Frederick Duane Sheffield (* 6. Juni 1914 in Port Angeles; † 10. Januar 1994 in New Haven) war ein US-amerikanischer Psychologe und Professor an der Yale University.B. A. Campbell; G. D. Ellison: Frederick Duane Sheffield (1914–1994). In: American Psychologist, 1997, 52 (1), S. 67. vom 22. Februar 2017, abgerufen am 31. Januar 2026.

Leben Er studierte an der University of Washington und erwarb 1937 hier einen B. Sci. und 1940 einen M. Sci. Unter der Mentorschaft von Edwin Ray Guthrie engagierte er sich lebenslang an dessen Lerntheorie. Danach wechselte er an die Yale University, wo Clark Hull der führende Lernpsychologe war. Das Studium musste er für eine Tätigkeit als Statistiker und Forscher im Kriegsministerium der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkrieges. Er promovierte 1946 am Psychologischen Institut der Yale University zum Ph.D.Psychology Dept. Ph.D. Graduates auf Yale University, abgerufen am 18. Februar 2026. 1947 wurde er an der dortigen Fakultät für Psychologie Dozent und Professor und arbeitete u. a. wesentlich am Yale-Ansatz zur Einstellungsänderung mit. Nach einer wissenschaftlich produktiven Phase, in welcher er seine sog. Drive-Induction Theory experimentell entwickelte, fokussierte er sich in seinen späteren Jahren auf die Lehre von Statistik und die Anleitung von Studierenden.

Werk Er wurde bekannt für seine Arbeit „The Contiguity Principle in Learning Theory“, in dem er Edwin Ray Guthries Kontiguitätstheorie des Lernens verteidigte und argumentierte, dass Lernen allein durch die enge zeitliche Verknüpfung von Reizen und Reaktionen erfolgt, ohne hypothetische Konstrukte wie das einer „Triebreduktion“ zu benötigen. Damit wurde er zum Kritiker der Bedürfnis- und Triebreduktionstheorien von Clark L. Hull. Während Hull argumentierte, dass Lernen nur stattfindet, wenn ein Trieb (wie etwa Hunger) reduziert wird, schlug er vor, dass Verstärkung durch die Anregung (Induktion) oder Auslösung von Triebzuständen geschieht. Dabei ist die Ausführung einer konsumatorischen Handlung (Consummatory Responses) wie Essen oder Trinken der bekräftigende Faktor, nicht die Reduktion des Hungers. Das Auslösen des Verhaltens selbst bringt die Befriedigung. Anstatt Spannung (Arousal) abzubauen, argumentiert er, dass das Verhalten durch das Erleben des Bedürfnisses und die damit verbundene Aktivierung, die beim Verzehr entsteht, aufrechterhalten wird. Als Beispiel konnte er bei Experimenten mit Ratten zeigen, dass das Trinken von saccharinhaltigem Wasser (das keinen Nährwert hat und somit den biologischen Hunger nicht reduziert) dennoch ein starker Verstärker für Lernen sein kann, weil der Verzehr als die verstärkende Reaktion erfolgt. Somit lässt sich sagen, dass er die Triebreduktionstheorie herausforderte, indem er zeigte, dass Aktivität und Verbrauch belohnender wirken als die bloße Reduzierung von physiologischer Spannung. Dies wurde allgemein als Sheffields „Drive-Induction Theory“ bzw. als „Consummatory Response Theory of Reinforcement“ (dt. konsumatorische Reaktionstheorie der Verstärkung) als verhaltenswissenschaftlich fundierte Erklärung bekannt. Damit wurde er auch Wegbereiter für das Premack-Prinzip von David Premack, welches besagt, dass wahrscheinlichere Verhaltensweisen (z. B. konsumatorische Handlungen) weniger wahrscheinliche Verhaltensweisen (z. B. instrumentelle Handlungen) verstärken können.

Er verfasste zusammen mit Carl I. Hovland und Arthur A. Lumsdaine 1949 das Werk „Experiments on Mass Communication“. Dieser Band gehörte zu der Reihe „The American Soldier“,The American Soldier auch als „Studies in Social Psychology in World War II“ bezeichnet. Dabei wurden die Auswirkungen von Propaganda und Lehrfilmen auf US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg, vor allem die Filmreihe „Warum wir kämpfen“, analysiert. Ihre Arbeit trug maßgeblich zur Etablierung der modernen empirischen Medienwirkungsforschung bei. Die Autoren untersuchen zumeist mithilfe sozialwissenschaftlicher Experimente, aber auch mit Fragebögen und Gruppeninterviews, ob Propagandafilme den Informationsstand und die Motivation der Soldaten verbessern, ob Wirkungen der Filme verzögert einsetzen (Sleeper-Effekt) und ob eine einseitige Argumentation besser wirkt als die Vorwegnahme von Gegenargumenten (zweiseitige Argumentation). Die eingesetzte Forschungsmethodik (z. B. die Nutzung von Real-Time-Response-Messungen) hat vielfältige Nachfolgestudien angeregt und ist bis heute eine der Grundlagen der Medienwirkungsforschung. Das Hauptziel der Studien war die Ermittlung der Wirkung der Filme auf das Wissen und die Meinungen der Soldaten zu den behandelten Themen. Die Ergebnisse aller untersuchten Orientierungsfilme waren einheitlich: Die Filme führten zu einem deutlichen Anstieg des Faktenwissens der Männer, hatten jedoch geringere Auswirkungen auf Meinungen oder Interpretationen der Fakten und kaum oder gar keine Auswirkungen auf die Motivation. Die Studien ermöglichten auch eine umfassende Analyse des Einflusses verschiedener demografischer und anderer Faktoren. Überraschenderweise erwies sich die intellektuelle Leistungsfähigkeit als das einzige Merkmal, das durchgängig in engem Zusammenhang mit den Wirkungen der untersuchten Kommunikationsmittel stand. Es zeigte sich auch, dass die Akzeptanz einer Botschaft für die Analyse von Meinungsänderungen von großer Bedeutung ist. Eines dieser Experimente untersuchte eine Technik, die das Publikum zu einer aktiveren Teilnahme am Lernprozess des im Film präsentierten Materials anregen sollte. Die Rolle dieses aktiven Beteiligungsverfahrens steigerte den Lernerfolg, die Verbesserung war jedoch größer, wenn die Motivation gering, das Material schwierig und die intellektuelle Leistungsfähigkeit der einzelnen Lernenden relativ niedrig war. Diese Forschungsergebnisse sind von grundlegender Bedeutung für Sozialwissenschaftler, Pädagogen und Medienschaffende, die an effektiven Kommunikationsstrategien interessiert sind.

Ehrungen/Positionen 1960 bis 1961: Fellowship year an der Yale UniversityFrederick D. Sheffield auf Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences der Stanford University, abgerufen am 17. Februar 2026.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Carl I. Hovland; Arthur A. Lumsdaine: Experiments on Mass Communication (Studies in social psychology in World War II, Vol. 3.). Princeton University Press, Princeton 1949 (Nachdruck: Princeton Legacy Library 2017, ISBN 978-0-691-65460-7.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge B. A. Campbell: The role of experience in the "spontaneous" activity of hungry rats. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1954, 47 (2), S. 97–100. Mit T. B. Roby; B. A. Campbell: Drive Reduction versus Consummatory Behavior as Determinants of Reinforcement. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1954, 47, S. 349–354. Mit B. A. Campbell: Relation of random activity to food deprivation. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1953, 46 (5), S. 320–322. Mit J. J. Wulff; R. R. Backer: Reward Value of Copulation without Sexual Drive Reduction. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1951, 44, S. 3–8. The contiguity principle in learning theory. In: Psychological Review, 1951, 58 (5), S. 362–367. Mit T. B. Roby: Reward value of a non-nutritive sweet taste. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1950, 43 (6), S. 471–481. Avoidance training and the contiguity principle. In: Journal of Comparative and Physiological Psychology, 1948, 41 (3), S. 165–77.

Weblinks

Experiments on Mass Communication auf items (Insights from the Social Sciences), abgerufen am 17. Februar 2026. Why We Fight: The Battle of Britain von US National Archives, auf YouTube, abgerufen am 17. Februar 2026. Fred D. Sheffield auf dialnet, abgerufen am 17. Februar 2026.

Literatur Byron A. Campbell; Gaylord D. Ellison: Frederick Duane Sheffield (1914-1994) . In: American Psychologist, 1997, 32 (1), S. 67.

Einzelnachweise

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