Diese Übersicht zu Fotografen im Kanton Graubünden gibt zuerst einen Überblick und listet danach einige Männer und Frauen einzeln auf, die im Schweizer Kanton Graubünden fotografiert haben.
Geschichte Der Volkskundler Paul Hugger fasste einige Beobachtungen zu den frühen Fotografen und den einzelnen Fotografinnen 1992 so zusammen: Viele haben ihre Tätigkeit oft autodidaktisch erlernt, aufgrund von Vorbildern, Lehrbüchern und Eigenversuchen. Sie mussten sparsam sein im Umgang mit dem Fotomaterial. Glasplatten waren schwer und umständlich in der Handhabe. Lieber verzichtete man auf eine Aufnahme, sofern die Bedingungen nicht optimal waren, auch wenn ein langer Anmarsch und eine lange Wartezeit nochmals in Kauf zu nehmen waren. Wie in andern handwerklichen Betrieben zogen auch die Bündner Fotografen die ganze Familie zur Arbeit bei, vor allem auch die Kinder, die als Statisten auf den Bildern erscheinen, als «echte» Naturkinder, Hirtenjungen usw. Es entstanden Fotografendynastien, die Hervorragendes leisteten. Die Nachkommen haben so weiterfotografiert, wie es ihre Vorfahren gemacht hatten. Damit verpassten sie den Anschluss an eine fotografische Entwicklung, die anderswo im Gange war.
Es bestanden grundsätzliche Unterschiede etwa zwischen der Situation in der Kantonshauptstadt Chur, wo die Fotografen eine vielseitige lokale Nachfrage zu befriedigen hatten, die Kunden vor allem aus einheimischen Auftraggebern bestanden, und etwa der in St. Moritz oder Davos, wo die Fotografen mehrheitlich für die Touristen arbeiteten.
Kurzbiografien (Alphabetisch nach Familiennamen geordnet)
Die Kurzbiografien stützen sich vorwiegend auf einen von Paul Hugger herausgegebenen Sammelband zu Bündner Fotografen und auf die Website der von Pascal Werner gegründeten Fotostiftung Graubünden. Personen mit eigenem Artikel werden hier nur kurz erwähnt, die anderen ausführlicher dargestellt.
Andreas Bergamin Andreas Bergamin (1929–2004) führte zusammen mit seiner Frau das Fotogeschäft «Foto Bergamin» in Lenzerheide. Er fotografierte Landschaften, Hotels und Ferienhäuser für die Produktion seiner Ansichtskarten und war auch bei Sportveranstaltungen und Bauarbeiten auf der Lenzerheide mit der Kamera dabei. Die Aufnahmen aus dem Nachlass Bergamin stammen aus der Zeit zwischen 1920 und 1980.
Rolf Canal Rolf Canal (1959–2022) begann nach einer Lehre als Fotograf in Kreuzlingen im Jahr 1983 für «Engadin Press» zu arbeiten. Er produzierte inesamt 50'000 Fotos, die meisten davon im Engadin. Dabei nutzte er eine Mittelformatkamera vom Typ Hasselblad und eine digitale Spiegelreflexkamera von Nikon. Das Bildarchiv ging nach dem Ende der «Engadin Press» an die «Somedia AG» in Chur über, sie hatte die Engadin Press übernommen. Nach dem Tod von Rolf Canal im Jahr 2022 schenkte die «Somedia» der Fotostiftung Graubünden dieses umfangreiche Archiv zu ihrem zehnjährigen Bestehen.Ein einzigartiger Schatz aus dem Egandin. Das Archiv der Engadin Press in der Fotostiftung Graubünden. In: Terra Grischuna, 2023. Nr. 6, S. 34.
Florian Casutt Der Churer Buchdrucker und Fotograf Florian Casutt (1922–2013) hat von den 1960er- bis in die 1990er-Jahre Landschaften, Bauwerke, kleine Architektur und Strassenszenen in Graubünden fotografiert. Er hat dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die Churer Altstadt und Wanderungen in den Bergen Graubündens gelegt.
Ildefons Decurtins Ildefons Decurtins (1901–1964) war Fotograf in Disentis/Mustér und übte seine Tätigkeit von ca. 1920 bis 1963 aus.Decurtins, Ildefons (1901–1964). Bestand im Staatsarchiv Grabbünden StAGR FN XXVII (PDF) Sein Fotogeschäft und -atelier, die Photo-Centrale –Jld. Decurtins, befand sich mitten im Dorf an der Via Cons 1, Disentis/Mustér, wo er zusammen mit seinem Bruder Luis aufgewachsen war und lebte. Seine Aufnahmen zeigen grösstenteilts Personen, aber auch Landschaften aus der Cadi. Der thematische Schwerpunkt liegt bei Portraitaufnahmen (Frauen, Männer, Erstkommunikanten, Ehepaare, Kinder) und Familien- und Hochzeitsfotografien. Daneben findet man auch Aufnahmen zu Ereignissen wie Prozessionen, Beerdigungen, Primizfeiern und Theateraufführungen. Der Bestand umfasst knapp 3000 Fotonegative bzw. Fotoreproduktionen.
Familie Fetzer Johann Fetzer erlernte in Coburg Schneider und kam nach langen Wanderjahren in die Schweiz. 1867 eröffnete er ein Fotoatelier in Walenstadt und noch im gleichen Jahr ein zweites in Bad Ragaz. Später kamen Filialen in Buchs, Mels und Flums hinzu. 1869 heiratete er Karolina Brunner, mit der er acht Kinder hatte. Die drei Söhne Edmund, Alexander und Oskar erlernten das Fotografenhandwerk beim Vater und übernahmen 1910 dessen Geschäft. Edmund und Oskar traten die Nachfolge in Bad Ragaz sowie in den Filialen Flums und Mels an, Alexander übernahm die Filiale in Walenstadt. 1924 übernahm Edmund Fetzer die Geschäftsanteile von seinem Bruder Oskar und führte das Geschäft in Bad Ragaz alleine weiter. Die Filialen in Flums und Mels wurden mangels Rentabilität geschlossen. Sein Sohn Werner Fetzer trat 1933 in das Geschäft ein und übernahm dieses 1943. Vom St. Gallischen Bad Ragaz aus bereisten Werner (1911–2007) und Klara Fetzer-Zahn für Fotoaufnahmen das Bündnerland, das Tessin und das Berner Oberland.
Die Aufnahmen im Bestand der Fotostiftung Graubünden stammen überwiegend aus den Regionen Herrschaft, Fünf Dörfer, Churer Rheintal und Prättigau. Sie zeigen Bauten, Gewerbebetriebe, Mitarbeitende, Produkte, Dorfansichten, Landschaften sowie Gruppenfotos von Vereinen und Konfirmationen. Der Fotobestand Foto Fetzer umfasst Fotografien aus den Jahren 1935 bis 2010 in Farbe und Schwarz-Weiss.
Otto Furter Otto Furter (1905–1998) war ein Schüler von Emil Meerkämper in Davos. Sein Vorbild und Mentor war Albert Steiner. 1943 eröffnete Furter in Davos ein Fotogeschäft und gründete einen Verlag für Ansichtskarten.
Jules Geiger Jules Geiger kam 1898 in einer Bauernfamilie in Au (SG) zur Welt. Im Winter 1924 machte er bei Foto Hausamann in Zürich eine Anlehre im Labor. 1925 eröffnete Geiger am Postplatz in Flims-Waldhaus ein Fotogeschäft. Er war Autodidakt und hauptsächlich freischaffender Fotograf.
Seine Spezialität waren Landschaftsaufnahmen. Vor allem im Sommer fotografierte Geiger auch Touristen in der Region. Dabei hat er neben den Landschaftsaufnahmen und Dorfansichten, die für seinen Ansichtskarten-Verlag Photo Geiger bestimmt waren, auch Porträts und Auftragsarbeiten, wie die Dokumentation des Baus des Zervreila-Staudamms, ausgeführt. Die Ansichtskarten erschienen erst schwarz-weiss, dann im Orell-Füssli-Fotochrom-Verfahren koloriert und schliesslich auch als Farbaufnahmen. Mit dem Aufkommen des Wintertourismus fotografierte Geiger Eisläuferinnen und Skifahrer. Schweizweit berühmt geworden ist die Aufnahme vom Strecksprung einer Frau, die auf einem Werbeplakat für Flims Verwendung fand. Jules Geiger starb im Jahre 1987.
Lisa Gensetter Lisa Gensetter, auch Lisa Schellenberg-Gensetter (1925 in Davos – 2007) war eine bekannte Davoser Landschaftsfotografin.Bündner Wanderbuch. Aus: Engadiner Post, 23. Oktober 1980 Sie absolvierte bei Emil Meerkämper ab 1941 eine Lehre als Laborantin und arbeitete in dessen Labor. Nach der Heirat 1956 machte sich Lisa Gensetter selbständig und arbeitete für diverse Verlage im In- und Ausland.
Als Alpinistin begann sie, selbst Bilder zu machen. Tausende Aufnahmen von Landschaften und Dörfern folgten. Viele Jahre prägte die Fotografin die Bilderwelt der Zeitschrift Terra Grischuna, welche die «Postkartenseite» Graubündens in die Welt hinaustrug. Sie gab Postkarten heraus, realisierte grosse Reportagen für Das Gelbe Heft und andere Familienzeitschriften. Ihre Bilder wurden in zahlreichen Wandkalendern und ab 1964 in erfolgreichen Büchern publiziert. Sie war die erste Fotografin von Wanderbüchern, wie sie ab den 1960er-Jahren Verbreitung fanden.
Köbi Gantenbein schrieb über Gensetters Fotos: «Sie achtete darauf, dass die Errungenschaften des Fortschritts nicht störend ins Bild kamen: Strassen, Telefonmasten, die Ferienorte überformenden Siedlungen. (...) Sie war eine virtuose Handwerkerin des Bildes. In den Reportagen über die Baustellen ihres Mannes Severin Schellenberg, der als Ingenieur beim Kanton Lawinenverbauungen leitete, experimentierte sie mit der Bildsprache der Neuen Sachlichkeit; ihre Bilder der Schober auf dem Grüscher und Schierser Sand sind formal hohe Schule - die Sternskälte, die diesen Ort jeweils im Januar beherrscht, kriecht dem Betrachter über den Rücken.» 1983 hat das «Comite National Suisse du Grand Prix des Guides Touristiques» dem Buch Bahnerlebnis Graubünden, das Lisa Gensetter illustrierte, die höchste Auszeichnung in der Kategorie «Touristische Bahnbücher» zugesprochen.Internationale Literaturpreise für drei Graubündner Schriftsteller. Engadiner Post, 14. Mai 1983Innert 60 Jahren von 300 auf 50'000 Leser. Terra Grischuna — Botschafterin Graubündens. Engadiner Post, 28. Dezember 2002 1984 würdigte Guido L. Luzzatto das fotografische Werk Gensetters in den Quaderni grigionitaliani: La gioia degli occhi e la costruzione della pagina nell’opera fotografica di Lisa Gensetter («Die Freude für die Augen und die Gestaltung der Seite im fotografischen Werk von Lisa Gensetter»).
Ihr fotografischer Nachlass befindet sich seit 2014 bei der Fotostiftung Graubünden.
Familie Guler Der Puschlaver Schreiner Romedo Guler (1836–1909) erhielt 1878 an der Weltausstellung in Paris eine Ehrenmedaille für seine dort gezeigten Fotografien. Mit dieser Auszeichnung bewarb er sich als offizieller Fotograf für die Schweizerische Landesausstellung 1883. Gemeinsam mit dem Winterthurer Fotografen Jakob Brunner erhielt er die ausschliessliche Lizenz, fotografische Aufnahmen zu machen, diese zu vervielfältigen und zu verkaufen.
Romedo Gulers Sohn Jost führte das Geschäft ab 1913 in Thusis fort; nach ihm übernahmen Josts Sohn Romedo und schliesslich dessen Sohn Christoph, nun in vierter Generation, das Geschäft. Christoph Guler schloss den Laden im Jahr 2000 und übergab das Fotoarchiv der Fotostiftung Graubünden.
mini|Karl Hager: Bauarbeiter im Kloster Disentis (1898) Karl Hager Karl Hager (1862–1918) war ein Schweizer Benediktinerpater im Kloster Disentis und Naturwissenschaftler. Er hinterliess eine grosse Anzahl von Fotografien. Neben zeitgenössischen Aufnahmen des Klosters um 1900 dokumentierte er eingehend die landwirtschaftliche Arbeit.
Franz und Karl Heini Vater Franz Heini (1884–1945) und Sohn Karl Heini (1927–2017) waren Dorffotografen in Vals. Geografisch beschränkten sie sich auf das Valser Tal, thematisch auf das Dorfleben, die Landwirtschaft und den Bau des Staudamms Zervreila. Durch den Bau des Staudamms in den 1950er-Jahren verlor Karl Heini seine landwirtschaftlichen Güter in Zervreila. Er begann als Maschinist bei den Zervreila-Werken zu arbeiten. Heinis in der Fotostiftung Graubünden aufbewahrtes Archiv umfasst etwa 4500 Schwarz-Weiss-Fotografien auf Glasplatten (Aufnahmen des Vaters Franz), Papierabzüge und Kleinbilddias und -filme aus dem Zeitraum 1910 bis 1960.
Familie Homberger Maria Homberger-Fiechter (1902–1988) wurde in Böckten BL geboren. Sie arbeitete als Fotoverkäuferin bei der Firma «Walz Optik und Foto» in St. Gallen, bis sie im Winter 1935/36 die Filiale in Arosa übernahm. Sie führte diese zunächst unter dem Namen «Foto Fiechter» weiter. 1938 heiratete sie Rudolf Homberger. Maria Homberger war eine erfolgreiche Geschäftsfrau mit guten Französisch- und Italienischkenntnissen und eine Meisterin im Umgang mit Menschen. Sie sprach die Feriengäste jeweils am See oder mitten in der Schneelandschaft an und nahm Erinnerungsbilder mit ihnen auf. Neben der Familie wurden bis zu acht Angestellte beschäftigt.