mini|hochkant|Totenzettel Matthäus Keust P. Matthäus Keust OFMCap (* 18. September 1828 in Härkingen als Hans Keust; † 3. März 1898 in Altdorf) war ein Schweizer Kapuzinerpater. Er war als Seelsorger, Prediger, Beichtvater, Guardian und Vikar in verschiedenen Orten der Schweiz tätig. Keust gehört zu den frühen Fotografen der Schweiz. Seine über 400 Seiten umfassende Autobiografie wurde 1999 veröffentlicht. mini|hochkant|Kapuzinerpater Matthias Keust mit Kamera. Undatiertes Bild, ca. 1880
Leben Matthäus Keust wurde als Hans Keust 1828 geboren: Der Sohn von Jakob Keust und Ottilia von Arx. In seiner Autobiografie schildert er die Lebensumstände jener Zeit in Härkingen im Kanton Solothurn" Die Familie war arm und mehrere Kinder starben, bevor sie das Erwachsenenalter erreichten". Keust besuchte das Internat des Benediktinerklosters Mariastein. Ein Onkel hatte ihn dorthin vermittelt und auch das Schuldgeld bezahlt.P. Matthäus Keust: Kapuzinerleben. Erinnerungen eines törichten Herzens 1840–1894 (= Das volkskundliche Taschenbuch, 18). Hg. von Paul Hugger. Zürich 1999, ISBN 3-85791-307-X, S. 68.
Anschliessend absolvierte er das Noviziat im Mutterhaus der Schweizer Kapuziner im Kloster Wesemlin in Luzern. Dort erhielt er 1852 die Priesterweihe und nahm den Namen Matthäus an.P. Matthäus Keust: Kapuzinerleben. Erinnerungen eines törichten Herzens 1840–1894 (= Das volkskundliche Taschenbuch, 18). Hg. von Paul Hugger. Zürich 1999, ISBN 3-85791-307-X, S. 107. Dasnach lebte er – wie bei den Kapuzinern üblich – in verschiedenen Klöstern und Niederlassungen der Kapuziner in der Schweiz, namentlich in Schwyz, Solothurn, Mels, Chur, Freiburg, Olten, Schüpfheim, Luzern, Appenzell, Dornach, Rapperswil und Altdorf. Im Kapuzinerkloster Appenzell war er in den Jahren 1869–1872 Guardian, also Vorsteher des Klosters, ebenso in Olten ab 1876.
Die Tage des Kapuziner-Seelsorgers waren lang. Neben dem Hören der Beichte musste er in zahlreichen Kirchen und Kapellen die Messe lesen. Den Weg dorthin musste er in der Regel zu Fuss zurücklegen. Auch für die Besuche in anderen Klöstern oder beim Wechsel der Niederlassungen, was alle paar Jahre geschah, gab es keine anderen Verkehrsmittel. Matthäus Keust schildert in seinen Lebenserinnerungen immer wieder die anstrengenden Wanderungen, die Teil seines Alltags waren. So etwa in seiner Zeit in Appenzell:
Zu den Höhepunkten seines Lebens gehörte eine Reise nach Rom im Jahr 1868. Dafür nutzte er den Zug über Genf und Lyon bis Genua und danach eine Schiffsverbindung nach Civitavecchia. Seine Eindrücke beschrieb er in seinen Lebenserinnerungen:
mini|Matthäus Keust war einer der ersten Fotografen der Schweiz. Seine Kunst faszinierte auch die Mitbrüder. Hier mit einem Vergösserungskasten, einer Art Episkop
Kulturkampf in Olten Matthäus Keust kam im Jahr 1876 zum zweiten Mal nach Olten, wo der Kulturkampf besonders heftig tobte. Die konfessionelle Auseinandersetzung hatte sich an der Unfehlbarkeitserklärung des Papstes im Jahr 1870 entzündet. Bei der Abspaltung der Neukatholiken respektive Christkatholiken spielte Olten eine wichtige Rolle.Martin Eduard Fischer: Der Kulturkampf in Olten : Wegbereiter und Akteure. In: Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Band 86 (2013), S. 109–154. Die Kapuziner waren davon besonders betroffen:
Fotograf Keust wurde 1858 durch seinen Freund Adrian Kümmerlin in die Fotografie eingeführt. In seinen Lebenserinnerungen beschreibt er dies so:
Keust lernte die Fotografie autodidaktisch und bildete sich auch autodidaktisch weiter.
Als Sujets bevorzugte Matthäus Keust Kapuzinerklöster und die Patres, Dorfansichten und Porträts der Bevölkerung. Erhalten ist ein Album mit 68 grossformatigen Fotos unter anderem vom Kloster, von Altdorf und dessen Bewohnern.
mini|Autobiographie von 1891. S. 2 u. 3.
Nachlass Der Nachlass von P. Matthäus Keust befindet sich heute im Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner im Kloster Wesemlin.Provinzarchiv der Schweizer Kapuziner Luzern. Bibliothek / Archiv im Klostern Luzern Dort liegt auch das Manuskript seiner Autobiografie aus dem Jahre 1891, die der Zürcher Volkskundler Paul Hugger unter dem Titel "Ein Kapuzinerleben. Bekenntnisse eines törichten Herzens" als Band 18 der Reihe Das volkskundliche Taschenbuch 1999 herausgegeben hat. Einige seiner Fotoapparate kamen 1995 als Schenkung an das Historische Museum Olten.Hans Brunner: Historisches Museum Olten. In: Jurablätter : Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde. Band 57 (1995). Heft 4. S. 62.
Literatur Martin Eduard Fischer: Der Kulturkampf in Olten : Wegbereiter und Akteure. In: Jahrbuch für Solothurnische Geschichte. Band 86 (2013). S. 109–154. Online P. Matthäus Keust: Kapuzinerleben. Erinnerungen eines törichten Herzens 1840–1894 (= Das volkskundliche Taschenbuch, 18). Hg. von Paul Hugger. Zürich 1999, ISBN 3-85791-307-X. Paul Hugger: Ein Schweizer Kapuziner als Pionier der Fotografie oder die Versuchung einer neuen Muse. In: ders.: Der schöne Augenblick. Schweizer Photographen des Alltags. Zürich 1989, ISBN 3-907495-05-5, S. 46–94. Paul Hugger: Lust und Last. Der Schweizer Fotopionier Matthäus Keust (1828–1898). In: Fotogeschichte. Heft. 90, Jg. 23 (2003), S. 3–10, . Josef Küng: 425 Jahre Kapuziner in Appenzell (1586-2011). In: Appenzeller Jahrbücher. Band 138 (2011), S. 82-96. Online
Film und Video Friedrich Kappeler: Der schöne Augenblick. 1986. Nach einer Idee von Hans-Ulrich Schlumpf. Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde. Kurzangaben zum Film
Weblinks
Schweizer Kapuzinerprovinz und Provinzarchiv
Einzelnachweise
Kategorie:Kapuziner Kategorie:Römisch-katholischer Geistlicher (19. Jahrhundert) Kategorie:Fotograf (Schweiz) Kategorie:Fotograf (19. Jahrhundert) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1828 Kategorie:Gestorben 1898 Kategorie:Mann