mini|Marktstraße 3 Das Haus Marktstraße 3 ist ein denkmalgeschütztes Wohn- und Geschäftshaus in der Weimarer Altstadt.

Geschichte Das dreigeschossige Gebäude ist traufständig in die Hauszeile der Marktstraße eingebunden. Durch seine Größe und durch sein steiles Satteldach ist es in diesem Bereich mehr als präsent. Ursprünglich waren es zwei von einander getrennte Häuser gewesen, die 1833 zu einem vereinigt wurden. Seine Straßenfassade ist zweifach abgeknickt. Zum Vorderhaus gehört eine Hofanlage mit zwei Seitenflügeln auf einer verwinkelten, unregelmäßigen Parzelle. Wichtig außer dem Vorderhaus ist der östliche Seitenflügel. Der östliche achtachsige östliche Teil des Vorderhauses ist der älteste Teil des Gebäudes, der laut dendrochronologischer Untersuchung des Dachwerks auf das Jahr 1516/17 zu datieren ist. Damit gehört das Gebäude zu den ältesten erhaltenen Wohnbauten Weimars. Der Keller ist eine Bruchsteintonne, der wie Teile des Mauerwerks laut dem Kunsthistoriker Rainer Müller vielleicht von einem mittelalterlichen Vorgängerbau stammt. So zu einem solchen Vorgängerbau gibt es keine gesicherten Nachweise. Das Erdgeschoss ist aus Stein gemauert, in welchem 1913 ein Laden eingebaut wurde. Der wiederum hatte mehrere Veränderungen erfahren. Die darüberliegenden Geschosse sind aus Holzfachwerk. Das erwähnte markante Satteldach kam 1867 in seine bestehende Form mit dreiachsigem Zwerchhaus mit Giebel und zwei kleineren Dachgauben. Die Fachwerkkonstruktion besteht aus Kopfbändern, die in den Obergeschossen die Wandstiele mit den decken- bzw. Binderbalken versteifen. Das Dachwerk ist ein Kehlbalkendach mit nordseitig 15 Gespärren und doppeltliegendem Stuhl. Die vorhandene Ausstattung geht auf spätere Umbauten zurück. Aus der Barockzeit blieb u. a. eine Stuckdecke im ersten Obergeschoss erhalten. Im Erdgeschoss wurden Reste einer Schwarzen Küche nachgewiesen. Der westliche Gebäudeteil wurde 1717 als „Häuslein in der Breitengasse“ bezeichnet. Breitengasse war die einstige Bezeichnung für die Marktstraße, die 1876 so benannt wurde.Rainer Wagner, Gitta Günther: Weimar – Straßennamen, Rhino-Verlag, Ilmenau 2012, 99. ISBN 978-3-939399-49-0 Als Eigentümer von Marktstraße 3 findet sich ein Kaufmann namens Johann August Kloß, der das Anwesen 1833 erworben hatte. (Von Kloß ist ein Werk mit theologischem Inhalt überliefert.Johann August Kloß: Gott und die Erde, Geist, Religion und die Offenbarung des Johannis. Nach den Ansichten, der Ueberzeugung und schlichten Darstellungsweise eines Laien, des Kaufmanns Joh . Aug. Kloß , Verlag T.F.A. Kühn, Weimar 1855. Auf dem Titelblatt bekannte sich der Kaufmann als Laie.) Er brachte das Haupthaus auf die bestehende Höhe. Das Weimarer Adressbuch von 1851 (sicherlich auch früher) nennt einen Kaufmann Johann August Kloß in der Breitengasse als Materialist, was wohl Materialwarenhändler meint.Weimarer Adressbuch 1851, S. 14. Zu seiner Zeit wurden zudem die Durchfahrt im Erdgeschoss geschlossen und das Innere weitgehend erneuert. Zu erwähnen ist ein 1737 bezeugter Seitenflügel, der etwas mittig an den Kernbau ansetzt. Dessen Erdgeschoss ist aus Bruchstein mit kleinen Fenstern in scharrierten Steingewänden und ist mit einem Tonnengewölbe aus Ziegeln eingewölbt. Die Stockwerke darüber sind aus Fachwerk.Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar. Band 4.1.: Altstadt. E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 448 f. Das Weimarer Adressbuch von 1882 nennt als Eigentümer des Hauses den Materialwarenhändler Zinkeisen.Weimarer Adressbuch 1882, Abt. IV, S. 105. Um 1908 gibt es eine Aufnahme der Hausfassade mit Werbung der Drogerie Fa. J.F. Martini und der Möbelhandlung Fa. Franz Poser.Marktstraße 3 um 1908 auf fotoarchiv.weimar.de Bei der Firma J.F. Martini handelte es sich um eine alte Drogerie. Die von Karl Gottlieb Martini 1770 gegründete und von dessen Sohn (auf den sich die Firmenbezeichnung bezieht) weitergeführte Drogerie existierte bis 1993. Diese belieferte auch den Weimarer Hof. Auch Goethe zählte zu ihren Kunden.Art. Geschäftsleben, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 146–152. Hier S. 147.Hannelore Henze, Ilse-Sibylle Stapff: Streifzüge durch das alte Weimar. Weimar 2004, S. 70 f. ISBN 3-86160-156-7 Die Sanierung des Gebäudes erfolgte in den 1990er Jahren.

Weblinks Marktstraße 3 um 1908 auf fotoarchiv.weimar.de

Einzelnachweise

Kategorie:Wohngebäude in Weimar Kategorie:Kulturdenkmal in Weimar