Die Siedlung Schooren in Winterthur im Schweizer Kanton Zürich wurde bis 2015 für Familien mit Kindern errichtet. Zuvor bestand dort die 1938/1939 erbaute Arbeitersiedlung Hegmatten, die der Architekt Hermann Siegrist geplant hatte.
Lage und Umfang mini|Luftbild des Quartiers Guggenbühl mit dem Eichholz (Bildmitte oben, 1970) Die Siedlung Schooren gehört zum Quartier Guggenbühl in Winterthur-Oberwinterthur (Kreis 2). Sie umfasst 37 Reiheneinfamilienhäuser, 21 Häuser haben 4,5 Zimmer und 16 Häuser 5,5 Zimmer. Die vorher bestehende Arbeitersiedlung Hegmatten am selben Ort bestand aus 18 freistehenden Einfamilienhäusern mit Schopf. Benannt war diese nach dem Quartier Hegmatten, dessen Grenze etwa 100 Meter östlich verläuft. Nordöstlich liegt mit dem Eichholz ein kleines Waldgebiet. Die östliche Grenze der Siedlung wird durch den Eichholzgraben (Riedgraben) gebildet. Die Schoorenstrasse durchzieht die Siedlung von Süden nach Norden. Abgerufen am 13. Februar 2026.
Siedlung Schooren Die Siedlung Schooren wurde abschnittsweise von 2011 bis 2015 errichtet. Zu gleicher Zeit erfolgte der Abriss von Häusern der Arbeitersiedlung Hegmatten. Die ersten Häuser konnten im Frühjahr 2012 bezogen werden. Die Bauarbeiten wurden in der ersten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen. Im selben Jahr wohnten 27 Familien mit 88 Kindern in der neuen Siedlung. Voraussetzung für einen Mietvertrag war, dass die Mieter zwei Kinder hatten und bereit waren, das Haus zu verlassen, wenn das jüngste Kind 23 Jahre alt wurde.
Arbeitersiedlung Hegmatten Geschichte In Winterthur wurde 1935 der Verein «Hilfe für ältere Arbeitsfähige» gegründet. Den Anstoss dazu hatte der Stadtpräsident Hans Widmer gegeben. Seinerseits gründete der Verein drei Jahre später die «Stiftung für Kleinsiedlungen». Die Stiftung erwarb von der Stadt 18'790 m² Land, umgeben von offenen Wiesen, um eine Siedlung für Arbeiterfamilien mit geringem Einkommen sowie für Familien, die wiederholt von Arbeitslosigkeit betroffen waren, zu bauen.
Planer war der Winterthurer Architekt Hermann Siegrist, der den Wettbewerb mit 18 kleinen Pultdachhäusern gewonnen hatte. Im Zeichen der damaligen Wirtschaftskrise begannen im November 1938 die Bauarbeiten, die im Juli 1939 abgeschlossen werden konnten. Bei der Erstellung wurden etwa 175 ältere Arbeitslose an insgesamt rund 4500 Arbeitstagen beschäftigt.Die Schoorensiedlung Winterthur. Gelebte Architekturgeschichte. S. 17. Erstbezieher waren 90 Personen. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich auf 365'000 Franken. Subventionen von Bund, Kanton und Stadt deckten 100'000 Franken ab, vom Verein «Hilfe für ältere Arbeitsfähige» kamen 72'000 Franken aus Lotterie-Geldern, Hypotheken der Kantonalbank und des Vereins finanzierten die Restsumme. Die Jahresmiete lag bei 720 Franken. Die Familien wurden vor Abschluss der Verträge auf ihre Eignung als Selbstversorger geprüft.
Verkaufspläne seitens der Stiftung scheiterten 1948. Die WCs erhielten 1967 einen Anschluss an die Kanalisation, im folgenden Jahr wurde ein Badezimmer im Schopf eingebaut und 1971 erfolgte die Installation von Gasheizungen. Bei einer grundlegenden Sanierung ab 1990 erhielten die Häuser neue Badezimmer und Küchen sowie erneuerte Elektroinstallationen und Heizungssysteme. Insgesamt wurden 3,2 Millionen Franken investiert.
Trotz weiterer Renovationen und einer Aussenisolation 1999 beschloss die «Stiftung für Kleinsiedlungen» 2007 den Abriss der Häuser, da die Bauqualität der Häuser ungenügend und der Aufwand für eine Instandsetzung zu gross gewesen sei. Der Heimatschutz Winterthur und ein Teil der Bewohner lehnten den Abriss ab. Die Stadt genehmigte letztlich nach einem Vorentscheid 2009 im folgenden Jahr den Abriss aller Häuser und den Neubau der Siedlung Schooren. Im Jahr 1989 hatte Winterthur den Wakkerpreis erhalten.Ulrich Scheibler: Wakkerpreis-Siedlungen sind in Gefahr. In: Der Landbote, 9. Oktober 2010.
Beschreibung Siegrist entwarf 18 eingeschossige Häuser mit Pultdach im Stil des Neuen Bauens. Diese waren für zwei Erwachsene mit drei Kindern entworfen. Der einfache Grundriss sah drei Schlafzimmer für Eltern und Kinder auf der einen Seite und getrennt durch den Gang Stube und Küche auf der anderen Seite vor. Der Kachelofen in der Stube wurde von der Küche aus eingefeuert. Diese war kostengünstig mit einem Holzherd eingerichtet. Die Häuser waren unterkellert und hatten eine Winde. Im Schopf gab es eine Waschküche mit Waschtrog, der später durch eine Dampfwaschmaschine ersetzt wurde, eine Badewanne und ein Torfmull-Klosett, das von den Bewohnern geleert werden musste. Zuletzt war der Schopf meist zum Bastel- oder Wohnraum ausgebaut.
Die freistehenden Häuser hatten einen grossem Garten, zusätzlich gab es östlich des Riedbachs ein grosses Stück Land, auf dem die Mieter auf jeweils 1'500 m² Gemüse und Obst anbauen sowie Tiere halten konnten. Das Areal hatte die Stadt Winterthur an die Stiftung verpachtet.Die Schoorensiedlung Winterthur. Gelebte Architekturgeschichte. S. 14–15.
Der Verzicht auf Satteldächer wurde als Aufgabe «bürgerlicher Wohlanständigkeit» beurteilt. Für einige Winterthurer überschritt Siegrists Entwurf «die Grenze des Zumutbaren» und die Siedlung wurde auch als «Dschibuti» bezeichnet.Arbeitersiedlung Hegmatten. In: Archithese, Band 13 (1983). S. 33.Keine Gnade für die «Dschibuti»-Häusschen. In: Der Landbote, 4. August 2010.
Für den Heimatschutz Winterthur «war die Siedlung ein wichtiger Zeuge der ‹neuen Bauperiode im Zweiten Weltkrieg›», aber eine Aufnahme der Häuser ins Inventar der schutzwürdigen Bauten scheiterte. Für die Mieter galt die Siedlung als «ein schöner Ort zum Leben».
Infrastruktur In unmittelbarer Nähe liegen der Kindergarten Schooren und die Freizeitanlage «Eichwäldli» des gleichnamigen Quartiervereins. Zum Schulangebot gehören die Primarschule Guggenbühl und die Sekundarschule «Wallrüti». Auf der Stadlerstrasse verkehrt die Trolleybuslinie 1 von Stadtbus Winterthur. Bahnstation ist Winterthur-Wallrüti.
Siehe auch Arbeitersiedlung an der Jägerstrasse, 1872–1873 errichtet und 1891 erweitert Siedlung Stadtrain, 1928–1943 errichtet Siedlung Holzhaus, 1931–1934 errichtet Aktiengesellschaft für Erstellung billiger Wohnhäuser in Winterthur (GebW)
Literatur Karl Ketterer: Stadtrandsiedlungen in Winterthur. In: Wohnen. Band 17, Heft 1, (1942). Stiftung für Kleinsiedlungen: Die Schoorensiedlung Winterthur. Gelebte Architekturgeschichte. (PDF; 6,1 MB) 2016.
Belege
Kategorie:Siedlung (Städtebau) in Winterthur Winterthur #Siedlung Schooren Kategorie:Erbaut in den 2010er Jahren