Chronicles from the Siege ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2026, für den der palästinensisch-syrische Filmemacher Abdallah Alkhatib das Drehbuch schrieb und Regie führte. Der Film folgt dem Leben palästinensischer Zivilisten, die während einer Belagerung einer fiktiven Kleinstadt in einer Kriegszone feststecken. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2026 wurde der Film mit dem Preis für das beste Spielfilmdebüt ausgezeichnet.
Handlung Der Film spielt in einem durch Kriegsparteien belagerten fiktiven Flüchtlingslager im Nahen Osten. Seine Bewohner sind von der Außenwelt abgeschnitten und müssen mit Gefahr und Ungewissheit während der Belagerung überleben. Bei zunehmender Knappheit an Lebensmitteln und Versorgungsengpässen versuchen die Protagonisten, Alltagsabläufe und persönliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Ihre Geschichten kreuzen sich, während die Belagerung sich intensiviert, und zeigen unterschiedliche Strategien, mit Angst, Entbehrung und moralischen Krisen umzugehen. Dies wird anhand von fünf Geschichten gezeigt, die jeweils eine andere Art des Überlebens darstellen, mit Figuren, die auftauchen, verschwinden und wieder auftauchen. mini|Filmstab von Chronicles from the Siege mit Festivalleiterin Tricia Tuttle bei der Premiere am 15. Februar 2026
Hintergrund Alkhatib wurde 1989 im Flüchtlingslager Jarmuk bei Damaskus geboren und studierte Soziologie an der Universität Damaskus. Sein erster Dokumentarfilm Little Palestine, Diary of a Siege (2021) erzielte bereits internationale Aufmerksamkeit. Darin dokumentierte Alkhatib zwischen 2011 und 2015 vier Jahre lang das Leben der Menschen in Jarmuk während des syrischen Bürgerkriegs. Bei Kämpfen zwischen der Freien Syrischen Armee und syrischen Regierungstruppen belagerten letztere das Lager und überließen die eingeschlossene Bevölkerung ihrem Schicksal. Der Alltag war von Wasser- und Lebensmittelknappheit und fehlender medizinischer Versorgung geprägt.
Veröffentlichung Die Weltpremiere von Chronicles from the Siege fand am 15. Februar 2026 in der Kategorie Perspektiven der 76. Berlinale statt. Er wurde von den franco-algerischen Produzenten Taqiyeddine Issaad und Salah Issaad für Algerien, Frankreich und Palästina koproduziert. Der internationale Vertrieb wurde bereits vor dem Festival von der Pariser Firma Loco Films bekannt gegeben. Der Film wurde auf mehr als 50 Filmfestivals aufgeführt und erhielt unter anderem Auszeichnungen bei den Festivals Visions du Réel, dem Filmfest Hamburg, dem Internationalen Dokumentarfilmfestival von Yamagata und beim Vancouver International Film Festival.
Kontroversen In seiner Rede bei der Preisverleihung kritisierte Alkhatib die deutsche und israelische Regierung und deren Rolle im Gaza-Krieg. Unter anderem warf er der Bundesregierung vor, Partner des Völkermords in Gaza zu sein. Dies veranlasste den anwesenden Bundesumweltminister Carsten Schneider dazu, die Veranstaltung aus Protest zu verlassen. Der Vorfall sowie andere öffentliche Kontroversen zu Filmemachern, die die Zurückhaltung des Festivals gegenüber politischen Bekundungen kritisiert hatten, wurden anschließend in internationalen und deutschen Medien kommentiert. Weiterhin wurde daraufhin die Verantwortung der Festivalleiterin Tricia Tuttle in Frage gestellt.
Auszeichnung GWFF Preis für das beste Spielfilmdebüt bei der Berlinale 2026 inklusive eines Preisgelds von 50.000 €, geteilt zwischen Regisseur und Produzenten
Rezeption Kritiken beschrieben den Film als ein ungeschöntes Mosaik des Überlebens unter Belagerung, das die Nähe von Leben und Tod neben Szenen von Mut und menschlicher Zerbrechlichkeit zeigt. Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Darstellung des Alltags in Konfliktsituationen. Indem er sich auf den Alltag konzentriert, wie z. B. Nahrungsmittelknappheit, Freundschaften und kleine Akte der Solidarität, versuche der Film, eine menschliche Perspektive auf die Konflikte zu zeigen, anstatt sich auf rein militärische Handlungen zu konzentrieren. In Rezensionen wurde auch die Kontinuität zwischen dem Film und Al-Khatibs dokumentarischer Arbeit hervorgehoben, insbesondere sein Interesse an persönlichen Erzählungen und Erinnerungen an Situationen politischer Gewalt.
Anlässlich der Teilnahme des Films beim Internationalen Filmfestival in Marrakesch 2025 wurde Alkhatib mit folgenden Worten zitiert:
Diego Batlle des spanischen Filmportals otroscines.com bewertete den Film mit 3 von 5 Punkten und hob die „rohe Intensität, die durch den Einsatz vieler Handkameras erzielt wird, mit einer Intensität, Strenge und unmittelbaren Qualität, die tief bewegend sind“ hervor. Film Fest Report nannte ihn „eine ergreifende, vignettenartige Meditation über die Ausdauer und Fragmentierung des palästinensischen Lebens unter Belagerung, die durch eindringliche Darstellungen noch verstärkt wird“, schrieb aber auch, dass das Drehbuch „niemals ganz der Schwere seiner Ambitionen gerecht wird.“
Die libanesische Zeitung Al-Akhbar schrieb in ihrer arabischen Rezension: „Der Film betont, dass die Belagerung kein Ort, sondern eine existenzielle Situation ist. Dieser Übergang vom Dokumentarfilm zur Fiktion ist nicht nur ein Wechsel der Mittel, sondern ein Versuch, eine umfassendere Sprache zu finden.“ Weiter urteilte diese Besprechung:
Laut Screen International unterstreicht der Film den fortwährenden Kreislauf von Tod und Erneuerung und deutet an, dass selbst unter den härtesten Umständen noch ein Funken Hoffnung durchbrechen kann. Nach einer Reihe von dringlichen, mit der Handkamera aufgenommenen Langzeitaufnahmen endet der Film mit einer auffälligen Wendung: einem ruhigen, sorgfältig komponierten Ende, das nach all der Intensität und Unordnung, die zuvor herrschte, zu einem Moment der Besinnung einlädt.
Die Filmkritik in Variety hob die „in fesselnden langen Einstellungen gedrehten“ letzten Szenen hervor und schrieb weiter:
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Einzelnachweise
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