Sarnoff Andrei Mednick (* 27. Januar 1928 in New York City; † 10. April 2015 in Toledo) war ein US-amerikanischer Psychologe und Professor an der University of Southern California.Susan Bell: In Memoriam: Sarnoff Mednick, 87 auf USC Dornsife vom 23. April, 2015, abgerufen am 27. Februar 2026.

Leben Er wuchs als Sohn jüdischer Eltern, die aus der Ukraine in die Vereinigten Staaten eingewandert waren, in der Bronx auf. Seine Mutter war Fanny Bronstein Mednick, eine ehemalige Fabrikarbeiterin und Hausfrau, sein Vater Harry Mednick arbeitete tagsüber in einem Hut- und Mützenherstellungsbetrieb und nachts als Versicherungsvertreter. Später absolvierte er eine Ausbildung zum Fernsehtechniker.

Er selbst erwarb 1948 einen Bachelor-Abschluss am City College of New York, gefolgt von einem Master-Abschluss an der Columbia University. 1954 promovierte er zum Ph.D. in Psychologie an der Northwestern University. Seine Postdoczeit verbrachte er an der University of Chicago. Danach nahm er eine Dozentenstelle an der Harvard University an. Von dort wechselte er von 1958 bis 1959 als Gastwissenschaftler an die University of California, Berkeley. 1959 trat er der University of Michigan bei und stieg dort vom Assistenzprofessor zum Professor auf. 1968 wurde er Professor an der New School for Social Research in New York City, wo er bis 1977 lehrte. 1977 kam er zu USC Dornsife, einem College of Letters, Arts and Sciences, wo er 31 Jahre lang als Professor für Psychologie und später als Leiter des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung bis zu seiner Pensionierung im August 2008 tätig war.

Werk In Berkeley erforschte er Kreativität und führte dazu Interviews mit Mathematikern, Architekten, Autoren für Fernsehkomödien und Wissenschaftlern über ihre kreativen Prozesse durch. Diese Forschung bildete die Grundlage für den Remote Associates Test of Creativity (RAT), ein 1962 entwickeltes und weit verbreitetes Messinstrument.

Darüber hinaus ist er als Pionier in der Erforschung perinataler Risikofaktoren für Kriminalität und Schizophrenie bekannt. Er war der erste Wissenschaftler, der die genetischen Grundlagen psychischer Störungen nach der Kritik an der Genetik infolge der Eugenikära neu untersuchte. In einer prospektiven Längsschnittstudie mit Hochrisikopatienten zur Erforschung der Ursachen solcher Störungen konzentrierte er sich auf Schizophrenie, leistete aber auch bedeutende Beiträge zur Erforschung von Kreativität, Psychopathie, Alkoholismus und Suizid und wies nach, dass Kriminalität eine genetische Komponente hat. Damals lehnten Kriminologen jegliche genetische Einflüsse auf Kriminalität noch ab. Mithilfe eines Adoptionsmodells konnte er jedoch zeigen, dass zwar kein Zusammenhang zwischen strafrechtlichen Verurteilungen von Adoptiveltern und ihren Kindern bestand, wohl aber zwischen Verurteilungen leiblicher Väter und ihren Nachkommen. Er stellte u. a. fest, dass eine vorgeburtliche Exposition gegenüber Influenza sowohl Schizophrenie als auch affektive Störungen vorhersagte und dass Komplikationen bei der Geburt in Kombination mit einer frühen mütterlichen Ablehnung das Risiko für kriminelle Gewalt deutlich erhöhten.

In den 1960er und 70er Jahren begann er, Längsschnittstudien in Dänemark, einem Land mit bevölkerungsweiten Krankenakten zur psychischen Gesundheit und der Möglichkeit, Studienteilnehmer über Generationen hinweg zu verfolgen, sowie in Mauritius zu konzipieren und durchzuführen. 1962 entwickelte er das Kopenhagener Hochrisikoprojekt, das sich auf Kinder von Müttern mit Schizophrenie als Hochrisikogruppe konzentrierte. Die Studie begleitete die Teilnehmer bis zu ihrem 42. Lebensjahr und lieferte wichtige Daten über die Rolle pränataler Faktoren und struktureller Hirndefizite im Schizophrenierisiko. Eine ähnliche Methodik wurde später für die Erforschung von Depressionen und bipolaren Störungen eingesetzt, Variationen davon sind heute Standardmethoden zur Untersuchung von Autismus-Spektrum-Störungen. Er gründete in Kopenhagen das Psychologische Institut und leitete es von 1962 bis 1992. Nach dem Erfolg des Kopenhagener Hochrisikoprojekts und mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation initiierte er 1972 das Mauritius-Kindergesundheitsprojekt. Im Rahmen dieses Projekts wurden speziell konzipierte Kindergärten eingerichtet, in denen Dreijährige durch ein anregendes Umfeld und eine verbesserte Ernährung gefördert wurden. Diese Kinder wurden bis ins Erwachsenenalter begleitet, wodurch einzigartige Daten über die Rolle der Ernährung bei der Entwicklung schizotypischer Persönlichkeitsstörungen und antisozialen Verhaltens gewonnen wurden.

Ehrungen/Positionen Sarnoff A. Mednick Memorial Fund durch das Department für Psychologie der USC Dornsife zur Förderung einer Sarnoff A. Mednick Memorial Lectureship für Arbeiten zu genetischen und biologischen Grundlagen der Psychopathologie und insbesondere im Bereich Schizophrenie und/oder Kriminalität 2015: Gold Medal Award for Lifetime Achievement in the Science of Psychology der American Psychological Foundation 1996: Joseph Zubin Award der Society for Research in Psychopathology 1976: Ehrendoktor (Dr. med.) der Universität Kopenhagen Career Development Award des National Institute of Mental Health Leiber Prize for Outstanding Achievement in Schizophrenia Research der Brain and Behavior Research Foundation

Privates In erster Ehe heiratete er 1950 Martha Schuch, aus dieser Ehe stammen die Kinder Amy Mednick (Schriftstellerin) und Lisa Mednick Powell (Musikerin). 1967 verehelichte er sich mit Birgitte Reinholdt († 2008), aus dieser Ehe stammen der Sohn Thor Mednick (Kunsthistoriker und Professor) und die Tochter Sara Mednick (Professorin). Er litt an Parkinson und Demenz und wurde 87 Jahre alt.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Karl O. Christiansen: Biosocial Bases of Criminal Behaviour. John Wiley & Sons, Hoboken 2010, ISBN 978-0-470-15185-3. The Causes of Crime: New Biological Approaches. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom 2009, ISBN 978-0-521-11189-8. Psychology: Explorations in Behaviour and Experience. John Wiley & Sons, Hoboken 1975, ISBN 978-0-471-59017-0. Genetics, Environment and Psychopathology. Elsevier Science Publishing, Amsterdam 1974, ISBN 978-0-7204-9501-0. Mit Howard R. Pollio; Elizabeth F. Loftus: Learning (Foundations of Modern Psychology). Prentice-Hall, Hoboken 1973, ISBN 978-0-13-527101-8. Deutsche Ausgabe: Mit Howard R. Pollio; Elizabeth F. Loftus: Psychologie des Lernens (2. Aufl.). Juventa-Verlag, München 1977, ISBN 978-3-7799-0201-0. Ital. Ausgabe: Psicologia dell'apprendimento. Martello, Milano 1970. Mit Martha Mednick: Research in Personality. Holt, Rinehart and Winston, Austin 1963. Mit M. T. Mednick: Remote Associates Test, college and adult form. Berkeley 1959, 1962.

Herausgeberschaften Mit Adrian Raine; Patricia Brennan; David Farrington: Biosocial Bases of Violence (NATO Science Series A, Band 292). Springer, New York 2014, ISBN 978-1-4757-4650-1. Mit J. Meggin Hollister: Neural Development and Schizophrenia: Theory and Research. Springer-Verlag, New York 2012, ISBN 978-1-4613-5803-9. Mit by K.T. van Dusen; Donald W. Goodwin: Longitudinal Research in Alcoholism (Longitudinal Research in the Behavioral, Social and Medical Studies, Band 3). Springer, New York 2011, ISBN 978-94-010-8989-0. Mit Tyrone D. Cannon; Christopher E. Barr; José M. LaFosse: Developmental Neuropathology of Schizophrenia. Springer-Verlag. New York 2012, ISBN 978-0-306-44081-6. Mit Tandy Miller; Thomas H. McGlashan; Jan Libiger; Johan Olav Johannessen: Early Intervention in Psychotic Disorders: Proceedings of the Nato Advanced Research Workshop on Early Intervention in Psychiatric Disorders Prague1998 (NATO Science Series D, 91, Band 91). Springer, New York 2001, ISBN 978-0-7923-6749-9. Mit Adrian Raine; Todd Lencz: Schizotypal Personality. Cambridge University Press, Cambridge 1995, ISBN 978-1-316-98031-6. Fetal Neural Development and Adult Schizophrenia. Cambridge University Press, Cambridge 1991, ISBN 978-0-521-39158-0. Mit T. E. Moffitt: Biological Contributions to Crime Causation (NATO Science Series D, Band 40). Springer, New York 1988, ISBN 978-90-247-3655-3. Teenage and Adult Cohorts (Handbook of Longitudinal Research, vol. 2). Praeger Publishers, Westport 1984, ISBN 978-0-03-064013-1. Birth and Childhood Cohorts (Handbook of Longitudinal Research, vol. 1). Praeger Publishers, Westport 1984, ISBN 978-0-03-064012-4. Mit Katherine Teilmann van Dusen: Prospective Studies of Crime and Delinquency (Longitudinal Research in the Behavioral, Social and Medical Studies, Band 2). Springer, New York 1983, ISBN 978-0-89838-131-3. Mit F. Schulsinger; J. Knop: Longitudinal Research: Methods and Uses in Behavioral Science (Longitudinal Research in the Behavioral, Social and Medical Studies Book 1). Springer, New York 1981, ISBN 978-94-009-8147-8. Mit S. Giora Shoham: New Paths in Criminology. Rowman & Littlefield, Lanham 1979, ISBN 978-0-669-01510-2.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Pamela Rakhshan; Holger J Sørensen; Jordan E. Devylder; Vijay Mittal; Erik L. Mortensen; Niels M. Michelse; Morten Ekstrøm; Steven C. Pitts; Jason Schiffman: Childhood pegboard task predicts adult-onset psychosis-spectrum disorder among a genetic high-risk sample. In: Schizophrenia Research, 2016, 178 (1-3), S. 68–73. Mit Jason Schiffman; Emily Kline; Nicole D. Jameson; Holger J Sørensen; Shana Dodge; Thomas Tsuji; Erik Lykke Mortensen: Premorbid Multivariate Prediction of Adult Psychosis-Spectrum Disorder: A High-Risk Prospective Investigation. In: Schizophrenia Research, 2015, 168 (1), S. 74–78. Mit Susan E. Luczak; Lisa Yarnell; Carol Prescott; Adrian Raine; Peter H. Venables: Childhood Cognitive Measures as Predictors of Alcohol Use and Problems by Mid-Adulthood in a Non-Western Cohort. In: Psychology of Addictive Behaviors, 2015, 29 (2), S. 365–370. Mit Susan E. Luczak; Carol Prescott; Cyril Dalais; Adrian Raine; Peter H. Venables: Religious Factors Associated with Alcohol Involvement: Results from the Mauritian Joint Child Health Project. In: Drug and Alcohol Dependence, 2013, 135 (1), S. 37–44. Mit Melissa Peskin; Adrian Raine; Yu Gao; Peter H, Venables: A developmental increase in allostatic load from ages 3 to 11 years is associated with increased schizotypal personality at age 23 years. In: Development and Psychopathology, 2011, 23 (4), S. 1059–68. Mit Kristin Sverdvik Heiervang; Kjetil Sundet; Bjørn Rishovd Rund: The psychological well-being of Norwegian adolescents exposed in utero to radiation from the Chernobyl accident. In: Child and adolescent psychiatry and mental health, 2011, 5 (1), S. 1–8. Mit Holger J. Sørensen; Erik Lykke Mortensen; June M. Reinisch: A prospective study of smoking in young women and risk of later psychiatric hospitalization. In: Nordic Journal of Psychiatry, 2011, 65 (1), S. 3–8. Mit Holger J. Sørensen; Erik Lykke Mortensen; Jason Schiffman; June M. Reinisch; Justin Maeda: Early developmental milestones and risk of schizophrenia: A 45-year follow-up of the Copenhagen Perinatal Cohort. In: Schizophrenia Research, 2010, 118 (1-3), S. 41–47. Mednick, Sarnoff A.: Autonomic nervous system (ans) theory. In: F. T. Cullen; P. Wilcox (Hrsg.): Encyclopedia of criminological theory (Vol. 2, S. 603-606). Sage Publications, Thousand Oaks 2010, ISBN 978-1-4129-5918-6. doi:10.4135/9781412959193.n169 Mit Adrian Raine; Jianghong Liu; Peter H. Venables; C. Dalais: Cohort Profile: The Mauritius Child Health Project. In: International Journal of Epidemiology, 2009, 39 (6); S. 1441–1451. Mit Yu Gao; Adrian Raine; Peter H, Venables; Michael E. Dawson: Association of Poor Childhood Fear Conditioning and Adult Crime. In: American Journal of Psychiatry, 2009, 167 (1), S. 56–60.