Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens (Originaltitel: Amélie et la Métaphysique des tubes) ist ein 2025 erschienener französischer Animationsfilm von Maïlys Vallade und Liane-Cho Han.

Handlung Amélie ist ein kleines Mädchen aus einer belgischen Familie, die in Japan lebt. Bis zu ihrem zweiten Geburtstag befindet sie sich in einer Art vegetativen Zustand, von dem sie glaubt, dass er sie für alle um sie herum zu einer Göttin macht. An ihrem zweiten Geburtstag kommt es zu einem Erdbeben, durch das sie aus ihrem vegetativen Zustand erwacht und sich frei bewegen kann. Dies führt dazu, dass Amélie ihre Familie ablehnt, weshalb ihr Vater auf Empfehlung der Vermieterin Kashima eine Nanny, Nishio-san, engagiert. Auch kommt Amélies Großmutter Claude für eine Weile zu ihnen und gibt ihr weiße Schokolade, was Amélie beruhigt. Sie beginnt, eine Bindung zu ihrer Familie aufzubauen, außer zu ihrem Bruder André.

Als Claude nach Belgien zurückkehrt, ist Amélie sehr traurig. Nishio liest ihr ein Buch über Yōkai vor, die beiden freunden sich an und verbringen viel Zeit zusammen. Als Claude stirbt, reist Amélies Vater zurück nach Belgien, Amélie bleibt traurig und verwirrt über das Konzept des Todes zurück. Nach seiner Rückkehr geht die Familie gemeinsam zum Strand. Amélie, der Nishio zuvor von ihren eigenen Erinnerungen am Strand erzählt hat, nimmt ein Glas, um es mit Strand-Erinnerungen für Nishio zu füllen. Als sie neugierig Meeresbewohner beobachtet, wird Amélie von den Wellen erfasst und ertrinkt beinahe. Ihr Bruder André rettet sie, sodass sie endlich auch zu ihm eine Beziehung aufbauen kann. Zurück zu Hause übergibt Amélie das Glas an Nishio, die ihr dafür dankt. An Amélies drittem Geburtstag trifft sie Nishio im Haus von Kashima, die Nishio dafür rügt, dass sie sich mit Amélie angefreundet hat und sie fragt, ob sie ihre eigene Familie vergessen habe. Amélie wird dabei erwischt, wie sie ihr Gespräch belauscht. Als Nishio sie zu ihrer Familie zurückbringt, wird sie von Kashima vor Amélies Familie bloßgestellt. Nishio kündigt als Kindermädchen, sodass Amélie ihren dritten Geburtstag allein feiern muss. Amélie bekommt ihr Geburtstagsgeschenk: drei Koi-Karpfen. Ihr Vater teilt Amélie jedoch mit, dass die Familie bald nach Belgien zurückziehen wird, was sie noch mehr aufregt. Eines Tages, während sie ihre Koi füttert, stürzt sich Amélie in den Teich. Dort trifft sie Claude, die ihr sagt, dass ihre Zeit noch nicht vorbei ist. Amélie sieht eine Vision aus ihrer Vergangenheit, in der sie Nishio zum Fenster begleitet, die ihr sagt, sie solle aufwachen. Amélie findet sich in einem Krankenhaus wieder, nachdem sie von Kashima und Nishio gerettet wurde. Viel später genießt die Familie den Winter, und da Amélie nun weiß, wie kostbar ihre Zeit mit Nishio ist, erkennt sie offiziell, dass sie keine Göttin, sondern ein Mensch ist.

Hintergrund Der Film basiert auf dem autobiographischen Roman Metaphysik der Röhren (Originaltitel: Métaphysique des tubes) der belgischen Autorin Amélie Nothomb. Diese wuchs als Tochter eines Diplomaten in Japan auf und entwickelte in ihrer frühen Kindheit eine enge Bindung zu ihrer Nanny Nichio-san. Die Namen der Geschwister und Eltern Amélies im Film basieren auf denen der Familie Amélie Nothombs.

Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens feierte im Rahmen einer Sondervorführung bei den Filmfestspielen von Cannes im Mai 2025 Premiere. Der Animationsfilm wurde bei verschiedenen Filmfestivals gezeigt und gewann zahlreiche Preise. Bei den Golden Globe Awards 2026 wurde er als bester animierter Spielfilm nominiert, ebenso bei der Oscarverleihung 2026 als bester Animationsfilm.

Rezeption Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens wurde insgesamt sehr positiv aufgenommen. Bei Rotten Tomatoes wurde er mit 97 % auf dem Tomatometer bei 71 Rezensionen bewertet. Zusammenfassend wurde dort beurteilt, dass der Film mit einer scheinbar einfachen Geschichte und dynamischen Farben komplexe Emotionen vermittelt und ein bezaubernder Animationsfilm voller Weisheit ist.

Peyton Robinson schrieb in seiner Rezension, dass der Film Nostalgie meistert und Japans Landschaft durch die Augen eines Kindes in einen Spielplatz von Wundern und Fantasie verwandelt. Die kleine Amélie oder Der Charakter des Regens sei ein Liebesbrief zur Tiefgründigkeit von multikulturellen Einflüssen bei der Erziehung und deutet auf Möglichkeiten zur Verständigung hin. Eine Kritik Robinsons hingegen ist, dass der Film in seinem Ton nicht ausgeglichen ist, seine Sentimentalität zum Teil ins Kitschige kippt und wenn er versucht, ernst zu sein, dies nur halbherzig gelingt.

Mansel Stimpson für Film Review Daily rezensiert, dass der Film ein Animationsfilm ist, der eher Erwachsene als Kinder anspricht. Positiv hervorgehoben werden die Animation und die Charakterdarstellung, insbesondere die Beziehung zwischen Amélie und Nichio-san. Kritisch angemerkt wird hingegen, dass einige visuelle Elemente und surrealere Passagen zu elaboriert wirken und damit den dramatischen Kern etwas untergraben. Insgesamt vergibt Stimpson 3,5 von 5 Sternen.

Yannick Bracher kritisiert, dass die Charakterzeichnung sehr schwarz-weiß in gut und schlecht aufgeteilt ist, sodass die Hintergründe des Verhaltens mancher Charaktere (zum Beispiel der Vermieterin) nicht thematisiert werden. Positiv hervorgehoben wird der „sehr schöne“ Animationsstil, die farbenfrohen Bilder und die Bildsprache. Insgesamt wird resümiert, dass der Film zu wenig Zeit hat, um die neben den kindlichen Abenteuern angesprochenen seriösen Themen ausführlich auszuarbeiten.

Synchronisation +RollennameOriginalsprecherAmélie (Erzählerin)Loïse CharpentierNishio-sanVictoria GrosboisKashima-sanYumi FujimoriClaude, die GroßmutterCathy CerdaPatrick, der VaterMarc ArnaudDanièle, die MutterLaetitia CorynJulietteHaylee IssembourgAndréIsaac SchoumskyArzt / RadioFrançois RaisonAmélie (Dialog)Emmylou Homs

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Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Trickfilm Kategorie:Kindheit im Film