Salomon Fichtenberg, ursprünglich Salomon Aser (* 16. November 1786; † 7. April 1856 in Paris), war ein jüdischer, zeitweise in Köln tätiger Schreibwarenhändler und Buntpapierfabrikant, der 1826 mit seiner Familie nach Paris übersiedelte und dort seine Geschäfte fortsetzte. Er trat mehrfach mit Patenten und auf Ausstellungen in Erscheinung, bevor er 1852 durch ein Buch über die Fabrikation von Buntpapier seinen Ruf als Fachschriftsteller begründete.
Leben Fichtenberg war als Sohn des 1756 geborenen Metzgers Salomon Aser und seiner Ehefrau Sara zur Welt gekommen.Ursula Olschewski: Verzeichnis der von den Juden des Königreichs Westphalen angenommenen Familiennamen. Distrikte Bielefeld, Höxter und Paderborn des Departements Fulda. (= Materialien der Historischen Kommission für Westfalen. 18), Historische Kommission für Westfalen, Münster 2021, S. 164. In napoleonischer Zeit nahm der als Untertan des Königreichs Westphalen den festen Familiennamen Fichtenberg an. 1808 hatte er sich der Konskription entzogen, erst 1816 ist er in Köln als Ladeninhaber nachweisbar. In Partnerschaft mit L. Ochs bot er am Holzmarkt Nr. 73 alle Arten Hamburger und niederländischer Schreibfedern, Siegelwachs und Bleistifte an. Durch Annoncen konnte Jacob Simon ermitteln, dass Fichtenberg 1819 in die Schildergasse Nr. 76 umgezogen war und 1824 seine Schreibmaterialfabrik und das Ladengeschäft in die Hosengasse Nr. 10 verlegte. Mit seiner Gattin Marianne Hedmann (1784–1871) hatte er mehrere Kinder. In Köln wurden Elizabeth 1817, Fanny 1820 und Moritz 1821 geboren, nach der Übersiedlung kamen in Paris 1826 Sophie und Felix 1833 zur Welt.Jacob Simon, Salomon Fichtenberg's fancy papers and pencils in nineteenth-century Cologne and Paris, S. 30.
Das Polytechnische Journal meldete für 1827 folgende französische Patenterteilung: „Dem Fichtenberg, zu Paris, rue Neuve St. August, N. 28; den 2. März, auf 10 Jahre; für chemische und technische Verbesserungen bei Verfertigung des marmorirten und granitirten Papieres, und an den verschiedenen Arten dasselbe zu glänzen, glätten und satiniren.“Alphabetisches Verzeichniß der in Frankreich im Jahre 1827 ertheilten Patente (Brevets d'Invention.). In: Polytechnisches Journal, Band 28, Jahrgang 1828, Nr. LXXXVIII., S. 304–325, hier S. S. 313. Die Erlöschung des Patents wurde 1843 gemeldet.Various mentions of Fichtenberg. In: Fichtenberg’s Guide to making fancy paper., S. 180.
In Paris fand er Anerkennung für seine Buntpapiere und für seine farbigen Zeichenstifte, die er auf Anregung von Künstlern entwickelt hatte. Hierfür wurde er 1836 mit einer Medaille ausgezeichnet. 1838 wurden seine neuen lithografischen Kreiden gelobt. 1849 übergab er im Alter von 63 Jahren sein Geschäft an seine Kinder und verfasste in den folgenden Jahren ein Handbuch, in das seine ganze Geschäftserfahrung einfloss. Dieses Werk erschien 1852 in der Reihe Manuels-Roret und wurde für seine Praxisnähe in einer ersten Besprechung gelobt.Le Technologiste ou Archives des progrès de l'industrie française et étrangère 13 (1852), S. 278–279.
Der als M. Fichtenberg firmierende Autor (das M. steht für Monsieur, also Herr) betonte in der Einleitung, dass die Herstellung dieser für Buchbinderei als auch für Schachtelherstellung verwendeten Papiere nicht schwierig sei. Ganze Familien könnten in diesem Gewerbe ihren Lebensunterhalt verdienen, da es Arbeit für alle Altersgruppen, Fähigkeiten und Kenntnisse gebe. Detailliert wird auf die Herstellung der verschiedenen Farbmittel für die einzelnen Buntpapiertechniken eingegangen.
Werk Nouveau manuel complet du fabricant de papiers de fantaisie : papiers marbrés, unis, piqués, jaspés, bois, granits, satinés, maroquinés, gaufrés, moirés, dorés, argentés... de la fabrication de la cire à cacheter, crayons de mine de plomb ; des plumes à écrire, des pastels, etc. / par M. Fichtenberg. Roret, Paris 1852. Nouveau manuel complet du fabricant de papiers de fantaisie : papiers marbrés, unis, piqués, jaspés, bois, granits, satinés, maroquinés, gaufrés, moirés, dorés, argentés ... de la fabrication de la cire à cacheter, crayons de mine de plomb ; des plumes à écrire, des pastels, etc. / par M. Fichtenberg. Nachdruck der Ausgabe Paris, Roret, 1852. Ed. Arnaud Seydoux, Garches 1984. ISBN 2-905429-00-3. New and complete manual on the making of fancy papers / by M. Fichtenberg. A transl. into English, by Richard J. Wolfe. Oak Knoll Books, New Castle, Del. 2010. ISBN 978-1-584-56294-8 Fichtenberg’s Guide to making fancy paper. Marbled paper, monochromatic and colored papers, speciality and metallic papers, sealing wax, etc. By M. Fichtenberg from Paris. Translated by Debra G. Tremper. Six Penny Graphics, Fredericksburg, Virginia 2023 (= Marbled paper and bookbinding – the classic texts in paperback) ISBN 978-1732659568
Veröffentlichungen Auszug aus dem Berichte des Hrn. Mérimée über die Zeichenstifte und die farbigen Papiere des Hrn. Fichtenberg in Paris. Aus dem Bulletin de la société d’encouragement. August 1836, S. 310. In: Polytechnisches Journal 63 (1837), Nr. LXII., S. 306. Various mentions of Fichtenberg. In: Fichtenberg’s Guide to making fancy paper. Marbled paper, monochromatic and colored papers, speciality and metallic papers, sealing wax, etc. By M. Fichtenberg from Paris. Translated by Debra G. Tremper. Six Penny Graphics, Fredericksburg, Virginia 2023, S. 176–182. Jacob Simon: Salomon Fichtenberg’s fancy papers and pencils in nineteenth-century Cologne and Paris. In: British Association of Paper Historians: The Quarterly (2025), Nr. 134, S. 28–33.
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