Restbetrag wurde durch eine Vielzahl von Einzelspenden gedeckt. Die bürgerliche Gemeinde übernahm die Kosten für den Dachreiter und die zwei Glocken, die 1968 eingebaut wurden.
1970 bekannten sich in Althütte 15 % der Einwohner zur Katholizismus.Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5. S. 318. mini|Innenraum 1983 wurde die Kirche renoviert.
Architektur und Ausstattung mini|Tzschöckel-Orgel von 1984 Die kleine Saalkirche mit Satteldach ist – wie die meisten der in jener Zeit entstandenen Gotteshäuser – äußerst schlicht gestaltet. Der Prototyp dieser ältesten Fertigteil-Kirche befindet sich in Reutlingen-Gönningen.
Zwanzig hölzerne Bänke bieten Platz für etwa 120 Gottesdienstbesucher. Den Altar aus Naturstein lieferte die Firma Gräf aus Freudental. In den Altar sind neben der Weihe-Urkunde Reliquien der Heiligen Felicitas und Clemens eingelassen. Diese gelten als sogenannte Katakombenheilige.
Der hölzerne Ambo wurde von Hans Menrad aus Schwäbisch Gmünd gefertigt. Der Tabernakel stammt von Hermann Stadelmaier. Auf ein Kruzifix wurde verzichtet und stattdessen ein schlichtes hölzernes Kreuz angebracht. Dieses wurde von dem Gemeindemitglied Peter Bona angefertigt. Die Kreuzweg-Stationen entstanden in der Werkstatt von Stefan Holli.
Den Beichtstuhl lieferte die Schreinerei Kling aus Ellwangen.
Orgel Da eine Orgel zunächst unerschwinglich war, wurde ein gebrauchtes Harmonium gekauft und aufgestellt. Erst 1984 wurde eine kleine Orgel von Reinhart Tzschöckel (Fautspach) für 35.340 DM erworben. Die Orgel wurde ebenfalls zum Großteil mit Spenden finanziert.
Disposition der Orgel (Quelle:)
Manual 1.Gedeckt8'2.Prinzipal4'3.Rohrflöte4'4.Hohlflöte2'5.Mixtur2-3fTremulantPedal 6.Subbass16'
Glocken In dem Dachreiter befinden sich zwei Glocken, die 1968 von der Glockengießerei Bachert (Bad Friedrichshall-Kochendorf) gegossen wurden. +Glocken der Heilig-Geist-KircheGlockeGlockengießerGussortGussjahrSchlagtonGewicht InschriftGlockenzierI.A. BachertKochendorf1968g''95 kgGepriesen sei die Heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit.–II.b''52 kgSei stets nun Deutschlands Schutzpatron erfleh' ihm Glaubenstreue.Bild des Heiligen Winfried Bonifatius
Siehe auch
Liste von römisch-katholischen Fertigteil-Kirchen in Baden-Württemberg
Literatur Regine Kuntz: Vor 40 Jahren bekamen die Althütter Katholiken ihre eigene Kirche. In: Roland Schlichenmaier (Hrsg.): Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 22. Verlag Medienwelt Schlichenmaier, Weissach im Tal 2008, ISBN 978-3-929478-44-0, S. 77–96. Ulrike Plate: Gottesdienst im Baukasten. Kirchen aus Fertigteilen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 2, 2013.
Einzelnachweise
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