Die Lokomotiven der TSM-Baureihe DH200 sind 20 Maschinen mit hydrodynamischer Kraftübertragung, die für den Rangierdienst auf schmalspurigen Werkbahnen entwickelt und produziert wurden. Diese wurden bei den Vítkovické železárny (Witkowitzer Eisenwerke) bei der dortigen Werkbahn, der Vítkovické závodní dráhy (VZD) in 16 Exemplaren und den Magnesitwerken, den magnezitové závody in Jelšava in 4 Exemplaren eingesetzt.

Bei der VZD wurden die Lokomotiven bis 2025 eingesetzt. Eine Lokomotive, die DH200.0514 ist bei den Stahlwerken als Denkmallok erhalten. Über die Lokomotiven in Jelšava ist nichts bekannt.

Geschichte

Auf dem Schmalspurnetz der Witkowitzer Eisenwerke, das um 1949 eine Ausdehnung von ca. 71 Kilometern hatte,Internetseite über das Ende des Witkowitzer Schmalspurbetriebes auf spz.logout.cz sollten in den 1960er Jahren die dort eingesetzten Dampflokomotiven ersetzt werden. Daher wurden 1960 drei Lokomotiven des Typs LDH 240s der Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf beschafft. Sie bekamen die Betriebsnummern T 29.101 bis T 29.103.Foto der Lokomotive T 29.101 auf www.prototypy.czlt. Transkript der WLF-Lieferliste (www.lokhersteller.de)

Aufgrund der Ereignisse des Prager Frühling war es nicht mehr möglich, Lokomotiven aus Österreich zu beziehen, und so wurde die Firma Turčianske strojárne n.p. im slowakischen Martin (TSM) beauftragt, eine Lokomotive für das Aufgabengebiet der Stahlwerke zu konstruieren. Die Lokomotiven galten als Typ TSM 442.Jaromir Bittner, Jaroslav Křenek, Bohumil Skála, Milan Šrámek: Tschechische und slowakische Triebfahrzeuge, Gradis Bohemica, Praha 2010, ISBN 978-80-86925-09-7, Seite 115 Der Dampfbetrieb wurde 1978 eingestellt.

1973 lieferte TSM 11 Lokomotiven an die Vítkovické závodní dráhy, sie erhielten die Betriebsnummern DH 200.0501 bis DH 200.0511. Im gleichen Jahr lieferte die Firma noch vier Lokomotiven an die magnezitové závody in Jelšava, sie erhielten die Betriebsnummern DH 200.0512 bis DH 200.0515.Foto der Lokomotive DH 200.0514 aus Jelšava Über diese Lokomotiven gibt es keine weiteren Daten.

Die Firma TSM beendete im Jahr 1973 die Fertigung der Lokomotiven. Da aber die Vítkovické závodní dráhy noch weiteren Bedarf hatte, wurden Einzelbaugruppen der Lokomotiven geliefert und die Endmontage in der Werkstatt der VZD in Ostrava durchgeführt. 1981 bis 1984 wurden noch fünf Lokomotiven zusammengebaut, sie erhielten die Betriebsnummern DH 200.0512 bis DH 200.0516. Somit waren die Maschinen mit der Betriebsnummern DH 200.0512 bis DH 200.0515 doppelt vorhanden, aber räumlich getrennt vorhanden.

Das Aufgabenbiet der Lokomotiven in Vítkovice war vielfältigInternetseite über den Betrieb bei den Witkowitzer Eisenwerken, 2001 und reichte von allgemeinen Transportaufgaben,Foto der Lokomotive DH 200.0503 in Vítkovice auf www.prototypy.cz über den Transport von FlüssigeisenFoto der Lokomotive DH 200.0513 im Innenbereich bis zum Transport von Altschrott.Foto der Lokomotive DH 200.0513 mit Transportwagen für Schrott auf www.prototypy.cz

Dabei wurde das Streckennetz der Schmalspurbahn ständig verkleinert und die Zahl der eingesetzten Lokomotiven sank. 2015 wurde das Werk für die Schrottaufbereitung geschlossen.Internetseite mit Foto einer DH 200 auf lokomotivy.net, 2015 Danach umfasste das Streckennetz der schmalspurigen VZD nur noch zwei Kilometer. Aufgaben waren nur im Bereich des Depots und dem Walzwerk vorhanden. Der letzte Einsatz der Schmalspurlokomotiven erfolgte Mitte 2025.

Im Jahr 2013 wurde die Lokomotive DH200.0514, nachdem ihr die wichtigsten Baugruppen zur Ersatzteilhaltung ausgebaut wurden, vor dem Tor der Eisenwerke als Denkmal aufgestellt.

Technische Beschreibung

Die Lokomotiven besitzen einen mittigen Führerstand und zwei in etwa gleich große Vorbauten. Besonderer Wert wurde bei ihrer Konstruktion auf den Einsatz in Stahlwerken mit der Staubbelastung und wechselnden thermischen Belastungen gelegt. Die Lokomotiven sind an ein kleineres Lichtraumprofil angepasst. Im Außenrahmen sind die Achsen mit einem extrem geringen Achsstand angeordnet, der den Lokomotiven einen minimal zu durchfahrenden Kurvenradius von 14 Metern ermöglicht. Die beiden Achsen sind mit oberhalb der Achslager liegenden Blattfedern abgefedert. Die Lok besitzt eine einfache Kupplungsmöglichkeit mit den Werkbahnwagen, dazu hat sie an den Stirnseiten kräftige Bohlen als Prallplatten.

Die Lokomotiven aus Jelšava besaßen außer der größeren Spurweite in etwa das gleiche Aussehen mit denselben technischen Daten. Unterschiede gab es lediglich in der Stirnfront sowie einer anderen Kuppelmöglichkeit.

Die Maschinenanlage wurde auf Grund des geringen Lichtraumprofiles mit Kompromissen gestaltet. In einem Vorbau befindet sich der luftgekühlte 12-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor des Lkw Tatra 813, der elektrisch angelassen wird.

Im anderen Vorbau befindet sich die Getriebekonfiguration, die aus einem hydrodynamischen Getriebe und einem Wendegetriebe besteht. Dafür wird die Verbindung zwischen Motor und Getriebe über eine Gelenkwelle hergestellt, die in einem Tunnel im Führerstand der Lok verläuft.Antriebsschema der Lokomotive DH 200 auf www.prototypy.cz Die Antriebskonfiguration ermöglicht, dass die Lok mit einer minimalen Geschwindigkeit von 2 km/h gefahren werden kann.

Die Lokomotive wird pneumatisch durch eine direkte Bremse abgebremst. Der erzeugte Bremsdruck beträgt 6 bar. Mit Druckluft können das Typhon und der Sandstreuer bedient werden, mit dem beide Achsen jeweils in Fahrtrichtung von vorn gesandet werden können.

Literatur

Jaromir Bittner, Jaroslav Křenek, Bohumil Skála, Milan Šrámek: Tschechische und slowakische Triebfahrzeuge, Gradis Bohemica, Praha 2010, ISBN 978-80-86925-09-7

Weblinks

Internetseite der Lokomotive TSM 200 auf prototypy.cz, 1. Oktober 2018, tschechisch Internetseite auf vlaky.net über einen Besuch im Stahlwerk Vítkovice mit Erwähnung der TSM DH 200, 2. Dezember 2009, tschechisch Internetseite des Betriebs im Eisenwerk Vítkovice mit der TSM DH 200, Mai 2001, tschechisch Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Dieselhydraulische Lokomotive Kategorie:Schienenfahrzeug (TSM)