Eva ist in ihrer Katze (Originaltitel: Eva está dentro de su gato) ist eine erstmals 1948 in El EspectadorGabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (=KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 159. veröffentlichte Kurzgeschichte des späteren kolumbianischen Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez und eine Episode in seinem Erzählband Ojos de perro azul.

Kurzbeschreibung Die Protagonistin Eva leidet an Schlaflosigkeit und unter dem Verlust eines Kindes. Neben der Trauer empfindet Eva ihre außergewöhnliche Schönheit als belastend. In Evas Vorstellung sind winzige, in ihren Arterien hausende Insekten für diese Schönheit verantwortlich. Eines Nachts verlagert sich dieses Insektengefühl plötzlich aus ihren Arterien in ihren Mund, wo es sich wie Gummi anfühlt, das Eva mit der Säure einer Orange auflösen möchte. Als Eva aufstehen will, bemerkt sie, dass ihr Körper verschwunden ist und sie ein neues, unräumliches Dasein führt. Eva erwägt, den Körper einer im Hause befindlichen Katze zu besetzen. Ihr Nachdenken braucht 3000 Jahre, und Katze und Haus existieren daher am Ende nicht mehr.

Inhalt Die Hauptfigur, die in der Überschrift der Kurzgeschichte Eva heißt, leidet an Schlaflosigkeit und unter dem Verlust eines Kindes, das im Innenhof des Hauses unter einem Orangenbaum bestattet liegt; „immer und unweigerlich, wenn sie schlaflos lag, dachte sie an ‚das Kind‘, das sie sicherlich aus seinem Stückchen Erde rief, damit sie ihm dabei half, diesem ungereimten Tod zu entkommen“, und das aus Evas Sicht wiederkehren wird, „damit man es an ihrer Seite schlafen ließe wie zu der Zeit, als es am Leben war. Sie hatte Angst davor, es von neuem neben sich zu spüren, nachdem es die Mauer des Todes übersprungen hatte.“ Außer an Schlaflosigkeit und am Tod des Kindes, der „soviele Jahre“ schon her ist, leidet Eva noch unter ihrer außerordentlichen Schönheit, die sie als „nutzlose Tugend“ ansieht. „Das war schon keine Schönheit mehr, es war eine Krankheit, der es Einhalt zu gebieten, die es energisch und radikal zu kupieren galt“, denn Eva kann „diese Last unmöglich noch länger tragen. [...] Sie war es müde, Mittelpunkt so vieler Aufmerksamkeiten zu sein, von den aufgerissenen Augen der Männer belagert zu leben.“

In Evas Vorstellungswelt sind es Insekten, die ihre Schönheit bewirken. „Nein, diese Insekten waren nicht die ihren. Sie überlieferten sich von Generation zu Generation“ und bevölkern Evas „Arterien mit winzigen heißen“ Insektenleibern, „die dort in den Kanälen ihren Bluts sie noch immer peinigten und unbarmherzig verschönten.“ Unerwartet weicht das Insekten-Gefühl eines Nachts aus den Arterien, und Eva ist überzeugt, die Insekten wären nun in dem zähen Speichel in ihrem Mund, eine Art „Gummi, das sie erstickte“ und das sie durch die Säure einer Orange aufzulösen gedenkt: Das „war die einzige Medizin gegen dieses Gummi“. Als sie von ihrem Bett aufzustehen versucht, um in die Speisekammer zu gehen, stellt sie fest, „daß sie nicht mehr in ihrem Bett lag, daß ihr Körper verschwunden war [...]. Jetzt war sie körperlos, schwebend, sie schwamm über einem vollständigen Nichts, verwandelt in einen formlosen, winzigkleinen, richtungslosen Punkt. [...] Sie fühlte sich in eine körperlose Frau verwandelt“ mit einem „neuen zeitlichen, unräumlichen Leben“ in einer Welt, „in der alle Größenverhältnisse ausgemerzt waren“. Das Verlangen nach der Orange verspürt Eva allerdings weiterhin. „Hatte sie nicht sagen hören, daß die reinen Geister nach Belieben jeden beliebigen Körper durchdringen können?“ Es ist allerdings „niemand im Haus“ außer der Katze, und Eva sinniert, ob es ratsam ist, den Katzenkörper zu durchdringen. „Schließlich würde sie vielleicht mit diesem fleischfressenden Katzenmaul nicht die Orange essen können.“ Nachdem Eva mit dem Nachdenken fertig ist, macht sie sich auf die Suche nach der Katze, findet das einstige Herrenhaus jedoch nicht mehr vor. „Erst jetzt begriff sie, daß seit dem Tag, da sie das Verlangen verspürt hatte, die erste Orange zu essen, dreitausend Jahre vergangen waren.“

Textanalyse Bei Eva ist in ihrer Katze handelt es sich um eine personal erzählte Kurzgeschichte mit ungenannter Berichtszeit und Verortung. In Evas Vorstellungswelt treten noch ihre Mutter sowie „das Kind“ auf. Die Hauptfigur wird als außerordentlich schön bezeichnet und ist am Ende „befreit von den ‚Insekten ihrer Schönheit‘, von ihren Ängsten und ihrer Schlaflosigkeit“.„liberarse de los ‚insectos de su belleza‘, de sus miedos y su insomnio“ – Paola Cadena Pardo: Ojos de perro Azul. La muerte como mecanismo de lo poético a partir de la repetición deleuzina. In: Hipertexto, Jg. 20, Verano, 2014, , S. 64–75. Hier S. 66. (pdf). Weitere Themen der Erzählung sind „seltsame Verhaltensweisen des Körpers“,„focused on strange behaviors of the body“ – Mariajosé Rodríguez-Pliego: García Márquez’s early short stories. In: Mariajosé Rodríguez-Pliego: Reading Faulkner south of the South. The Latin American boom’s roots and legacy. Wellesley College, Wellesley MA 2016. S. 32–45. Hier S. 40. (pdf). der Tod„la presencia de la muerte (y el miedo a ella)“ – El Estante Literario: Reseña: Eva está dentro de su gato – Gabriel García Márquez. In: elestanteliterario.com. Abgerufen am 26. Februar 2026. sowie Evas Wunsch, „einen Fluch zu beenden, den sie seit Jahrtausenden, ‚seit Anbeginn der Welt‘ [...], geerbt“ hat.„para acabar con una maldición que han heredado durante miles de años, ‘desde el principio del mundo’“ – El Estante Literario, Reseña: Eva está dentro de su gato – Gabriel García Márquez.

Rezeption Die Kurzgeschichte Eva ist in ihrer Katze brachte García Márquez die Wertschätzung von Eduardo Zalamea Borda (1907–1963) ein, „dem führenden Buchkritiker des Landes“.„earned him the esteem of […] Eduardo Zalamea Borda, […] the nation’s leading book critic“ – Gene H. Bell-Villada: Gabriel Garciá Márquez. Life and times. In: Philip Swanson (Hrsg.): The Cambridge companion to Gabriel Garciá Márquez. Cambridge University Press, Cambridge 2010. ISBN 978-0-521-86749-8. S. 7–24. Hier S. 10. Samrah Tayyab von der University of Education in Lahore befand, Márquez halte den Leser zwar „im Spannungsfeld zwischen Realität und Traum, [...] die Leser genießen dennoch seine Charakterbeschreibungen, die eine Grauzone zwischen realer und phantasmagorischer Welt schaffen.“„His narration keeps us in between reality and dream but still readers enjoy his description of characters which create a gray line between substantive and phantasmagoric world“ – Samrah Tayyab: Phantasmagoric sagas of substantial efflorescence of Gabriel Garcia Marquez’ short stories. In: Journal of Education and Human Development, Jg. 6, Nr. 1, 2017, , S. 154–156. Hier S. 156. (pdf). Das Literaturportal El Estante Literario sah dagegen „eine unausgewogene Erzählung, überlang und voller unnötiger Details“.„una narración desequilibrada, excesiva en extensión y en detalles innecesarios“ – El Estante Literario, Reseña: Eva está dentro de su gato – Gabriel García Márquez.

Literatur Hassan El Baz Iguider: Eva está dentro de su gato. In: Hassan El Baz Iguider: Realidad y ficción en „Vivir para contarla“, memorias de Gabriel García Márquez. (Tesis Doctoral.) Universidad de Málaga, Málaga 2015. S. 383–386. (pdf). Werner Müller: Eva ist in ihrer Katze. In: Werner Müller: Lateinamerikanischer Zauber – Europäische Sachlichkeit? Eine kritische Auseinandersetzung mit der Kurzprosa von Robert Musil, Franz Kafka, Heimito von Doderer – Jorge Luis Borges, Alejo Carpentier und Gabriel García Márquez. Rombach Druck- und Verlagshaus, Freiburg im Breisgau 2011. ISBN 978-3-7930-5059-9. S. 339–342. Raysa Barbosa Corrêa Lima Pacheco: „Eva está dentro de su Gato“ de Gabriel García Márquez. A aproximação entre homem e animal através de um caleidoscópio interpretativo. In: Revista Estação Literária. Jg. 17, Juli, 2016, , S. 235–250. (pdf).

Deutschsprachige Textausgaben (Auswahl) Eva ist in ihrer Katze. In: Gabriel García Márquez: Die Erzählungen. Aus dem kolumbianischen Spanisch von Curt Meyer-Clason. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1990. ISBN 3-462-02054-4. S. 30–42. Eva ist in ihrer Katze. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (=KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 40–59.

Weblinks Volltext des Einzelwerks, originalsprachig Volltext des übergeordneten Werks Ojos de perro azul, deutschsprachig

Einzelnachweise Gabriel García Márquez: Eva ist in ihrer Katze. In: Gabriel García Márquez: Augen eines blauen Hundes. Frühe Erzählungen. (=KiWi, Band 26.) Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982. ISBN 3-462-01554-0. S. 40–59.

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