Robert Friedmann (geboren 9. Juni 1891 in Wien, Österreich-Ungarn; gestorben 28. Juli 1970 in Kalamazoo) war ein austroamerikanischer Religionshistoriker.

Leben Robert Friedmann hatte nicht praktizierende jüdische Eltern. Er studierte Ingenieurwesen mit einem Diplomabschluss an der Technischen Hochschule Wien. Er wurde 1914 Soldat im Ersten Weltkrieg im Rang eines Leutnants und studierte nach Kriegsende Geschichte und Philosophie an der Universität Wien. 1923 wurde er vom Verein für Reformationsgeschichte beauftragt, eine kritische Edition der Briefe der Hutterer herauszugeben. Friedmann wurde 1924 mit der Dissertation Das Harmonieprinzip in der Metaphysik, ein problemgeschichtlicher Versuch, dargestellt an Haupttypen promoviert. Er machte 1925 das Staatsexamen und unterrichtete danach an verschiedenen Wiener Gymnasien.

Während seiner Studienzeit wurde er von Rudolf Wolkan in das Täufertum eingeführt. 1934 wurde er selbst getauft, galt aber aus Sicht der Nationalsozialisten weiterhin als Jude. Bei den Novemberpogromen 1938 wurde er für zwölf Tage inhaftiert. Er floh anschließend nach England und gelangte 1939 in die USA.

Friedmann wurde 1940 Honorary Fellow an der Yale Divinity School (YDS) der Yale University in New Haven (Connecticut) und danach Visiting Lecturer und Research Fellow für Täuferstudien am Goshen College in Goshen (Indiana) (1940–1943). Er wurde Mitglied der Eighth Street Mennonite Church. Friedmann wurde 1945 Professor für Geschichte und Philosophie an der Western Michigan University in Kalamazoo und wurde 1961 emeritiert. Er schrieb mehr als zweihundert Artikel für die Mennonite Encyclopedia (1947–1959) und war sachlich für die österreichisch-ungarischen Territorien und die Hutterischen Brüder verantwortlich.

Schriften (Auswahl) Tolstoi. München: Müller, 1929 „Von einem wahrhaften Ritter Christi“ : ein bisher unbekannter Traktat aus dem Kreise der Philippischen Brüder zu Mähren. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte, 51 (1932), 3/4, S. 524–535 Mennonite Piety through the Centuries, its Genius and Literature. Goshen: The Mennonite Historical Society, 1949 Harold S. Bender (Hrsg.): Hutterite Studies: Essays by Robert Friedmann. Goshen, 1961 Adolf Mais, Robert Friedmann: Die Schriften der Huterischen Täufergemeinschaften, Gesamtkatalog ihrer Manuskriptbücher, ihrer Schreiber und ihrer Literatur. Wien: Böhlau, 1965 (Hrsg.): Glaubenszeugnisse oberdeutscher Taufgesinnter, II. Mit Benutzung der von Lydia Müller gesammelten Texte. Gütersloh, 1967 The Theology of Anabaptism. Scottdale: Herald, 1973

Literatur Robert Friedmann Memorial Issue, Mennonite Quarterly Review 48, no. 2, April 1974 (mit Bibliographie) Leonard Gross: Recasting the Anabaptist Vision: the Longer View, in: Mennonite Quarterly Review 60, 1986, S. 352–363 Robert Friedmann, in: Catherine Epstein: A past renewed: a catalog of German-speaking refugee historians in the United States after 1933. Cambridge: Cambridge University Press, 1993, ISBN 0-521-44063-7, S. 78 f.

Weblinks

Leonard Gross: Friedmann, Robert, bei MennLex

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