Thanos Kießling (* 15. März 1963 in Hof (Saale); † 14. April 2015 ebenda) war ein deutscher Dichter, Autor und Maler. Er verfasste vor allem Lyrik und Erzählungen. Seine Gemälde sind überwiegend Selbstporträts und Bilder mit sprachlichen Texten aus dem Bereich intermedialer Kunst.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 83.
Leben
Ausbildung Kießling lebte sein ganzes Leben lang in der Stadt Hof in Oberfranken und war dort tief verwurzelt. Er besuchte die ortsansässige Hofecker Schule als Grund- und Hauptschule (Volksschule) und absolvierte mit 15 Jahren den Hauptschulabschluss. Ein späterer Versuch zur Erlangung der mittleren Reife blieb erfolglos, ebenso brach er später eine Ausbildung zum Logopäden an der Berufsfachschule für Logopädie in Plauen gesundheitsbedingt um 2005 ab.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 76.
Berufliche Tätigkeiten und künstlerische Aktivitäten Besonders im regionalen Literatur- und Kulturbereich war Kießling in Oberfranken und der Stadt Hof bekannt. So übernahm er oft Tätigkeiten als Künstler und Autor, teilweise auf Honorarbasis. In den 90er Jahren war er Mitarbeiter am Projekt Kultur für alle und am Theater K (1988–1991), einer Hofer Theatergruppe, die Theaterstücke und eigene Bühneninszenierungen unter Leitung von Klaus Heinritz veranstaltete und zu der auch Claus Henneberg gehörte. An der Hofer Kulturnacht beteiligte er sich mehrere Male mit Autorenlesungen und berichtete in Glossen und Zeichnungen über die Internationalen Hofer Filmtage in der regionalen Tageszeitung Frankenpost. Zu den Krimitagen 2014 in Hof trug er eigene Texte aus dem Genre des Krimis zusammen mit Roland Spranger bei.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 77.
In einem Literatur-Projekt mit der staatlichen Realschule Naila verfasste Kießling gemeinsam zusammen mit Schülern und Senioren lyrische Texte, die in die Publikation einer Anthologie der Autorin Monika Meyer eingingen. Daneben vermittelte er Schülerinnen und Schülern am Gymnasium Pegnitz in Begabtenseminaren in den Sommerferien 2012 und 2013 kreatives Schreiben und leitete 2012 an der Volkshochschule (VHS) Hof eine Schreibwerkstatt für Interessierte an fünf Abenden. Mit der Veranstaltungsreihe Literaturbureau lud er zwischen 1996 und 2005 zahlreiche bekannte Autoren, wie beispielsweise Terézia Mora, Kurt Drawert, Utz Rachowski oder Hans-Joachim Schädlich nach Hof in das Galeriehaus Weinelt ein.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 81. In den letzten Jahren seines Lebens betreute Kießling auch eine Behindertengruppe des Bundesfreiwilligendienstes am Diakonischen Werk Bayern in Hof.
Literarisches Werk Thematisch setzte sich Kießling in seinen Werken besonders mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Exilliteratur auseinander. Seine lyrischen Texte beinhalten ebenfalls häufig die Themenbereiche Verfolgung und Exil.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 80. Sie sind gänzlich reimlos und ohne festes metrisches Schema und gehören strukturell zur modernen Lyrik.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 24. Kießling verwendete vor allem freie Verse und bediente sich einer knappen und verdichteten Sprache, wie sie in der Auffassung des Romanisten Hugo Friedrich für moderne Lyrik charakteristisch ist.Hugo Friedrich: Die Struktur der modernen Lyrik. Von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. München: 1956 Besonders auffällig ist in seiner Literatur das Merkmal der Intertextualität nach Gérard Genette.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 82.
Lebensweise und Tod Kießling war in seiner Jugend vereinsaktiver Kickboxer.
Trotz zahlreicher kultureller Tätigkeiten und Beschäftigungen galt die finanzielle Situation Kießlings überwiegend als prekär, er war auf private Spenden und Geldgeber angewiesen.Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019, S. 77. Über seine Lebensweise ist darüber hinaus überliefert, dass er als Lyriker häufig im Café saß, seine Umgebung beobachtete und sich spontan Notizen machte, die zum Teil Inspiration für seine Gedichte wurden.
Gesundheitlich litt Kießling zeit seines Lebens unter chronischer Darmentzündung und der mit der Behandlung verbundenen Gewichtszunahme. Er verstarb unerwartet 2015 im Alter von 51 Jahren in seiner Wohnung in Hof.
Postume Würdigung Nach seinem Tod 2015 wurde Thanos Kießling im Rahmen einer Veranstaltung am Jean-Paul-Gymnasium in Hof im Hinblick auf sein gesamtes literarisches Werk u. a. durch einen Vortrag des emeritierten Professors für Literaturwissenschaft Dieter Richter gewürdigt.
Die umfangreiche Privatbibliothek von Thanos Kießling, die er zeit seines Lebens aufgebaut hatte, wurde Ende 2016 dem Jean-Paul-Gymnasium in Hof übergeben. Dort steht sie Schülern und Lehrern als Ort der Inspiration und des Gedenkens zur Verfügung.
Veröffentlichungen
Monographien
Galerie der Steine: Gedichte, Berlin: Oberbaum Verlag, 1997. ISBN 978-3-928254-60-1 Nächtliche Brücken, Dresden: Verlag Die Scheune, 2000. ISBN 978-3-931684-47-1 Veränderte Ankunft, Dresden: Verlag Die Scheune, 2004. ISBN 978-3-931684-97-6 Der Liebe Orte schaffen, Dresden: Verlag Die Scheune, 2006. ISBN 978-3-937832-15-9 Zungenblut: Gedichte, Norderstedt: Books on Demand, 2015. ISBN 978-3-7347-4872-1
Texte in Bildbänden
Klaus Becher: Bilder der letzten Jahre, Hof: Hoermann, 1996. ISBN 978-3-88267-049-3
Aufsätze, Rezensionen und Beiträge
Die kraftvolle Trauer. Zu Edvard Kocbek; "Aschenglut", In: Ostragehege 8/1997. Von Blechbier, Kindern und Verratenen, In: Ostragehege 9/1997. Vorm Anfang. Die Trunkenheit lockt, In: Signum – Blätter für Literatur und Kritik, Sommer 2004, S. 133. Beitrag in: Monika Meyers Anthologie: Ich und Du: Ein Buch, geschrieben von Schülern und Senioren aus Naila., Monika Meyer (Hrsg.), Zwiebelzwerg Verlag 2012. ISBN 978-3-8680-6287-8
Literatur Hans Schönemann / Stefan Klein / Thomas Regenfuß (Hrsg.): An der Stundenlänge vorbei: Beiträge zum Verständnis des literarischen Werkes von Thanos Kießling. Hof: Jean-Paul-Gymnasium / Stadt Hof, Fachbereich Kultur, 2019. ISBN 978-3-9819204-1-3 Rezension: Uwe Claus: Der Zuversicht ein Revier oder mein Fluchtgepäck für alle Fälle. Zu Thanos Kießling "Der Liebe Orte schaffen / Margot Ehrich "Mädchenlied", In: Signum – Blätter für Literatur und Kritik, Winter 2009.
Weblinks
Thanos Kießling: Zungenblut readfy.com
Einzelnachweise
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