Die Grenzland-Kaserne ist eine Truppenunterkunft der Bundeswehr in der bayerischen Stadt Oberviechtach. Sie wurde ab 1959 erbaut und 1961 fertiggestellt. Sie erhielt 1964 ihren heutigen Namen, benannt nach dem oberpfälzischen Grenzland, das sich auf das an der Grenze zu Tschechien gelegene Gebiet mit dem Oberpfälzer Wald bezieht. Sie beherbergt seit ihrem Bezug hauptsächlich Panzergrenadiertruppen.
Geschichte Mit der Gründung und dem Aufbau der Bundeswehr ab 1955 benötigte das Bundesverteidigungsministerium Truppenunterkünfte. Dabei wurden sowohl vorhandene militärische Anlagen der Wehrmacht wieder in Nutzung genommen als auch Standorte für neue Kasernen gesucht. Am 28. Juni 1956 befasste sich der Stadtrat von Oberviechtach erstmals mit der Errichtung einer Garnison und richtete ein entsprechendes Gesuch an die Bayerische Staatskanzlei. Insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen unterstützte am 2. Oktober 1956 der Kreistag des damaligen Landkreises Oberviechtach dieses Vorhaben. Zunächst wurde eine Fläche südöstlich der Stadt für den Bau vorgeschlagen. Bereits am 10. Oktober 1956 begutachtete eine Bezirksplanungskommission das vorgesehene Areal. Im Ergebnis wurde dieser Bereich jedoch als nicht geeignet eingestuft. Die Suche nach einem Kasernengelände wurde fortgesetzt und der heutige Standort nordöstlich der Stadt schließlich vorgeschlagen. Am 12. September 1957 fiel die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums zugunsten des Standortes Oberviechtach. Der Grunderwerb begann. Noch am 11. September 1958 waren die Planungen zur Errichtung der Kasernenanlage nicht abgeschlossen. Zudem regte sich in der Stadt Oberviechtach gegen das Projekt Widerstand. Hauptsächlich bestanden Sorgen wegen der Inanspruchnahme landwirtschaftlicher Nutzflächen. Nach mehreren Protestveranstaltungen fand am 5. Dezember 1958 eine Bürgerversammlung statt. Der damalige Bürgermeister von Oberviechtach hielt allerdings an den Plänen zur Stationierung der Bundeswehr fest. Das Finanzbauamt Regensburg erhielt am 14. Juli 1959 den Auftrag zur Errichtung der Truppenunterkunft. Das Richtfest für die Anlage wurde am 7. Oktober 1959 gefeiert. Der Umzug des Panzergrenadierbataillons 122, der Ausbildungskompanie 5/4 und der Panzeraufklärungskompanie 120 aus Amberg erfolgte zwischen dem 7. und 9. August 1961. Am 11. August 1961 fand der feierliche Einzug der Panzergrenadiere in die neue Kaserne statt. Die Baukosten für die Kaserne betrugen 19 Millionen DM.Stadt Oberviechtach. Geburtsort des „Dr.“ Eisenbarth, staatlich anerkannter Erholungsort im Naturpark Oberpfälzer Wald. Stadt Oberviechtach (Hrsg.), Oberviechtach, o. J. (1977), S. 122
1963 kam es mit der Umstellung auf Brigadespähzüge zur Auflösung der in der Kaserne beheimateten Panzeraufklärungskompanie 120 der Panzerbrigade 12.
Am 3. August 1964 verlieh das Bundesverteidigungsministerium der Truppenunterkunft den Namen „Grenzland-Kaserne“.
Im Dezember 1966 wurde das neue Soldatenheim eingeweiht.
1967 stellte in der Kaserne die Panzerjägerkompanie 120 auf.
Obwohl die 4. Panzergrenadierdivision in eine Jägerdivision im Zuge der Umsetzung der Heeresstruktur 3 ab 1970 umgliederte und mit der Einnahme der Heeresstruktur 4 1981 sich erneut in eine Panzergrenadierdivision wandelte, blieben die Auswirkungen auf die in Oberviechtach stationierten Dienststellen begrenzt. Insbesondere blieb das Panzergrenadierbataillon 122 durchgängig bestehen. Es kamen 1981 noch Einheiten eines teilgekaderten und gemischten Panzer- und eines Panzergrenadierbataillons hinzu.
Trotz Ende des Kalten Krieges und des für die Deutsche Wiedervereinigung ausgehandelten Zwei-plus-Vier-Vertrages mit einer Truppenbegrenzung der Bundeswehr blieb der Standort Oberviechtach erhalten. Allerdings wurde die Panzerjägerkompanie ebenso aufgelöst wie die mit der Heeresstruktur 4 erst geschaffenen Kompanien des Panzerbataillons 121 und des Panzergrenadierbataillons 302.
Das Stationierungskonzept der Bundeswehr von 2001 änderte hieran nichts. Es sollten 920 Dienstposten in der Kaserne verbleiben.
Erreicht wurden 2004 insgesamt 900 Dienstposten, die nach dem Konzept vom November 2004 auf 920 Soldaten erhöht werden sollten, obwohl die Sanitätsstaffel zur Auflösung vorgesehen war.
Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde im Oktober 2011 das nächste Stationierungskonzept veröffentlicht. Der Standort Kümmersbruck war auf 950 Dienstposten angewachsen, sollte nunmehr jedoch auf 720 reduziert werden. Die Auflösung größerer Dienststellen war damit nicht verbunden.
Im Januar 2017 eröffnete das sanierte Soldatenheim nach mehrjähriger Bauzeit und Ausgaben von 2,83 Millionen Euro wieder.
2021 plante der Bund den Neubau eines Waffenkammergebäudes für 2,9 Millionen Euro. Zudem waren die schrittweise Sanierung und der Neubau von Unterkunftsgebäuden angelaufen. Für Februar 2022 und Ende 2023 war die Fertigstellung von zwei Blöcken vorgesehen. Die neue Puma-Ausbildungshalle sollte im Januar 2022 der Truppe übergeben werden. Des Weiteren hatte sich der Bund den Bau einer neuen Sporthalle für 3,38 Millionen Euro, die Errichtung eines Panzer-Abstellbereiches für 6 Millionen Euro und die Modernisierung der Heizzentrale vorgenommen. Bis 2037 sollten 55 Millionen Euro in die Anlage investiert werden.
Der russische Überfall auf die Ukraine 2022 führte zu einer Neuausrichtung der Bundeswehr, der auch für die Kaserne in Oberviechtach Auswirkungen hatte. So sollten nunmehr Stabsgebäude, Munitionsbehälter, Instandsetzungshallen und die Standortschießanlage modernisiert sowie ein neues Lehrsaal-Gebäude errichtet werden.
2022 wurde ein sanierter Unterkunftsblock mit 63 Stuben für 3,32 Millionen Euro sowie ein Gebäude für den Turmtrainer des Schützenpanzers Puma fertig. Ein weiterer Ersatzneubau mit 100 Unterkünften sollte bis Mitte 2026 folgen. Für die neue Turnhalle und einen Unterkunftsneubau mit 75 Zimmern, der bis Mitte 2028 in Nutzung genommen werden soll, hatten die Arbeiten 2023 begonnen. Ein eigenes Sanitätsversorgungszentrum war ebenso in Planung wie ein Parkhaus.
Die geplanten Investitionen in die Kaserne wuchsen 2023 auf 104 Millionen Euro. Im Mai 2023 war die Waffenkammer im Rohbau fertig. Der Bau neuer Hallen für die Puma-Schützenpanzer soll 2026 beginnen. Zudem wird der Heeres-Instandsetzungs-Logistik-Stützpunkts ausgebaut, die Panzerwaschanlage saniert, Wache und Kaserneneinfahrt modernisiert.
Im November 2023 wurde bekannt, dass die dauerhafte Verlegung des Panzergrenadierbataillons 122 nach Litauen als Teil einer dort stationierten Brigade vorgesehen ist. Als Ersatz für Oberviechtach kündigte das Bundesverteidigungsministerium den Umzug des Artilleriebataillons 131 mit 700 Soldaten aus Weiden in der Oberpfalz an. Zudem prüfte der Bund die Bildung einer leichten Versorgungskompanie am Standort. Ein Vorkommando sollte ab April 2024 in Litauen stationiert werden, ab Oktober 2024 ein Aufbaukommando. 2025 war der Umzug des Bataillons geplant. Die letzten Soldaten sollten Oberviechtach 2026 verlassen. Die Einsatzbereitschaft in Litauen ist 2027 herzustellen. Trotz des Umzuges hielt der Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius an den Aus- und Umbauplänen am Standort fest.
Im Juni 2024 erhielt der Standort ein eigenes Sanitätszentrum.
Im November 2024 wurde bekannt gegeben, dass zwischen Februar und April 2026 der Unterstellungswechsel des Panzergrenadierbataillons 122 zur Panzerbrigade 45 in Litauen erfolgen soll, der Umzug selbst jedoch erst 2027. Vor dem Einzug des Artilleriebataillons 131 soll die Kaserne innerhalb von sechs Monaten ertüchtigt werden. Die geplanten Investitionsmaßnahmen von 110 Millionen Euro müssen jedoch für den Artillerieverband angepasst werden.
Im April 2025 reichte der Bund den Bauantrag für eine neue Instandsetzungshalle in der Kaserne ein.
Im September 2025 wurde bekannt gegeben, dass in den Standort 76 Millionen Euro bis 2035 fließen werden. Die Mittel sollen in Unterkünfte, Abstell- und Instandsetzungshallen sowie in die Medienanbindung und -versorgung der Kaserne investiert werden.
Am 29. Januar 2026 wechselte das Panzergrenadierbataillon 122 zur Panzerbrigade 45.
Folgende Einheiten, Verbände, Dienststellen und Stäbe waren bzw. sind in der Grenzland-Kaserne stationiert:
Einheit Stationierung ab Herkunft Stationierung bis Verbleib Ausbildungskompanie 5/47.–9. August 1961verlegt nach Aufstellung zum 1. März 1959 in Amberg, Kaiser-Wilhelm-Kaserne1981in 4./Panzergrenadierbataillon 122 umbenanntPanzergrenadierbataillon 1227.–9. August 1961verlegt nach Aufstellung zum 1. Juli 1956 als Grenadierbataillon 14 aus dem Bundesgrenzschutz, I. Abteilung der Grenzschutzgruppe 2 in Hof und Umbenennung zum 1. März 1959 in Panzergrenadierbataillon (SPz) 122heuteNeuaufstellung zum 1. Juli 2014Panzeraufklärungskompanie 12011. August 1961verlegt nach Aufstellung am 1. Juni 1959 in Bogen, Graf-Aswin-Kaserne31. Mai 1963 aufgelöstPanzerjägerkompanie 1201. Juli 1967neu aufgestellt30. September 1992aufgelöstMaterialausstattung Sanitätsbereich 62/131. Juli 1972neu aufgestellt30. September 1998aufgelöstZahnstation (Terr) H 6451. April 1977neu aufgestellt31. März 1981in Zahnarztgruppe 619/3 umbenannt1./Panzerbataillon 121 TE 371. April 1981Heinz Oster/Wolfgang Sander: Gesicht einer Division. Soldat der „Vierten“ im bayerischen Grenzland. Regensburg 1981, S. 186neu aufgestellt30. September 1992aufgelöst2./Panzerbataillon 1211. April 1981neu aufgestellt30. September 1992aufgelöst3./Panzergrenadierbataillon 3021. April 1981neu aufgestellt30. September 1993aufgelöstZahnarztgruppe 619/31. April 1981aus Zahnstation (Terr) H 64531. Dezember 1998aufgelöstKasernenfeldwebel Oberviechtach1. April 1981neu aufgestellt31. März 1999aufgelöstKasernenfeldwebel mit Standortaufgaben Oberviechtach1. April 1981neu aufgestellt30. September 1994aufgelöstFahrschulgruppe Panzergrenadierbataillon 122 Oberviechtachneu aufgestelltaufgelöstStandortfernmeldeanlage 627/302neu aufgestelltaufgelöstTruppenarzt Oberviechtachneu aufgestelltaufgelöstPanzergrenadierbataillon 362 (Geräteeinheit)1. Juli 2003verlegt nach Aufstellung am 15. Dezember 1958 in Walldürn, Nibelungenkaserne, Kaderung zum 30. September 1992 und Zwischenstationierung in Mellrichstadt, Hainberg-Kaserne31. Oktober 2008aufgelöstHeeresinstandsetzungslogistik Stützpunkt Oberviechtach3. Juli 2006neu aufgestelltheuteFachsanitätszentrum Kümmersbruck Teileinheiten Oberviechtach1. Januar 2007neu aufgestellt30. September 2015aufgelöstBundeswehr Informationstechnik GmbH Oberviechtach1. November 2009neu aufgestelltheuteHeeresinstandsetzungslogistik – Messbereich 5 Amberg7. März 2012neu aufgestelltheute4./Panzergrenadierbataillon 9091. Juli 2014neu aufgestelltheuteAusbildungsunterstützungskompanie 1221. Juli 2014neu aufgestellt1. Januar 2015verlegt unter Neuaufstellung in Weiden, Major-Radloff-Kaserne, dort zum 31. Dezember 2019 in 5./Panzerbataillon 104 umbenannt Standortältester Oberviechtach mit Unterstützungspersonal1. Juli 2014neu aufgestelltheuteSchießsimulator Schützenpanzer Marder (122)1. Juli 2014neu aufgestellt30. September 2018in Simulator Schützenpanzer PUMA (122) umgegliedertSimulator Schützenpanzer PUMA (122)1. Oktober 2018aus Schießsimulator Schützenpanzer Marder (122)heuteSanitätszentrum Oberviechtach13. Juni 2024neu aufgestelltheute
Weblinks Informationen der Bundeswehr zum Standort Oberviechtach mit Kasernenplan
Einzelnachweise
Kategorie:Kaserne der Bundeswehr Kategorie:Kaserne in Bayern Kategorie:Erbaut in den 1960er Jahren Kategorie:Bauwerk in Oberviechtach