mini|Selbstporträt
Adolphine Herpp (* 24. April 1845 in Rastatt; † 1923 in Baden-Baden) war eine deutsche Malerin.
Leben und Werk Adolphine Herpp war das jüngste von vier Kindern des Regierungsregistrators Josef Bernhard Herpp († vor dem 5. Juli 1857). Die wohlhabende Bürgerfamilie wohnte in der Kapellenstraße 16 in Rastatt und zog 1851 nach Karlsruhe.
1861/62 begann Herpp eine künstlerische Ausbildung und erhielt im „Dilettantenatelier für Damen“ Unterricht im Landschaftszeichnen und in der Ölmalerei bei Johann Wilhelm Schirmer, dem Gründungsdirektor der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe. Um 1864/65 war sie in der Antikenklasse beim Schirmer-Schüler und Anatomielehrer Karl Roux. In dieser Zeit entstanden etliche Zeichen- und Ölstudien zu Abgüssen antiker Skulpturen in der Großherzoglichen Kunsthalle. Ab 1866 nahm sie an Gruppenausstellungen des Kunstvereins Baden-Baden teil. Über Turnusausstellungen des Rheinischen Kunstvereins konnte sie auch in Heidelberg, Freiburg, Stuttgart und Mainz ausstellen.
Anschließend setzte sie ihre Studien in München fort, wo sie Privatunterricht bei Josef Flüggen und beim Piloty-Schüler Alexander Liezen-Meyer sowie an der gerade gegründeten Weiblichen Kunstschule erhielt, da der Zugang zur Akademie Frauen damals noch verwehrt war. Sie erlernte dort das Aktzeichnen, die Genremalerei sowie Perspektive und Anatomie. Aus ihrer Münchner Studienzeit stammt ein Selbstporträt (datiert 1870), das sich im Besitz des Stadtmuseums Rastatt befindet. 1873 schloss Herpp ihr Kunststudium mit dem Examen für Zeichenlehrerinnen ab und nahm mit zwei Porträts und einem Stillleben an der Weltausstellung in Wien teil.
Sie siedelte nach Baden-Baden über, wo sie 1878 eine Anstellung als Zeichenlehrerin an der Höheren Töchterschule erhielt. Nach sechs Jahren wurde sie ohne Angabe von Gründen durch einen männlichen Kollegen ersetzt. Es folgte ein Rückzug aus ihrer Ausstellungstätigkeit und aus dem öffentlichen Leben.
Noch in ihren vierziger Jahren bot sie ihren künstlerischen Nachlass den Städten Baden-Baden und Rastatt an, die jedoch ablehnten. Schließlich vermachte sie diesen dem Ersten Deutschen Reichswaisenhaus in Lahr, von wo aus sich ihr Werk zerstreute. Eine ganze Reihe an Zeichenstudien und Ölgemälden konnte 1996 vom Stadtmuseum Rastatt angekauft werden.
Herpp blieb zeitlebens unverheiratet und starb 1923 in Baden-Baden.
Werke (Auswahl) Selbstbildnis, signiert AH, datiert 1870, ausgestellt im Stadtmuseum Rastatt 1873: Portriat des Advokaten Leo Weber oder Porträt des Rechtsanwalts Leo Weber in Solothurn in seinem 32. Altersjahre (Ölgemälde ohne Signatur) Zeichnung nach einem Gemälde der Prinzessin Catharina Barbara 1650—1733 von Baden-Durlach für einen Holzschnitt von F. Lederle (Kniestück: Rathaus Durlach). Blick auf Marktplatz und Stiftskirche (Baden-Baden) Essende Knaben Geld zählende Mädchen
Rezeption Adolphine Herpp – Lucian Reich – Zwei Künstlerleben. Ausstellung im Stadtmuseum Rastatt vom 25.10.2020 bis 05.04.2021
Literatur
Des Lahrer hinkenden Boten neuer historischer Kalender für den Bürger und Landmann. Lahr 1925, S. 34. Iris Baumgärtner, Wolfgang Reiß: Adolphine Herpp. 1845–1923. Die Kunst, im 19. Jahrhundert eine Künstlerin zu werden. Begleitpublikation zur Ausstellung im Stadtmuseum Rastatt, Rastatt 1996.
Weblinks Adolphine Herpp lfrbw.de
Einzelnachweise
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