mini|Josephine Girardelli bei einer ihrer Vorführungen. Karikatur aus dem Jahr 1818 von Charles Williams. Heute im British Museum. mini|hochkant|Josephine Girardelli in einem Stich von Robert Cooper aus dem Jahr 1823. Josephine Girardelli (* 1780;George Smeeton et al.: Memoirs of Signora Josephine Girardelli, S. 52. † 6. Juli 1830 in Wakefield) war eine italienische Zirkusartistin und Künstlerin. Im Vereinigten Königreich wurde sie unter dem Spitznamen The Fire Proof Lady berühmt, indem sie in Shows ihre Hitzebeständigkeit unter Beweis stellte. Sie nahm glühende Gegenstände oder ätzende Substanzen zu sich oder setzte sich diesen aus. Von den Zeitungen jener Zeit wurde sie auch als Queen of the Fire Eaters, die Königin der Feuerschlucker, bezeichnet.
Leben Über ihr Leben sind nicht viele Details bekannt. Der Erste, der versuchte, ihr Leben zu rekonstruieren, war Harry Houdini in seinem Buch Miracle Mongers and Their Methods. Sie wurde möglicherweise in den 1780er Jahren geboren. Laut der Inschrift auf ihrem Grab war sie bei ihrem Tod 44 Jahre alt, sie müsste also 1785 oder 1786 geboren worden sein. Auch über ihre Herkunft gibt es keine Gewissheit. Obwohl sie als Italienerin vorgestellt wurde und sowohl ihr Nachname als auch Houdini diese Version bestätigen, behaupten andere Quellen, dass sie in München geboren wurde und mit ihrem Mann fließend Deutsch sprach. Andere Quellen behaupten, dass sie spanischer Herkunft war.
Nach Auftritten auf dem europäischen Festland reiste sie ab 1810 mit ihrem Ehemann, einem als Simone Girardelli bekannten Illusionisten, durch das Vereinigte Königreich und Irland. Einen ihrer ersten Auftritte hatte sie 1814 in Portsmouth. Danach trat sie in verschiedenen Theatern zunächst mit großem Erfolg auf. Dennoch ließ der Erfolg gegen Ende der 1820er Jahre nach, sodass die Girardellis 1829 in Sheffield Eintrittskarten für ihre Show zu einem Viertel des normalen Preises verkauften. Neben den Shows organisierte Girardelli Ausstellungen mit von ihr geschaffenen Wachsfiguren, die Persönlichkeiten wie den Herzog von Wellington Arthur Wellesley, Napoleon und die damals kürzlich hingerichteten Mörder Burke und Hare darstellten. In dieser Phase ihrer Karriere widmete sich Girardelli wahrscheinlich mehr der Bildhauerei als den Feuershows.
Trotz des Aufsehens, das ihre Darbietungen erregten, und der Aufmerksamkeit, die ihre Tricks bei Skeptikern und anderen Künstlern hervorriefen, wurde zu Lebzeiten nie herausgefunden, wie sie es schaffte, sich bei ihren Nummern nicht zu verbrennen. Girardelli selbst behauptete, eine „spezielle Mischung“ zu verwenden, die auf die Haut aufgetragen wurde und sie vor bleibenden Schäden schützte. Laut Blackwood’s Magazine soll diese Mischung von ihrem deutschen Vater, einem Chemiker namens Odhelius, entwickelt worden sein. Die Wissenschaftler jener Zeit lehnten diese Möglichkeit jedoch ab, da es keine Substanz gab, die die Haut über einen längeren Zeitraum vor glühenden Gegenständen oder offenen Flammen schützen konnte.
Vorführungen mini|hochkant|Ankündigung von Girardellis Show Die Vorführungen begannen beispielsweise damit, dass Girardelli ihren Mund mit einer als Salpetersäure vorgestellten Substanz ausspülte. Nach einigen Sekunden spuckte sie die Substanz auf eine Eisenplatte, die zu korrodieren begann, um zu beweisen, dass es sich tatsächlich um Säure handelte. Anschließend nahm sie eine Pfanne mit heißem Öl, briet darin ein Ei und trank das heiße Öl oder spuckte es in Flammen, um dem Publikum zu zeigen, dass es sich um Öl handelte. Bei einer anderen Nummer wurde ein Zuschauer aufgefordert, einen Buchstaben mit geschmolzenem Siegellack aus Girardellis Mund zu prägen.
Ein weiterer Trick bestand darin, die Hände in geschmolzenes Blei zu tauchen und einen Teil davon zu trinken, wonach kleine, münzgroße, erstarrte Teile aus dem Mund kamen. Der Mund war nicht der einzige Teil, der scheinbar feuerfest war. Sie erhitzte eine Schaufel auf hohe Temperaturen, drückte sie auf ihre Haare und Arme und zeigte, dass diese unverändert blieben. Zum Abschluss leckte sie dann die Schaufel ab und versuchte, dem Publikum das Geräusch ihrer Zunge zu vermitteln, die auf der glühenden Platte brannte.
Erklärungsversuche Es wurden zahlreiche Theorien aufgestellt, um die scheinbar übermenschlichen Fähigkeiten von Girardelli zu erklären. Beispielsweise soll sie geschmolzenes Blei durch Quecksilber und die Säure durch eine neutrale Flüssigkeit ersetzt haben. In ähnlicher Weise soll kochendes Öl auf eine dünne Wasserschicht gegeben worden sein, sodass beim Erhitzen Dampf aus dem Wasser entwich und das Öl heißer erschien, als es tatsächlich war. Girardelli erhöhte dann wahrscheinlich die Spannung beim Zuschauer während der Vorführung mit großen Flammenspielen, wobei sie in Wirklichkeit die Kontaktzeit mit der glühenden Schaufel minimierte. Einige ihrer anderen Experimente nutzten möglicherweise den Leidenfrost-Effekt, bei dem sich zwischen einer Flüssigkeit und einer heißen Oberfläche eine isolierende Dampfschicht bildet.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Thomas Frost: The Old Showmen, and the Old London Fairs. Chatto & Windus, 1881, S. 235–236. Harry Houdini: Miracle Mongers and Their Methods. E. P. Dutton and Company, New York 1920.
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