mini|Julieta Castellanos (2016)

Julieta Gonzalina Castellanos Ruiz (geb. 8. Januar 1954 in San Francisco de Becerra) ist eine honduranische Soziologin. Sie ist seit 2009 Dekanin der Nationalen Autonomen Universität von Honduras (UNAH). Castellanos ist bekannt für ihre Kampagnen gegen Gewalt in Honduras, wobei sie sich sowohl auf Drogenkartelle als auch auf Polizeikorruption konzentriert. Sie hat sich für eine Justiz- und Polizeireform eingesetzt. Castellanos gründete 2004 das Observatorio de la Violencia (Gewaltbeobachtungsstelle) an der UNAH, ein Zentrum, das Kriminalitätsstatistiken in Honduras analysiert. Sie war auch Mitglied der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die die Aufgabe hatte, die Fakten im Zusammenhang mit dem Staatsstreich in Honduras 2009 zu klären, durch den Präsident Manuel Zelaya gestürzt wurde.

Herkunft und Ausbildung Julieta Castellanos Ruiz kam 1954 in San Francisco de Becerra im Departamento Olancho als Tochter von Rafael Castellanos und Ernestina Ruiz zur Welt. Sie wuchs in einer durch den Zuckerrohranbau geprägten ländlichen Region auf. Von 1968 bis 1973 absolvierte sie ein Studium an einer Akademie in Tegucigalpa, das sie mit einem Lehrdiplom abschloss. 1974 erhielt sie zwei Stipendien, um an der Universidad Nacional Autónoma de Honduras (UNAH) Sozialarbeit und an der Pädagogischen Hochschule Sozialwissenschaften zu studieren. Sie schloss ihr Studium mit einem B.A. in Soziologie an der Universität von Costa Rica ab.

Nach Abschluss ihres Studiums wurde Castellanos 1978 Professorin an der UNAH. Von 1997 bis 2001 war sie Leiterin des Fachbereichs Sozialwissenschaften und Präsidentin der Lehrervereinigung. Castellanos war außerdem 1986 Präsidentin der Professorenvereinigung des Universitätszentrums für allgemeine Studien (CUEG), seit 2005 Koordinatorin der Beobachtungsstelle für Gewalt, Beraterin der Arias-Stiftung für menschlichen Fortschritt und des Washingtoner Büros für Lateinamerika (WOLA) sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Centro de Documentatión de Honduras (CEDOH). Außerdem ist sie Mitglied des Thinktanks Inter-American Dialogue.

13 Jahre lang war Castellanos auch Autorin einer Zeitungskolumne.

Rektorin der UNAH Castellanos wurde 2009 für eine vierjährige Amtszeit zur Rektorin der UNAH gewählt. Zum Zeitpunkt ihrer Ernennung war sie Koordinatorin der UNAH-Gewaltbeobachtungsstelle und Direktorin des Instituto Universitario en Democracia Paz y Seguridad [Institut für Demokratie, Frieden und Sicherheit] (IUDPAS), das mit Unterstützung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) und der Schwedischen Agentur für internationale Entwicklungszusammenarbeit (SIDA) gegründet wurde.

Kurz nach ihrer Ernennung wurde der honduranische Präsident Manuel Zelaya durch einen Staatsstreich abgesetzt. Während einer Demonstration von Universitätsstudenten wurde Castellanos von der Polizei zu Boden gestoßen, als sie sich der Auflösung der Versammlung entgegenstellte.

Castellanos wurde im September 2013 für eine weitere Amtszeit als Leiterin der Universität wiedergewählt.

Kampagnen gegen Gewalt und Korruption Castellanos setzte sich vehement für eine Polizeireform und Maßnahmen zur Eindämmung der Gewaltverbrechen in Honduras ein. Sie befürwortete eine internationale Kommission, die eine Säuberung der Polizei überwachen sollte, eine Idee, die auch vom honduranischen Nationalkongress gebilligt wurde. Castellanos äußerte sich auch zur Waffenpolitik in Honduras und forderte die honduranischen Streitkräfte auf, illegale Schusswaffen, einschließlich AK-47s, zu vernichten.

Im Oktober 2011 wurde der 22-jährige Sohn von Castellanos von Angehörigen der honduranischen Polizei entführt und ermordet. Der Vorfall machte auf das Ausmaß der Korruption innerhalb der honduranischen Polizei aufmerksam. Castellanos forderte ein Ende der ausländischen Hilfe für die honduranische Polizei und das Militär.

Honduras gehört angesichts massiver Banden- und Drogenkriminalität und weit verbreiteter Korruption zu den unsichersten Ländern Lateinamerikas. Es ist mit derzeit etwa 38 Tötungen pro 100.000 Einwohner das Land mit der zweithöchsten Mordrate, Opfer werden immer wieder kritische Journalisten, Gewerkschafter und Menschenrechtsaktivisten. Bei Frauenmorden ist Honduras das Land mit der höchsten Rate in ganz Lateinamerika. Die wirtschaftliche Situation führt seit Jahrzehnt zu Armut und Perspektivlosigkeit, was zu einem starken Emigrationsdruck führt.

Ende 2021 konnte die linksgerichtete Präsidentin Xiomara Castro einen klaren Wahlsieg erringen. Castro ist die Ehefrau des 2009 gewählten und dann aus dem Land vertriebenen Präsidenten Manuel Zelaya. Mit ihrer Wahl endete die zwölf Jahre dauernde Regierungszeit der als von vielen Honduranern als korrupt empfundenen Nationalpartei Partido Nacional de Honduras (PNH). Castros Vorgänger, Juan Orlando Hernández, wurde kurz darauf medienwirksam an die USA überstellt, wo eine Anklage wegen der Einführung von Kokain und illegalen Waffenbesitzes bestand. 2024 wurde er von einem Geschworenengericht in New York City schuldig gesprochen. Im Urteil wurde festgestellt, dass Hernández das zentralamerikanische Land in einen „Drogenstaat“ verwandelt habe. Sein jüngerer Bruder war bereits 2021 in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Xiomara Castro kündigte die Bekämpfung von Korruption, Drogenhandel und organisiertem Verbrechen an und versprach eine Entmilitarisierung des Landes, eine Polizeireform und eine Verringerung der Migration. Ihre Regierungskoalition hatte allerdings keine Mehrheit im Parlament. Widerstände ergaben sich aus den weiter engen Verbindungen zwischen staatlichen Behörden und organisierter Kriminalität.

Trotz der Schwierigkeiten genoss Castro in der Bevölkerung großen Rückhalt. Insbesondere wurde der Einsatz der Präsidentin für Frauenrechte anerkannt, so legalisierte sie beispielsweise den Zugang zur „Pille danach“. Die Korruption zeigt sich vor allem im Rechts- und Polizeiwesen. Honduras stand 2023 im Rule of Law Index des World Justice Project auf der viertletzten Stelle der lateinamerikanisch und karibischen Länder; etwa 87 % der Morde bleiben ungesühnt. Keiner der Versuche zur Reform der Polizeikräfte konnte bis dahin die tiefverwurzelte Korruption beseitigen. Zivilgesellschaftliche Aktivisten und Angehörige von Minderheiten sind am stärksten von Gewalt betroffen, ein prominentes Beispiel ist die international bekannte Umweltaktivistin Berta Cáceres, die 2016 von Auftragsmördern getötet wurde.

Auszeichnungen mini|Verleihung des International Women of Courage Awards (2013)

2012 Martin Luther King, Jr. Award der Martin Luther King, Jr. Stiftung und des Instituto Hondureño de Cultura Interamericana verliehen durch die US-amerikanische Botschafterin Lisa Kubiske 2013 International Women of Courage Award des US-Außenministeriums verliehen durch John Kerry und Michelle Obama

Weblinks Interview with Castellanos Video von Red Iberoamérica LIDER: Julieta Castellanos - Rectora de la UNAH - Honduras, eingestellt am 8. Dezember 2014

Einzelnachweise

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