Popolo e Libertà (PeL) war eine italienischsprachige Schweizer Zeitung der Tessiner Sektion der Partei Die Mitte (ehemals CVP). Zwischen 1901 und 1992 erschien sie als Tages- und zwischen 1992 und 2017 als Wochenzeitung. Seither erscheint unter diesem Namen noch sechsmal jährlich eine illustrierte Zeitschrift.
Geschichte mini|Giuseppe Cattori in der Redaktion der PeL, Bronzerelief von Fiorenzo Abbondio auf dem Cattori-Denkmal in Muralto Im Nachgang des Tessiner Putsches von 1890 gingen die Katholisch-Konservativen ihrer Dominanz im Kanton Tessin verlustig und spalteten sich 1896 in einen gemässigten und einen unnachgiebigen Flügel mit jeweils eigenen Tageszeitungen (La Voce del Popolo und La Libertà). Anlässlich der Wiedervereinigung der Partei 1901 fusionierten diese zur Zeitung Popolo e Libertà, die fortan als offizielles Parteiorgan fungierte und mit vereinten Kräften den publizistischen Kampf gegen die liberalradikale Regierung aufnahm. Prägende Figuren der ersten beiden Jahrzehnte ihres Bestehens waren Eligio Pometta und Giuseppe Cattori. Direktion und Verwaltung befanden sich bis Ende 1906 an der Via delle Palme in Locarno.Popolo e Libertà. 2. Januar 1901. S. 1. Ab 1907 erschien die Zeitung aus Lugano,Popolo e Libertà. 2. Januar 1907, S. 1 (online). ehe sie auf den 1. Dezember 1917 dauerhaft nach Bellinzona umsiedelte.Popolo e Libertà. 1. Dezember 1917, S. 1 (online). Von 1916 bis 1921 schrieb der spätere Bundesrat Enrico Celio für das Blatt und stand ihm ab 1918 als Chefredaktor vor.
In der Zwischenkriegszeit wurde die Zeitung vom Geistlichen Francesco Alberti geleitet, der von 1921 bis 1928 und abermals von 1935 bis zu seinem Tod 1939 als Chefredaktor amtete und von 1928 bis 1935 das Auslandressort verantwortete. Alberti tat sich auf der Grundlage christlich-demokratischer, pazifistischer Werte durch eine unnachgiebige, kompromisslose Haltung gegen den aufkommenden Totalitarismus und insbesondere den italienischen Faschismus hervor, was ihm auch in der eigenen Partei Kritik einbrachte. Während eines Aufenthalts in Lausanne 1933 trat der italienische Flüchtling Luigi Sturzo mit Alberti in Kontakt und schrieb fortan regelmässig antifaschistische Artikel für die Popolo e Libertà. Der um freundschaftliche Beziehungen zu den Nachbarländern bemühte Bundesrat Giuseppe Motta hielt diese Veröffentlichungen für einen «Fehler» und rügte den Redaktor dafür.
Während des Zweiten Weltkriegs erreichte die Popolo e Libertà eine Auflage von bis zu 9000 Exemplaren. Ab 1970 trug sie im Untertitel den neuen Namen der Partei Partito popolare democratico, der Tessiner Variante der CVP.
Wie auch andere Zeitungen, zum Beispiel die Gazzetta Ticinese, geriet die Popolo e Libertà Ende der 1980er Jahre in finanzielle Schwierigkeiten und konnte ab 1992 nur noch einmal wöchentlich erscheinen. Ab 2002 verzichtete sie auf eine Nennung der Partei im Untertitel. 2017 wurde sie als Zeitung eingestellt. Unter dem Namen Popolo e Libertà erscheint seither sechsmal jährlich eine illustrierte Zeitschrift, in der kantonale und eidgenössische Repräsentanten der Partei Die Mitte (italienisch Il Centro) zu Wort kommen.
Chefredaktoren Eligio Pometta (1901–?) Giuseppe Cattori (?–1918) Enrico Celio (1918–1921) Francesco Alberti (1921–1928, 1935–1939) Giuseppe Lepori (1928–1935) Cherubino Darani (1949–1959) Romano Broggini (1959–1965) Alberto Lepori (1965–1968) Attilio Grandi Luigi Pedrazzini (1977–1983) Saverio Snider (1983–1989) Matteo Oleggini (1989–1991) Michele Ferrario Giorgio Zappa Gianmaria Pusterla Domenico Barletta (2014–2016) Fiorenzo Dadò
Untertitel 1901–1913: Giornale del Partito Conservatore Ticinese (Zeitung der Tessiner Konservativen Partei) 1913–1958: Giornale del Partito Conservatore-Democratico Ticinese (Zeitung der Tessiner Konservativ-Demokratischen Partei) 1958–1970: Quotidiano del Partito conservatore democratico ticinese (Tageszeitung der Tessiner Konservativ-Demokratischen Partei) 1970–1972: Quotidiano ticinese del Partito popolare democratico (Tessiner Tageszeitung der CVP) 1972–1992: Quotidiano del Partito popolare democratico ticinese (Tageszeitung der Tessiner CVP) 1992–2002: Settimanale del Partito popolare democratico (ticinese/Ticino) (Wochenzeitung der (Tessiner) CVP) 2002–2017: Settimanale popolare democratico (Demokratische Volks-Wochenzeitung) 2017–: Periodico illustrato di attualità e politica (Illustrierte Zeitschrift für Zeitgeschehen und Politik)
Weblinks Popolo e Libertà auf der Website der Tessiner Die Mitte Zeitungsarchiv des Sistema bibliotecario ticinese Popolo e Libertà. In: Le vite dei giusti: Francesco Alberti
Einzelnachweise
Kategorie:Zeitung (Schweiz)