Ernst Lichtfuß (* 5. November 1611 in Thorn; † 30. Mai 1679 ebenda) war ein deutscher Gutsverwalter, Erster Bürgermeister sowie königlich polnischer Burggraf der Stadt Thorn.
Leben Herkunft Ernst Lichtfuß war der Sohn von Ägidius Lichtfuß (1568–1622) und Elisabeth Stroband (?–1629), welche die Tochter von Heinrich Stroband war, die jeweils zu den angesehenen deutschen Patrizier-Familien Lichtfuß und Stroband der Stadt Thorn gehörten und 1698 heirateten. Ernst Lichtfuß hatte neun Geschwister. Die aus dem Ausland stammende Familie Lichtfuß hatte 1457 vom dänischen König Christian I. als Familie Lichtefoten einen Wappenbrief erhalten. 1527 erhielten sie das polnische Indigenat und nannten sich dann Lichtfuß, wohl auch Litfus.
Das Wappen der Familie war ein in schwarz heraldisch rechts gekehrter weißer Bärenkopf mit Hals. Sein Helmschmuck beinhaltete einen aufwachsenden, vorwärts gekehrten Bär, der mit seinen Tatzen über seinem heraldisch rechts gewendeten Kopfe einen Blumenkranz hält, über welchem 3 Straußenfedern hingen.
Sein Vater Ägidius Lichtfuß wurde 1601 in den Thorner (Stadt-)Rat und 1608 in die Schöppenbank gewählt. Durch seinen sich mehrenden Reichtum erwarb er mehrere Orte wie bspw. Toporzysko (Deutsch: Amthal bzw. Amtal), Gniazdowo und Baiersee im Kreis Kulm. 1617 wurde er anschließend Thorner Bürgermeister, während er dreimal sowohl das Präsidium als auch das Burggrafenamt ausübte. An dem Aufbau der Brauerei Wiesenburg, die später von seinem Sohn Ernst Lichtfuß gepachtet wurde, war Ägidius Lichtfuß ebenfalls beteiligt.
Nach dem Tod seines Vaters wurde er von seiner Mutter zur Schule geschickt. Sein Bruder Georg wollte ihn in seinen Studien fördern und ihn an das fürstliche Pädagogium in Stettin mitnehmen. Als er jedoch 1628 mit ihm durch Danzig reiste, behielt ihn dort sein Onkel mütterlicherseits, Christian Stroband. In dessen Haus blieb er und widmete sich dem Kaufmannsberuf.
1636 kehrte er nach Thorn zurück, lebte zunächst im Haus seines Schwagers Valentin Kolbe und begann eine eigene selbstständige Handelstätigkeit. Am 1. März 1639 heiratete er Katharina Heindreich, die Tochter von Anton Heindreich dem Älteren.
In der Folge übernahm er zahlreiche städtische Ämter: 1643 wurde er vorstädtischer Schöffe, 1644 altstädtischer Schöffe, 1655 Ratsherr und 1656 altstädtischer Richter. 1658 wurde er in die Kämmerei gewählt, 1661 Oberkämmerer und Ratsältester. 1668 folgte er seinem Vetter Friedrich Gernet als Bürgermeister nach, und 1673 wurde er königlicher Burggraf. In diesem Jahr verstarben alle übrigen Bürgermeister, sodass er für zwanzig Monate sämtliche obersten Stadtämter in seiner Person vereinte.
Ernst Lichtfuß starb im Alter von 67 Jahren am 30. Mai 1679 in Thorn.
Wirtschaftliche Tätigkeit Zwischen 1661 und 1668 verwaltete er für die Stadt das Gut Wiesenburg. Nachdem dieses 1659 im Zuge des Zweiten Nordischen Krieges von polnischen Truppen vollständig zerstört worden war, ließ er Hof, Brauhaus, Brennerei und Mühle neu errichten sowie weitere Gebäude ausbauen. Bei Übergabe der Verwaltung konnte er für die Stadt Thorn einen Gewinn von 80.000 Florin bzw. Gulden ausweisen.
Die Brauerei in Wiesenburg, die er samt Brennerei sowie Mühle zeitweise pachtete, wurde 1815 geschlossen.
Familie Katharina Heindreich – seine erste Ehefrau – starb 1656 während einer Pestepidemie. Am 4. Dezember 1663 heiratete er Katharina Naps, die Tochter des Bürgermeisters Johann Naps. Diese verstarb jedoch weniger als ein Jahr später nach der Geburt einer Tochter.
Ernst Lichtfuß' Cousin väterlicherseits, Georg Ernst (1627–1694), heiratete am 28. Februar 1650 Benigna Wedemeyer, welche die Tochter des Oberkämmerers und Ratsältesten Heinrich Wedemeyers war.
Insgesamt hatte Ernst Lichtfuß sieben Kinder, wovon zwei bereits als Kleinkinder starben. Seine Kinder waren: Ernst (1640–1678) Karl (1643–1643) Elisabeth (1644–1644) Benigna (1646–?) ⚭ Ludwig Pasch; ⚭ Benjamin Herden Georg (1647–1703) ⚭ Anna Lütke Johannes (1649–1681) Katharina (1664–?) ⚭ Salomon Lütke
Quellen
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