mini|Nivellementpunkt an der neuen St.-Alexander-Kirche in Wallenhorst mini|Helmichsteine in Rulle an der Straße der Megalithkultur
Wallenhorst ist eine selbständige Gemeinde im Landkreis Osnabrück. Aufgrund der Gebietsreform im Jahr 1972 wurde durch den Zusammenschluss der bis dahin eigenständigen Gemeinden Wallenhorst, Hollage, Rulle und Lechtingen die heutige Gemeinde gebildet. Diese ehemaligen Gemeinden bilden heute die Ortsteile der Gemeinde Wallenhorst.
Geographie Geographische Lage Wallenhorst liegt im Osnabrücker Land an den südlichen Ausläufern des Wiehengebirges mitten im Natur- und Geopark TERRA.vita. Die Gemeinde gehört zum Einzugsgebiet der südlich angrenzenden Stadt Osnabrück und ist etwa 7 km von deren Stadtzentrum entfernt. Weitere Nachbargemeinden sind Bramsche im Norden und Belm im Osten (beide in Niedersachsen) sowie das nordrhein-westfälische Lotte im Westen.
Die Bezugshöhe des Deutschen Haupthöhennetzes, das Normalhöhennull, ist an einem Höhenfestpunkt an der Neuen St.-Alexander-Kirche festgemacht. Die Geopotentielle Kote dieses Punktes wurde 1986 im Rahmen des europäischen Nivellementnetzes (UELN) ermittelt und bildet die Basis für alle Höhenmessungen in Deutschland.
Gemeindegliederung +Übersicht der OrtsteileOrtsteileEinwohnerHollage 9.525Lechtingen 4.583Rulle 4.600Wallenhorst 4.989 (Stand 29. Oktober 2020)
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gebiet der Gemeinde Wallenhorst gehört hydrologisch zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Das größte und prägende Fließgewässer der Region ist die Hase, ein linker Nebenfluss der Ems. Sie durchquert das Gemeindegebiet von Süden nach Norden und nimmt das Oberflächenwasser aus zahlreichen kleineren Bächen auf.
Die Nette ist ein Nebenbach der Hase und fließt durch den Ortsteil Rulle.
Ein kleineres Fließgewässer im Gemeindegebiet ist der Hollager Mühlenbach. Weitere kleinere Bäche wie der Kohkampsbach oder der Lechtinger Bach entwässern Teile der Gemarkung Wallenhorst direkt oder indirekt in die Hase.
Am Rand des Gemeindegebiets befindet sich der Stichkanal Osnabrück, ein künstlicher Verbindungskanal zwischen dem Mittellandkanal und dem Hafen von Osnabrück. Ein Abschnitt dieses Kanals verläuft entlang des Hase-Tals im Bereich Hollage/Barlager und ist bedeutend für den regionalen Wassertransport.
Im Gemeindegebiet von Wallenhorst befinden sich lediglich kleinflächige Feuchtstandorte, etwa in Niederungen von Bächen oder grundwasserbeeinflussten Bereichen, sind belegt und werden statistisch als Sumpfgebiete in sehr geringem Umfang erfasst. Geomorphologisch gehört Wallenhorst zum Einzugsgebiet der Hase, dessen Talräume lokal feuchte Böden mit Gley- oder Niedermoorcharakter aufweisen können.
Wallenhorst steht aufgrund seiner Lage vor hydrologischen Herausforderungen wie Starkregenereignissen, Überflutungsgefahr und zeitweise sinkenden Grundwasserständen, die sich auch auf ökologische Funktionen der Gewässer auswirken. Als Maßnahmen setzt die Gemeinde unter anderem auf die Pflege der Entwässerungsinfrastruktur, und den Bau naturnaher Uferstrukturen an der Hase sowie die Vorbereitung eines Wasserschutzgebiets für die Brunnen Pye-Hollage.
Untergrundverhältnisse Wallenhorst liegt im Norddeutschen Tiefland, das überwiegend aus quartären Lockersedimenten wie Sand, Kies, Schluff und lokal organischen Resten (z. B. Torf) aufgebaut ist, die eiszeitlich gebildet wurden und die oberflächennahe Landschaft prägen. Diese Lockergesteine bilden poröse Grundwasserleiter (Aquifere), in denen das Grundwasser meist nur wenige Meter unter der Geländeoberfläche steht und durch Niederschlagsneubildung gespeist wird; tiefere, gut durchlässige Sande und Kiese können in mehreren zehn Metern Tiefe als Hauptgrundwasserstockwerke fungieren, während ältere tonige Schichten den Aquifer nach unten begrenzen. Darüber hinaus wird das geologische Grundgebirge im Bereich des Osnabrücker Berglands unter den quartären Sedimenten angenommen, tritt aber in der Region von Lockergesteinen überlagert auf. Die genauen Mächtigkeiten und Tiefen der einzelnen Grundwasserleiter variieren lokal und sind in hydrogeologischen Karten des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) dokumentiert.
Klima
Wallenhorst liegt in der Gemäßigten Klimazone, beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Wallenhorst 10–14 Grad. Im Zeitraum 1992–2021 betrug in Wallenhorst die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 738 mm.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 30 bis 35 Sommertagen (Tage, an denen die Temperatur 25 Grad überschreitet) gerechnet werden. In dieser Zeit können die Temperaturen oft über 32 Grad ansteigen. Nachts sinken die Temperaturen im Sommer oft nicht unter 15–20 Grad, was 2003, 2006, 2011 und 2013 über mehrere Wochen hinweg der Fall war.
Die Sommer können sowohl sehr trocken als auch sehr verregnet sein.
Geschichte Im Ortsteil Rulle legen die Helmichsteine, ein Großsteingrab der Megalithkultur, Zeugnis ab von den ältesten Besiedlungsspuren. In Rulle befindet sich auch die Wittekindsburg. Sie war eine frühmittelalterliche Befestigungsanlage.
Im ältesten Teil Wallenhorsts, dem östlich des heutigen Zentrums gelegenen Alten Dorf, befand sich wahrscheinlich ein vorchristliches Heiligtum aus dem 8. Jahrhundert. Es lag auf dem Gelände des Meyerhofs, in dessen Nachbarschaft sich weitere Bauernhöfe befanden. Das Fundament des Heiligtums wurde um 800 teilweise für den Bau der Alten St.-Alexander-Kirche genutzt. Erstmals erwähnt wurde Wallenhorst in der lateinischen Legende De miraculis sancti Alexandri als Walonhurst, wo im Jahre 851 der seines Augenlichts beraubte Wetrih dem christlichen Märtyrer Alexander von Rom entgegenlief und durch ein Wunder seine Sehkraft wiedererlangte: Alter vero vir nomine Weltrih oculorum lumine privatus in eodem itinere in villa Walonhurst sancto martyri Alexandro occurrit meritisque eius adiuvantibus visum recepit. Der „Hörnschen Hof“, der urkundlich seit 1223 nachgewiesen ist, aber vermutlich etwa 200 Jahre älter ist, war ebenfalls ein Meierhof. Der nördlich des Alten Dorfs in Richtung Pente gelegene Hof ist seit 1910/11 nicht mehr im Besitz der nach ihm benannten Sippe Hörnschemeyer.Georg von der Haar: Die Geschichte des Hofes und der Sippe der Hörnschemeyer zu Wallenhorst, ein Beitrag zur Siedlungs- und Heimatgeschichte des Osnabrücker Raumes. Georgsmarienhütte 1971
Das Zentrum Wallenhorsts verlagerte sich nach der Fertigstellung der Neuen St.-Alexander-Kirche gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Westen zum Neuen Dorf. Die neue Kirche wurde nahe der gotischen Annakapelle aus dem 15. Jahrhundert auf dem Bokholt errichtet. Der Bokholt war der Versammlungsplatz der Stiftsstände des Hochstifts Osnabrück im 15. und 16. Jahrhundert. Das Alte Dorf östlich der Bundesstraße 68 behielt seinen ländlichen Charakter.
Am 4. April 1945 endete in Wallenhorst der Zweite Weltkrieg. Bereits am Vorabend hatten britische Truppen von Westen kommend den Osnabrücker Stichkanal erreicht und konnten über drei nicht zerstörte Brücken in Lechtingen einen Brückenkopf bilden. Der Volkssturm sollte die Brücken sprengen, jedoch unterblieb dieses, obwohl bereits Sprengstoff an den Brücken angebracht war. In mindestens einem Fall sollen Bürger aus Lechtingen die Sprengladung unschädlich gemacht haben.
Am 19. November 1966 stürzte die im Bau befindliche Brücke der B 68 über die Ruller Straße in sich zusammen. Da gerade Betonierarbeiten stattfanden, wurde der neben der Brücke befindliche Hexenstein unter dem noch flüssigen Beton größtenteils verschüttet. Erst 1997 wurde er wieder freigelegt.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Hollage, Lechtingen und Rulle eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Wallenhorst im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.
Bei den Zahlen handelt es sich um Fortschreibungen des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie NiedersachsenLandesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Bevölkerungsfortschreibung auf Basis der Volkszählung vom 25. Mai 1987.
Bei den Angaben aus den Jahren 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) handelt es sich um die Volkszählungsergebnisse einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden.
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Wallenhorst von 1961 bis 2017. Siehe auch Abschnitt #Eingemeindungen Jahr Einwohner 1961 9.700 1970 13.879 1987 20.752 1990 21.604 1995 22.844 2000 23.293 2005 24.135 Jahr Einwohner 2010 23.706 2011 23.557 2014 23.001 2016 23.125 2017 22.981 2018 23.081
Konfessionen mini|hochkant=0.95|Die gotische Annakapelle|linksmini|Die Alte St.-Alexander-Kirche in WallenhorstWallenhorst ist überwiegend römisch-katholisch geprägt, was sich im Gemeindewappen in Form eines Kreuzes widerspiegelt, die vier Rauten deuten die vier Ortsteile an. Rund 15.000 Katholiken gehören den drei Gemeinden St. Alexander (Wallenhorst, Lechtingen) mit der Alten und der Neuen St.-Alexander-Kirche, St. Josef (Hollage und Hollage-Ost) und St. Johannes (Rulle) an.
Neben den katholischen gibt es zwei evangelisch-lutherische Gemeinden: die Andreasgemeinde (Hollage und Alt-Wallenhorst) und die Paul-Gerhardt-Gemeinde (Lechtingen, Rulle sowie der Osnabrücker Stadtteil Haste) mit gut 5.000 Mitgliedern.
Im Ortsteil Rulle bestand von 1246/47 bis 1803 das Kloster Rulle, eine Abtei der Zisterzienserinnen.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat der Gemeinde Wallenhorst besteht aus 34 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.001 und 25.000 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 6. Dezember 2014 Die 34 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos).
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1972. Rat der Gemeinde Wallenhorst: Wahlergebnisse und GemeinderäteSPDCDUCDW/W1GrüneFDPAfDWWG2Die LinkePiratenEB Gesamt Wahl-beteiligung Wahlperiode % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Gesamtanzahl der Sitze im Rat %1972–1976– 9 – 20 – – – – – – – – – 2 – – – – – –3186,91976–1981– 11 – 19 – – – – – – – – – 3 – – – – – –3394,81981–1986– 8 – 16 – – – – – 2 – – – 5 – – – – – 13279,51986–1991– 9 – 21 – – – 2 – 1 – – – 2 – – – – – –3573,51991–1996– 10 – 17 – – – 3 – 1 – – – 4 – – – – – –3570,91996–200129,9 11 51,7 19 – –9,8 31,7 0 – – 7 2 – – – – – –1003569,52001–200638,2 13 49,3 18 – –4,8 11,1 0 – – 6,5 2 – – – – – –1003458,72006–201138,5 1348,0 16 – –5,8 22,8 1 – – 4,9 2 – – – – – –1003463,52011–201631,3 1142,8 15 – –12,8 4 – – – –10,2 31,6 11,4 0 – –1003458,72016–202131,01128,71018,166,323,51 – –8,632,711,10 – –1003463,52021–202629,01023,4821,3715,258,232,91– –– –– – – –1003463,9Prozentanteile gerundet.Quellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie NiedersachsenLandesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Tabelle 5000311, Landkreis OsnabrückSeite 47 Spalte „Gemeindewahlen“. Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet,da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen.1 Christlich, Demokratisch für Wallenhorst – Die Wählergruppe2 Wallenhorster Wählergemeinschaft. Hat sich 2020 der CDW/W angeschlossen.
Bürgermeister, Vorsteher und Gemeindedirektoren