Am 1. Januar 2011 ereignete sich an Bord einer Tupolew Tu-154, mit der der Linienflug Kolavia-Flug 348 (Flugnummer IATA: 7K348, ICAO: KGL348, Funkrufzeichen: KOGALYM 348) vom Flughafen Surgut zum Flughafen Moskau-Domodedowo durchgeführt werden sollte, ein Kabinenbrand, wobei 3 der 134 Insassen starben und weitere 43 Insassen verletzt wurden.
Flugzeug Das Flugzeug war eine 26 Jahre alte Tupolew Tu-154B mit der Werknummer 83A-588. Die Maschine wurde am 13. November 1983 neu an die Aeroflot ausgeliefert und von dieser mit dem Luftfahrzeugkennzeichen CCCP-85588 zugelassen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Maschine im Juni 1993 mit dem neuen russischen Kennzeichen RA-85588 auf die Mavial Magadan Airlines zugelassen. Am 26. Januar 1999 wurde die Maschine mit demselben Kennzeichen auf Vladivostok Avia registriert. Sie erhielt am 16. November 2000 zusätzlich den Taufnamen Artem. Ab dem 24. Mai 2007 war die Maschine auf Kogalymavia zugelassen. Das dreistrahlige Mittelstreckenflugzeug war mit drei Mantelstromtriebwerken des Typs Solowjow D-30KU-154-II ausgestattet. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls hatte die Maschine eine Gesamtbetriebsleistung von 32.354 Betriebsstunden absolviert, auf die 13.147 Flugzyklen (= Starts und Landungen) entfielen.
Passagiere und Besatzung An Bord der Maschine befanden sich 116 Passagiere, acht Besatzungsmitglieder und zehn außer Dienst befindliche Mitglieder von Kogalymavia. Zu den Passagieren gehörten auch Mitglieder der in den 1990er-Jahren in Russland bekannten Boygroup Na-Na, denen es nach dem Unfall gelang, die Maschine sicher zu verlassen. Der 45-jährige Flugkapitän Sergej Kultschekajewitsch Sidorow verfügte über 12.202 Stunden Flugerfahrung, wovon er 2.780 Stunden im Cockpit der Tupolew Tu-154 abgeleistet hatte. Der 35-jährige Erste Offizier Jewgeni Olegowitsch Gatschenko hatte von seinen 3.775 Stunden Flugerfahrung 3.279 Stunden im Cockpit der Tupolew Tu-154 abgeleistet. Der 28-jährige Navigator Aleksander Wiktorowitsch Stepanez verfügte über 3.670 Stunden Flugerfahrung, alle davon mit der Tupolew Tu-154. Der 44-jährige Flugingenieur Oleg Walentowitsch verfügte über 9.960 Stunden Flugerfahrung, davon 3.928 mit der Tu-154. Die 40-jährige Purserin Anschelika Nikolajewna Gladkowna Налетала verfügte über 6.875 Stunden Flugerfahrung, 5.663 davon mit der Tu-154. Die 35-jährige Flugbegleiterin Tatjana Borisowa Jablutschinskaja verfügte über 7.515 Stunden Flugerfahrung, davon 6.982 Stunden mit der Tupolew Tu-154. Die 35-jährige Flugbegleiterin Polina Igorewna Profatilo verfügte über 7.120 Stunden Flugerfahrung, davon 5.151 mit der Tu-154. Die 26-jährige Flugbegleiterin Elena Aleksandrowna Atamowa verfügte über 826 Stunden Flugerfahrung, wovon 568 auf die Tu-154 entfielen.
Verlauf mini|Das Heck der ausgebrannten Maschine Am Morgen des 1. Januar 2011 wurde die Maschine am internationalen Flughafen Surgut auf den Abflug nach Moskau vorbereitet. Um 10:00 Uhr Ortszeit (05:00 Uhr UTC) – während das Flugzeug zurückgeschoben wurde und die Triebwerke gestartet wurden – brach im mittleren Rumpfbereich ein Feuer aus, das sich rasch in die Passagierkabine ausbreitete.
Die Triebwerke und das Hilfstriebwerk (APU) wurden umgehend abgeschaltet und die Notrutschen ausgefahren. Innerhalb von vier Minuten erreichten Feuerwehrfahrzeuge die Tupolew und begannen, die Flammen mit Schaum zu löschen; ihre Arbeit wurde jedoch durch Überlebende in der Nähe des Flugzeugs behindert. Um 10:20 Uhr stand das Flugzeug bereits vollständig in Flammen; auslaufender Flugkraftstoff ließ das Feuer auf das Vorfeld übergreifen.
Gegen 10:40 Uhr war der Brand unter Kontrolle; zu diesem Zeitpunkt waren vom Flugzeug nur noch das Heckteil und die äußeren Tragflächenbereiche erhalten geblieben. Drei Passagiere waren ums Leben gekommen, 43 weitere wurden durch Rauchgasvergiftungen oder Verbrennungen verletzt, vier davon lebensgefährlich.
Ursache Das Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee (MAK) Russlands leitete eine Untersuchung des Unfalls ein. Zudem wurde ein gesondertes Strafverfahren eingeleitet, um Vorwürfe wegen Verstößen gegen Transport- und Brandschutzvorschriften zu prüfen. Beide Flugdatenschreiber wurden geborgen und ausgewertet. Das russische Ministerium für Katastrophenschutz teilte mit, erste Untersuchungen deuteten darauf hin, dass ein elektrischer Kurzschluss die Ursache des Brandes gewesen sei; dieser habe im mittleren Rumpfbereich, vor den am Heck montierten Triebwerken, seinen Ausgang genommen.
Im September 2011 veröffentlichte das MAK seinen Abschlussbericht in russischer Sprache. Darin wurde bestätigt, dass die wahrscheinliche Brandursache ein Lichtbogen in einem Schaltpanel auf der rechten Rumpfseite war, in dem sich die Generatorenschütze befanden. Kurz nach dem Triebwerksstart schaltete die Besatzung die Generatoren wie üblich auf das Bordnetz; dabei funktionierten die stark verschlissenen Kontakte jedoch nicht ordnungsgemäß. Dies führte zu einer fehlerhaften Schaltkonfiguration, durch die Strom floss, der das Zehn- bis Zwanzigfache der Nennwerte erreichte und einen Lichtbogen auslöste. Das MAK stellte fest, dass für die betreffende Schalttafel kein Wartungsplan existierte.
Quellen Unfallbericht Tu-154, RA-85588, Aviation Safety Network https://www.baaa-acro.com/crash/ground-fire-tupolev-tu-154b-2-surgut-3-killed Ground fire of a Tupolev TU-154B-2 in Surgut: 3 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accident Archives
Kategorie:Flugunfall 2011 Kategorie:Tupolew Tu-154 Kategorie:Flugunfall in Russland