Wanda Alwine Henriette von Gazen (* in St. Petersburg, Russisches Kaiserreich; † 6. September 1968 in Berlin (West)) war eine deutsche Augenärztin.

Leben und Wirken Der Vater Paul Schottländer (1843–1897) war Direktor einer chemischen Fabrik in St. Petersburg und kam aus der konvertierten jüdischen Familie Schottländer, die Mutter Johanna Gabriele (1852–1940) stammte aus den deutschbaltischen Adelsfamilien von Gersdorff und von Pröbsting.The Origins of the Families Schottlaender Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 15f., mit genealogischen und biographischen Angaben. Die Familie war weit verzweigt, zur entfernteren Verwandtschaft (Cousins 3. Grades) zählten Paul Schottländer und Bernhard Schottländer.

Wenige Jahre nach Wandas Geburt zog die Familie nach Charlottenburg bei Berlin, wo sie eine Mädchenschule besuchte. Danach lernte sie an der Handelsschule in Dresden.Amburger, 1988, S. 163f., 260, mit detaillierten biographischen Angaben, möglicherweise besuchte sie die Handelsschule erst nach der Ehe 1898 heiratete sie den Offizier Emil von Gazen (1868–1929) und zog mit ihm wahrscheinlich nach Kassel. Die Ehe wurde 1903 wieder geschieden.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel, Band 32, 1940, S. 191, (Auszug); später wurde er Oberstleutnant

Wanda von Gazen arbeitete ab 1901 in der Internationalen Handelsbank in ihrer Heimatstadt St. Petersburg. 1904/1905 war sie als Krankenschwester in einem holländischen evangelischen Lazarett in der Mandschurei während des Russisch-Japanischen Krieges tätig.Amburger, 1988, S. 159, mit einigen Details Danach machte sie eine Krankenschwesternausbildung in Hamburg und einen Realgymnasialabschluss. Ab 1909 studierte sie am Medizinischen Institut für Frauen in St. Petersburg. Ihr Staatsexamen konnte sie 1914 wegen des beginnenden Ersten Weltkrieges nicht beenden, sie wurde wegen ihrer deutschen Staatsangehörigkeit nach Kargopol im nordwestlichen Russland zwangsevakuiert.Amburger, 1988, S. 163 (kurzer Auszug)

1918 konnte Wanda von Gazen ihr Medizinstudium in Heidelberg fortsetzen, 1919 bestand sie das Staatsexamen, 1920 wurde sie promoviert und erhielt Ende des Jahres ihre Approbation.Wanda von Gazen Ärztinnen im Kaiserreich, die Dissertation konnte bisher nicht festgestellt werden Seit 1926 praktizierte sie als Augenärztin in einer eigenen Praxis in Berlin-Friedenau, danach einige Jahre in Berlin-Wilmersdorf und seit 1934 wieder in Friedenau., erster Eintrag im Adressbuch, ; erwähnt auch in Medizinische Klinik, 30, 1934, S. 4 (Auszug), Fachzeitschrift gab Wechsel von Berlin-Wilmersdorf nach Berlin-Friedenau an; Amtliches Fernsprechbuch für den Bezirk der Reichspostdirektion Berlin, 1940, S. 24 In dieser Zeit galt sie als Mischling ersten Grades, durfte aber weiter arbeiten. Sie setzte diese Tätigkeit auch nach 1945 fort und ging 1953 in den Ruhestand.Berliner Branchen-Adressbuch, 1946, S. 26; Fachärzte a) für Augen, (...) v. Gazer, Wanda, Friedn. Laubacher Straße 7

Wanda von Gazen war Mitglied im Hartmannbund. Sie hatte keine Kinder. Ihr Neffe Erik Amburger (1907–2001) war Historiker, ihr Neffe Johann Wolfgang Schottländer (1905–1943) Musikwissenschaftler.

Literatur Erik Amburger: Deutsche in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft Russlands. Harrassowitz, Wiesbaden 1988. S. 159, 163–164, S. 260, mit ausführlichen biographischen Angaben

Weblinks Wanda Gazen Ärztinnen im Kaiserreich, mit biographischen Details Wanda Gazen Medizinhistorisches Institut der Charité Berlin The Origins of the Families Schottlaender Lars Menk (PDF; 0,5 MB), S. 15–16, mit ausführlichen biographischen Angaben

Einzelnachweise

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