mini|hochkant|Wappen derer von Schwedler im Wappenbuch des Westfälischen Adels, Görlitz 1901–1903/Band 2/Tafel 293 Schwedler ist der Name eines sächsisch-anhaltisch-preußischen Briefadelsgeschlechts.
Geschichte Das Geschlecht stammt der Familienüberlieferung gemäß aus Švedlár (dt. Schwedler) in der heutigen Slowakei. In der Zeit der Gegenreformation habe die Familie ihren dortigen Erbbesitz verlassen müssen und trotz eines etwa 30 Jahre dauernden Prozesses gegen den Kaiser keine Entschädigung für das verlorene Eigentum erhalten.Erich Gierach (Hrsg.): Karpathenland. Vierteljahrschrift für Geschichte, Volkskunde und Kultur der Deutschen in den nördlichen Karpathenländern. 9. Jg. Reichenberg 1936, S. 112, Fußnote 59 (Google Bücher). Der erste urkundlich belegte Schwedler war Nikolaus Schwedler, 1480–1505 Stadtrat in Meißen.Schwedler (1919).
Siebmachers Wappenbuch gibt an, dass ein kurfürstlich-sächsischer Premierleutnant von Schwedler beim Chevauleger-Regiment „Herzog von Kurland“ vom Kurfürsten von Sachsen als Reichsvikar 1790 in den Reichsadelsstand erhoben worden sei.Hefner/Gritzner/Mülverstedt (1878), S. 372. Aber schon der aus Dessau stammende Leopold Friedrich von Schwedler (1709–1786) wurde 1748 als Gesandter Friedrichs des Großen beim Reichshofrat in Wien in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Jener war auch königlich preußischer Kriegs- und Domänenrat in Kleve und Stadtpräsident in Soest, vormals fürstlich anhalt-dessauischer Hofrat.Genealogisches Handbuch des Adels, Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser, A, Band 3, Limburg an der Lahn 1956, S. 435. Ihm und seiner Deszendenz wurde die Adelsführung in Preußen zum Teil nicht beanstandet.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band 128 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 2002, S. 212. Dessen Vater Johann Christian (1679–1735), fürstlich anhalt-dessauischer Wirklicher Hofrat, wurde bereits als Gesandter des fürstlichen Gesamthauses Anhalt am kaiserlichen Hof in Wien mit dem Adelsprädikat „von“ geführt, 1730 im Neu-eröffneten Europäischen Staats-TheatrumJohann Conrad Peetz: Neu-eröffnetes Europäisches Staats-Theatrum, Regensburg 1730, S. 69. und 1731 im kaiserlichen Staatskalender,Kaiserlicher und Königlicher, wie auch Erz-herzoglicher und dero Residenz-Stadt Wien Staats- und Stands-Calender, Wien 1731, S. 207. wie auch 1733.Kaiserlicher und Königlicher, wie auch Erz-herzoglicher und dero Residenz-Stadt Wien Staats- und Stands-Calender, Wien 1733, S. 207. 1718 hatte er als fürstlich anhalt-dessauischer Hofrat, im Auftrag seines Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau, bei Kaiser Karl VI. für den Fürsten Karl Friedrich von Anhalt-Bernburg das Gesuch um Erhebung von dessen morgatischer Gemahlin Wilhelmine Charlotte Nüssler in den Reichsgräfinnenstand eingereicht.Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/HHStA RHR Judicialia APA 192-58 Anhalt-Bernburg, Fürst Karl Friedrich von; Gesuch um Erhebung seiner Gemahlin Wilhelmine Charlotte Nüssler in den Reichsgräfinnenstand, 1718 (Abgerufen am 21. Februar 2026.) 1719 wurde sie zur Gräfin von Ballenstedt erhoben.Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel RAA 15.42 Ballenstedt, Wilhelmine Charlotte geborene Nüßler, Gemahlin des Carl Friedrich Fürst zu Anhalt, Grafen zu Ascanien und Herrn zu Bernburg, Grafenstand als „Gräfin von Ballenstedt” unter Hinweglassung ihres bisherigen Familiennamens, für sie und die mit ihrem Gemahl erzeugten Kinder. (Abgerufen am 22. Februar 2026.)
Der Familienname erscheint danach vielfach in den preußischen Armeelisten.Ledebur (1856), S. 424.Kneschke (1868), S. 397 f. Im 19. Jahrhundert wanderte ein Teil der Familie in die USA, im 20. Jahrhundert ein anderer nach Chile aus.
Persönlichkeiten Johann Christian Schwedler (1679–1735), fürstlich-anhaltischer Legationsrat, Hofrat in Zerbst und Dessau, Gesandter am kaiserlichen Hof in Wien Leopold Friedrich von Schwedler (1709–1786), 1748 beim Reichshofrat in Wien als Gesandter in Reichsfreiherrenstand erhoben, 1766 Soester Stadtpräsident Carl Richard Alexander von Schwedler (1828–1906), Wirklicher Geheimer Kriegsrat und Intendant Ferdinand von Schwedler (1839–1905), preußischer Generalmajor August Julius Carl Ludwig von Schwedler (1850–1916), Hauptmann a. D. und Oberbürgermeister in Sankt Goarshausen Viktor von Schwedler (1885–1954), General der Infanterie Alexander von Schwedler (* 1980), deutsch-chilenischer Fußballspieler
Wappen mini|hochkant|Wappen in Siebmachers Wappenbuch, Abgestorbener Anhaltischer Adel Blasonierung: In Blau ein goldener Schrägrechtsbalken, oberhalb ein goldener Stern, unterhalb eine silberne Ente (Schwan?) auf silbernen Wellen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Helmdecken ein goldener Stern zwischen zwei blauen Büffelhörnern.Spießen (1901–1903), S. 117.
Stammfolge Die sichere Stammfolge beginnt mit David Schwedler (1600–1660), obgleich der Familiengenealoge Ferdinand von Schwedler die urkundliche Erstnennung des Geschlechts bis 1338 zurückführte.Ferdinand von Schwedler: Stammtafel der Schwedler bis zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges. A. D. 1338–1648. 1938
Andere Adelsgeschlechter namens Schwedler Neben der hier beschriebenen Familie hat eine andere Familie von Schwedler 1695 von Kaiser Leopold I., als damaliger König von Ungarn in Personalunion, einen Adelsbrief erhalten. Diese Familie starb 1821 mit dem Tod von Rittmeister Johann von Schwedler aus. Eine dritte adelige Familie von Schwedler soll mit Wilhelm von Schwedler 1861 in Wien geadelt worden sein. Dessen letzter Nachkomme soll 1936 in Innsbruck als Rektor der Universität gelebt haben.
Literatur Otto Titan von Hefner, Alfred Grenser, George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 3 (Blühender Adel deutscher Landschaften unter preußischer Vorherrschaft), 2. Abt., Bd. 1, T. 2: Der blühende Adel des Königreichs Preußen: Edelleute M–Z, Nürnberg 1878, S. 372 (uni-goettingen.de) und Tfl. 421 (uni-goettingen.de). Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 8: Saackhen, Wailckhl v. Saackhen – Steinhauer zu Bulgarn. Leipzig 1868, S. 397 f. (Google Bücher). Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 424 (digitale-sammlungen.de). George Adalbert von Mülverstedt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 6 (Abgestorbene, erloschene Geschlechter), 11. Abt.: Ausgestorbener anhaltischer Adel, Nürnberg 1905, S. 56 (uni-goettingen.de) und Tfl. 32 (uni-goettingen.de). Ferdinand von Schwedler: Stammbaum der Familien Schwedler und v. Schwedler, Karlsruhe 1919 (PDF; 2,6 MB, abgerufen am 17. Februar 2026). Ferdinand von Schwedler: Stammtafel der Schwedler bis zum Ausgang des Dreißigjährigen Krieges. A. D. 1338–1648. 1938 Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 117 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 293 (hhu.de).
Weblinks Karpatenblatt. Magazin der Deutschen in der Slowakei: Die Familie des Barons von Schwedler (Veröffentlicht am 26. Juni 2020 vom Karpatendeutschen Verein; Auseinandersetzung zur Familiengeschichte mit Wappendarstellung; abgerufen am 21. Februar 2026.)
Einzelnachweise
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