mini|Nordseite Die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit ist eine römisch-katholische Pfarrkirche unter dem Patrozinium der Heiligen Dreifaltigkeit in der baden-württembergischen Gemeinde Weissach im Tal. Die Kirche befindet sich im Wohngebiet Sandberg im Ortsteil Unterweissach. Sie entstand zwischen 1964 und 1966 im Stile des Brutalismus nach Plänen des Architekten Wilhelm Frank. Die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit ist die Hauptkirche der gleichnamigen Kirchengemeinde, welche die Gemeinden Weissach im Tal und Allmersbach im Tal umfasst.

Geschichte Mit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich wurde Unterweissach wie ganz Alt-Württemberg evangelisch-lutherisch. Erst im Zuge der Säkularisierung geistlicher Gebiete nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam es wieder zu einem Zuzug römisch-katholischer Christen nach Weissach im Tal, jedoch blieb ihre Zahl gering. Nach der Deutschen Reichsgründung 1871 wohnten im gesamten heutigen Gemeindegebiet nur sieben Katholiken. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte sich dies jedoch schlagartig ändern. Im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa ab 1945 kamen hunderte Katholiken nach Unterweissach. Viele waren Ungarndeutsche, aber auch Deutschböhmen, Deutschmährer und Schlesier, die nun lange Wege bis zur Johanneskirche in Backnang oder zur Schlosskapelle von Burg Ebersberg zurücklegen mussten. Die evangelische Kirchengemeinde unter Pfarrer Johannes Wieder beschloss daher 1952, ihre St.-Agatha-Kirche für katholische Gottesdienste zu öffnen. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche blieb bei vielen Katholiken jedoch bestehen. 1963 konnte ein Grundstück auf dem Sandberg erworben werden. Am 19. November 1964 erfolgte der erste Spatenstich. Weiterhin wurde 1965 ein katholischer Kirchenbauverein gegründet. Am 27. März 1966 konnte die neue Kirche von dem Weihbischof Wilhelm Sedlmeier geweiht werden. Zu dieser Zeit lebten in Unterweissach 795 Katholiken; in Cottenweiler waren es knapp 100. 1972 wurde Unterweissach zusammen mit Allmersbach im Tal, Heutensbach und Cottenweiler eine eigenständige Pfarrkuratie; 1977 wurde die Kuratie zu einer Pfarrei erhoben.

Pfarrer Liste der Pfarrer (unvollständig; Amtszeiten teilweise unklar): 1971–?: Kurat Kretschmann († 1983) 1977–1982: Pfr. Georg Gärtner 1982–2015: Pfr. Wolfgang Kraus (†) seit 2015: Pfr. Thomas Müller

Architektur Die moderne Saalkirche ist nicht nach Osten, sondern nach Norden ausgerichtet. Sie ist eine von 26 kleinen Kirchen, die nach Plänen des Herrenberger Architekten Wilhelm Frank aus vorgefertigten Betonplatten zwischen 1964 und 1975 gebaut wurden. Der Prototyp wurde in Dußlingen (St. Paulus) errichtet. Das Bischöfliche Ordinariat erhielt die Rechte an den Plänen; Frank erhielt eine Pauschalsumme pro Kirche. Der Entwurf war so überzeugend, dass sich schon kurz darauf das Militärbischofsamt Bonn und das Erzbistum Freiburg (Heilige Familie in Lörrach-Stetten) für die Fertigteilkirchen vom Typ Frank interessierten.Plate, S. 78. Die letzte Kirche dieses Typs entstand 1975 in Ellwangen (Heilig-Geist-Kirche). Charakteristisch für den Entwurf ist das tief heruntergezogene Dach; die Giebelwände sind mit Waschbetonplatten verkleidet. Dem schlichten Eingang ist eine offene Vordachkonstruktion vorgestellt. Die Wand hinter dem Altar besteht aus unverputzten Ziegelsteinen. Die Decke ist holzvertäfelt; der Fußboden besteht aus Solnhofener Plattenkalk. Manche Fertigteilkirchen von Frank verfügen über einen Kirchturm; in Unterweissach wurde darauf verzichtet.

Ausstattung Der Altar und der Ambo sind aus Kalkstein gefertigt. Ein Buntglasfenster rechts vom Altar wurde von Gregor Bomm (1929–2008) geschaffen. Es zeigt die alttestamentarische Geschichte des Propheten Jona. Der Kreuzweg mit seinen 17 Stationen entstand 1991 in Leichtmetallguss in der Werkstatt des Ludwigsburger Künstlers Karl Hirt (1925–2019).

Orgel Die 1982 fertiggestellte Orgel mit 18 Registern wurde von Reinhart Tzschöckel (Fautspach) gebaut.

Disposition der Orgel: Hauptwerk 1.Prinzipal8'2.Rohrgedeckt8'3.Oktave4'4.Nasard2 2/3'5.Hohlflöte2'6.Terz1 3/5'7.Mixtur4f.8.Trompete8'TremulantBrustwerk 9.Gedeckt8'10.Salizional8'11.Rohrflöte4'12.Prinzipal2'13.Quinte1 1/3'14.Oktävlein1'TremulantPedal 15.Subbass16'16.Offenbass8'17.Oktave4'18.Trompete8' Koppeln: II/I; II/Ped; I/Ped

Siehe auch

Liste von römisch-katholischen Fertigteil-Kirchen in Baden-Württemberg

Literatur

Pfarrer Wolfgang Kraus: Die katholische Kirchengemeinde Weissach im Tal. In: Die Weissach-Chronik. Weissach im Tal, 2006, ISBN 3-929478-39-0, S. 489–495. Ulrike Plate: Gottesdienst im Baukasten. Kirchen aus Fertigteilen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 2, 2013.

Einzelnachweise

Weblinks

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