Czarnocin (deutsch Zartenthin) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Stepnica (Gemeinde Stepenitz) im Powiat Goleniowski.
Geographische Lage Das Dorf liegt im Nordwesten Polens, östlich des Stettiner Haff, etwa 25 Kilometer nördlich des Stadtzentrums von Stettin (Szczecin), 29 Kilometer südsüdwestlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern), acht Kilometer nordnordwestlich des Dorfs Stepnica (Stepenitz) und 2,5 Kilometer nördlich des Dorfs Kopice (Köpitz).Zartenthin, Gutsbezirk, östlich am Stettiner Haff, Kreis Cammin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Zartenthin (meyersgaz.org).
Nördlich des Dorfkerns verläuft der Kanał Czarnocińskie (Zartenthiner Kanal), der das Haff mit dem Prof-Janina-Jasnowska-Naturschutzgebiet Czarnocin verbindet.
mini|Strand des Dorfs am Stettiner Haff mini|Durch das Köpitzer Moor verlaufender Zartenthiner Kanal, früher zur Verschiffung von Torf über das Stettiner Haff genutzt (August 2025)
Geschichte Bei dem Dorf war ein Feuersteindolch aus vorgeschichtlicher Zeit gefunden worden.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 170. 1318 wurde der Ort urkundlich erstmals unter dem Namen Ceretin erwähnt.Friedrich Lorentz: Slawische Namen Hinterpommerns. Bearbeitet von Friedhelm Hinze. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Veröffentlichungen des Instituts für Slawistik, Nr. 32. Berlin 1964. Neuauflage: de Gruyter, Berlin 2022, S. 143 (Google Books, eingeschränkte Vorschsau). Um 1782 war Zartenthin eine Unterförsterei, die zum königlichen Amt Stepenitz gehörte. In der Drangsals-Periode nach dem Tilsiter Frieden war fast der gesamte Forstgutsbezirks Zartenthin vom Domänen-Fiskus veräußert worden und befand sich um 1840 im Privatbesitz des Barons Theodor Georg v. Puttkamer.
Durch einen Vertrag vom 1. Oktober 1811 hatte der Domänen-Fiskus auch dem Oberamtmann Hermann Castner das Gut Hagen und zusammen mit diesem das Vorwerk Alt Sarnow nebst Hammelschäferei, Neu Sarnow und Schminz verkauft. Der neue Besitzer löste das Vorwerk Alt Sarnow auf, teilte dessen Gemarkung neu ein und legte darauf ein neues Dorf an, das er später – mit Genehmigung der Regierung vom 18. Januar 1817 – Hermannsthal nannte.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 388–389 (Google Books). Am 6. Mai 1828 wurde dem Gut Hagen der Status eines kreistagsfähigen Ritterguts zuerkannt.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 384–385 (Google Books). Nach dem Tod des Oberamtmanns Castner verkaufte dessen Sohn, Lieutenant Wilhelm Castner, Hermannsthal und die anderen genannten Güter, die dadurch vom Gut Hagen abgetrennt wurden, an den Gutsbesitzer Baron v. Puttkamer zu Zartenthin. Dieser beantragte sogleich die Kreistagsfähigkeit für die kombinierten Güter Hermannsthal und Schminz, die auch durch Beschluss des Staats-Ministeriums vom 15. Juli 1844 verliehen wurde. Die Kreisstandschaft der beiden Güter war jedoch nur von kurzer Dauer, denn am 27. Januar 1854 wies der Landrat Georg von Köller (1823–1916) darauf hin, dass die Güter wegen bereits vorgenommener und aktuell andauernder Parzellierungen nicht mehr das Normalmaß von 1000 Morgen erreichten. Die verkleinerten Güter Hermannsthal und Schminz wurden dann durch Verfügung des Ministeriums des Inneren vom 17. Juli 1855 in der Ritterguts-Matrikel gelöscht. Der aus Zartenthin, Schminz und Hermannsthal zusammengesetzte Gutsbezirk, der auch als ‚Gut Zartenthin‘ bezeichnet worden ist, galt fortan amtlich als gewöhnliches Gut.Georg Ernst Maximilian von Köller: Statistische Darstellung des Camminer Kreises – Geschrieben im Winter 1865/66, Behrendt, Cammin in Pommern 1867, S. 133 (Google Books).
Um 1864 wurde unterschieden einerseits zwischen der Ortschaft Zartenthin königlichen Anteils, oder Alt Zartenthin, die zur Landgemeinde Köpitz gehörte, und andererseits der Ortschaft Zartenthin adligen Anteils, oder Neu Zartenthin, die der Kolonie Schminz zugeordnet war.Amtsblatt der Königl. Regierung in Stettin, Extra-Beilage Nr. 39, vom 23. September 1864, Verzeichniß der Gerichtsbehörden in dem Bezirke des Königl. Appellations-Gerichts zu Stettin, II. Kreisgericht Cammin, S. 7–11, insbesondere S. 11, Ziffern No. 45 und No. 46 (Google Books).
Der Ortsteil Schminz wurde erstmals 1318 urkundlich erwähnt, und 1594 gehörte „der Schmintz“ zu den Klostergütern. Schminz am Haff war von 1731 bis 1739 als Holländerei des Amts-Vorwerks Sarnow mit 260 Morgen und 176 Quadratruten Land angelegt worden, und zwar durch Joachim von Paulsdorf; 1736 erfolgte die Rodung des Bruches, und um 1782 hatte der Ort eine Feuerstelle (Haushaltung) und die Dienste von einem Halbbauern und einem Kossäten aus Köpitz.Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 22, Ziffer (4) (Google Books). Um 1818 hatte die in adligem Besitz befindliche, zum Vorwerk Alt Sarnow gehörige Kuhpächterei Schminz 18 Einwohner.Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 256, Ziffer 2216 (Google Books). Die Landgemeinde (Kolonie) Schminz hatte um 1867 14 Wohngebäude, eine Schule, die auch von den Kindern aus Neu Zartenthin besucht wurde, eine Feldmark mit einem Flächeninhalt von 1641,49 Morgen, 35 Haushaltungen und 154 Einwohner.Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 64, Ziffer 90 (Google Books).Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 436 (Google Books).
Zartenthin hatte sich 19. Jahrhundert zum Mittelpunkt des kaufmännisch betriebenen Torfgräberei am Papenwasser und östlichen Haff in den großen Torffeldern von Gnageland, Zartenthin, Köpitz und Schminz entwickelt.Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 349 (Google Books). Der gestochene und zu Brennmaterial getrocknete Torf wurde kostengünstig auf dem Wasserweg zu den Absatzmärkten verfrachtet, weshalb die hiesige Torfindustrie besonders konkurrenzfähig war. Dazu hatte Baron v. Puttkamer durch seine eigenen Torffelder einen Verbindungskanal zum Haff, den Zartenthiner Kanal, erbauen lassen, den andere Torffeld-Besitzer mitbenutzen durften; der Kanal konnte über drei Zugbrücken überquert werden, die nicht von Brückenwärtern bedient wurden, sondern vom jeweiligen Benutzer selbst betätigt werden mussten.Baron von Puttkamer-Zarenthin: Die Canalisation des Preussischen Staats, Druck von A. Paul & Co., Berlin 1868, 22 Seiten (Google Books).
Um 1884 (vor dem 1. Dezember 1885) wurden die Landgemeinde (Kolonie) Schminz und der Gutsbezirk Zartenthin zum Gutsbezirk Schminz zusammengeschlossen.Amtsbezirk Köpitz (Territorial.de)
Im Jahr 1892 wird Max Georg Freiherr v. Puttkamer (* 1864), Lieutenant d. Res.,Alexander von Dachenhausen: Genealogisches Taschenbuch des Uradels, 2. Band, Friedrich Irrgang, Brünn 1893, S. 476 (Google Books).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser, 62. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1912, S. 593 (Google Books). ein Enkel des Barons Theodor Georg von Puttkamer, als Besitzer des Guts Zartenthin mit Torfgräberei bezeichnet.Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 14–15 (Google Books).
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Schminz, zu dem der Wohnplatz Zartenthin gehörte, eine Fläche von 859 Hektar und über sieben Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 180 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 393, 2. Kreis Cammin, Ziffer 74 (Google Books). Um etwa 1928 wurde der Gutsbezirk Schminz in die Landgemeinde Zartenthin umgewandelt.
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Landgemeinde Zartenthin eine Fläche von 8,6 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen gab es zusammen 21 bewohnte Wohnhäuser an zwei verschiedenen Wohnplätzen: Schminz Zartenthin Das Gut Zartenthin hatte um 1939 eine Flächengröße von 1108 Hektar und befand sich seit 1930 im Besitz der Tierseuchenforschungsstiftung, die mit der Berliner Hochschule für Veterinärmedizin kooperierte und es von einem Gutsverwalter bewirtschaften ließ.Niekammer’s Landwirtschaftliche Güteradreßbücher, Band I: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Pommern. 9. Auflage. Niekammer, Leipzig 1939, S. 113 (bibliotekacyfrowa.eu). Zuvor hatte sich die Stettiner Baggerfirma Gebr. Goedthardt im Besitz des Guts Zartenthin befunden, von der es 1927 in das Eigentum der Deutschen Ödlandkulturgesellschaft in Berlin übergegangen war.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 393.
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Zartenthin zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Zartenthin war dem Amtsbezirk Köpitz zugeordnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. In der Folge wurde der Ort Teil Polens und in Czarnocin umbenannt.
Demographie