mini|Johannes Brahms um 1853 Das Scherzo es-Moll op. 4 für Klavier ist das früheste Werk von Johannes Brahms (1833–1897), das unter seinem Namen veröffentlicht wurde. Die Komposition entstand 1851 in Hamburg.
Entstehung Johannes Brahms komponierte das Scherzo es-Moll im August 1851 in Hamburg. Dort spielte er es Henry Litolff vor, der das Werk lobte. Auf Konzertreise mit dem Geiger Eduard Reményi im Frühjahr 1853 spielte Brahms es ebenfalls bei mehreren Gelegenheiten. Max Kalbeck beschreibt, gestützt auf Erinnerungen von William Mason, den Besuch des jungen Brahms im Juni 1853 in Begleitung Reményis bei Franz Liszt in dessen Wohnsitz, der Weimarer AltenburgMax Kalbeck: Johannes Brahms, Bd. I, 1. Halbband, Berlin 1921, Reprint Tutzing 1976, S. 81–83. Dort spielte Liszt, da Brahms sich weigerte, dessen Scherzo prima vista bravourös aus dem kaum lesbaren Manuskript und kommentierte es währenddessen. Der ebenfalls anwesende Joachim Raff verwies auf Ähnlichkeiten zum b-Moll-Scherzo von Chopin. Tatsächlich gibt es Anklänge im Hauptgedanken, Brahms bestritt aber, zum Kompositionszeitpunkt die Scherzi Chopins gekannt zu haben. Deutlicher ist ein Zitat aus der Ouvertüre zur Oper Hans Heiling von Heinrich Marschner im zweiten Teil des Scherzos. Das Scherzo befand sich auch unter den Werken, mit denen sich Brahms im Herbst 1853 bei Robert und Clara Schumann in Düsseldorf einführte.
Die Drucklegung des Scherzos erfolgte im Februar 1854 unter der Opuszahl 4 im Verlag Breitkopf & Härtel (Leipzig), versehen mit einer Widmung an den am Leipziger Konservatorium tätigen Pianisten Ernst Ferdinand Wenzel.
Charakterisierung Die Spieldauer des Scherzos es-Moll op. 4 liegt um die 9 Minuten.Liste von Einspielungen mit Spieldauer
Strukturell deutet manches auf Einflüsse der Scherzi Chopins. Viele Charakteristika des reiferen Brahms sind bereits vorhanden, wie parallele Terzen und Sexten, dichter, akkordischer Satz und die kontrapunktische Textur. Das Scherzo ist in mehrere Abschnitte gegliedert, mit zwei Trios anstatt des üblichen einen. Wie in Chopins 4. Scherzo wirken auch hier die Scherzo-Abschnitte wie locker strukturierte Sonatenformen, einschließlich einer Durchführung. Der rhythmisch prägnante Scherzo-Teil (Takt 1–151) wird nach dem Trio I wiederholt. Den ersten Scherzo-Abschnitt (T. 1–32) prägt ein durch Pausen abgesetztes Auftaktmotiv, während der zweite Teil (T. 33–80) ein eigenes es-Moll-Thema bringt, das aus Marschners Ouvertüre zu Hans Heiling entlehnt ist (s. o.). Das Trio I (T. 152–300) beginnt in Es-Dur, während der Beginn des Trio II (T. 301–462) in H-Dur notiert ist. Eine Überleitung führt ab T. 431 allmählich in den variierten Scherzo-Teil zurück, den eine Stretta beschließt (ab T. 604).
Einzelnachweise
Literatur Katrin Eich: Vorwort zur Urtext-Ausgabe des Scherzos es-Moll op. 4, C. Henle HN 569. Katrin Eich: Die Klavierwerke / Klavierstücke I. In: Wolfgang Sandberger (Hrsg.): Brahms Handbuch. Metzler, Stuttgart und Bärenreiter, Kassel 2009, ISBN 978-3-476-02233-2, S. 340–341.
Weblinks
Opus 4, Scherzo für Klavier, Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck Angaben bei allmusic.com, Steven Coburn (engl.)
Kategorie:Werk von Johannes Brahms Kategorie:Klaviermusik Kategorie:Musik 1851