Gorasde (auch Goratz, Göratz) ist eine Wüstung auf dem Gemeindegebiet der Stadt Kupferberg und des Marktes Wirsberg im Landkreis Kulmbach (Oberfranken, Bayern).

Lage Die Siedlung befand sich unmittelbar südöstlich von Kupferberg und lag Langenroth (Ober-, Unter-) gegenüber, jenseits der Schorgast. Die Flur, in der Gorasde einst lag, wurde später zwischen Wirsberg-Neufang und Kupferberg aufgeteilt (heutiger Flurname Görlitz).R. Konrad: Das "allodium Wugastesrode" <1017> und die urkundliche Überlieferung im Frankenwald, S. 21, Anm. 79.

Geschichte Es handelt sich um einen ehemaligen "Brückenkopf", wie sie am westlichen Gebirgsrand des Frankenwaldes häufiger zu finden sind. Bereits um 1409 wird der Ort in den Quellen als „wüst“ bezeichnet, was auf ein früheres Wüstfallen (spätes Mittelalter) hinweist. Der Ort war um 1096 im Besitz der Familie des Wigger von Langheim. Die Urkunde berichtet, dass Arnold, Sohn des Wigger, sein Gut in Langenrodo (heute Langenroth, Ober-, Unter-) und Gorasde gegen Anteile an die Burg Kunstadt eintauscht. Offenbar bekam er die Güter dieser beiden Orte von Bischof Rupert wiederum zu Lehen. Noch im Jahr 1476 erhielt Karl von Guttenberg vom Bamberger Bischof u. a. Goratsch zu Lehen.R. Konrad: Das "allodium Wugastesrode" <1017> und die urkundliche Überlieferung im Frankenwald, S. 21.

Etymologie Historische Erwähnungen des Ortsnamens sind 1096 Gorasde, 1399 Goraß, 1409 Goratz, 1434 Göratz und 1476 zu Goratsch. Als Grundform kann slawisch *Goražďь, eine Ableitung mit dem besitzanzeigenden Suffix -j- von dem Personennamen (Übernamen) *Gorazd-, erschlossen werden. Somit ergibt sich die Bedeutung 'Siedlung des Gorazd-'.E. Eichler: Zur Etymologie und Struktur der slawischen Orts- und Flußnamen in Nordostbayern (1962), S. 368.Adam Ziegelhöfer/Gustav Hey: Die Ortsnamen des ehemaligen Hochstifts Bamberg. Bamberg 1911, S. 170. Der Ortsname weist auf eine etymologische Parallele zum tschechischen Sprachraum hin, vgl. etwa den Namen der Kleinstadt Horažďovice (zum Personennamen Horazděj).Antonín Profous: Místní jména v Čechách: jejich vznik, původní význam a změny, díl 1: A–H, Praha 1954, S. 612. Ernst Eichler erwähnt als weiteren Vergleichsnamen den serbokroatischen Ortsnamen Goražde.

Weiteres Gorasde wurde in der älteren Literatur häufig mit Görau (1137 Goren, 1251 Goeren)Dieter George: Lichtenfels. Der Altlandkreis (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Oberfranken Bd. 6.) München (2008) Nr. 96, S. 81. im Landkreis Lichtenfels gleichgesetzt. Diese Zuweisung wird allerdings aus sprachlichen Gründen abgelehnt.E. Schwarz: Sprache und Siedlung in Nordostbayern, S. 206

Weblink Link zur Urkunde mit der Ersterwähnung von Gorasde: http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Material/Frankenwald_Konrad/Frankenwald9Langenrodo1096UrkBbg.144.jpg

Literatur Ernst Eichler: Zur Etymologie und Struktur der slawischen Orts- und Flußnamen in Nordostbayern, in Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig, Bd. 11, 1962, S. 368. Ernst Schwarz: Sprache und Siedlung in Nordostbayern. (= Erlanger Beiträge zur Sprach- und Kunstwissenschaft 4). Nürnberg 1960 Ruprecht Konrad: Markt Schorgast - Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte. In: Klaus Rupprecht (Hrsg.): Marktschorgast 1109–2009. Eine Marktgemeinde im Wandel der Geschichte. Marktschorgast 2009, vgl. Karte auf S. 13. Ruprecht Konrad: Das "allodium Wugastesrode" <1017> und die urkundliche Überlieferung im Frankenwald (Zur mittelalterlichen Siedlungs - und Herrschaftsgeschichte im östlichen Frankenwald). In: 147. Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg, 2011, S. 49–128. Neufassung 2015 S. 21.

Einzelnachweise

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