mini|Bundfaltenhose, Marlene Dietrich 1933 mini|Hosentypen: Enge, Standard, legere und Marlene-Hose mini|Reithose mini|Blue Jeans – als Arbeitshose entwickelt, heute auch klassische Freizeithose mini|Frau in Radfahrerhose anno 1897 (Werbeanzeige) Die Hose ist ein hüftaufliegendes Kleidungsstück, welches die unteren Extremitäten des Trägers ganz oder teilweise bedeckt. Zusammen mit Beinling und Rock bildet sie den Oberbegriff der Beinkleider. Hosen werden je nach Schichtlage in Kategorien unterteilt: Unterhosen, Oberhosen und als extra Kälte- oder Regenschutz auch Überhosen. Damit die Hose besser sitzt, können ein Gürtel oder Hosenträger verwendet werden. Manche Hosen haben Verstellmöglichkeiten am Bund oder Beinabschluss oder abzippbare Beine.

Wortgeschichte Bis zum Beginn der Neuzeit war die Bezeichnung Hose im Deutschen eine Bekleidung der Unterschenkel samt den Füßen, während das heute nicht mehr gebräuchliche Wort Bruch die Bekleidung des Unterleibs samt den Oberschenkeln meinte. Der Begriff Hose ging dann im 16. Jahrhundert auf ein Kleidungsstück über, das den Unterleib und die Schenkel bis zu den Füßen bedeckte. Die Begriffe ahd. hosa, mhd. hose bezeichneten eine Bedeckung des Unterschenkels als Strumpf, Schaft am Schuh oder GamascheFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 318.Vgl. auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 414 (lederhoß: Lederstrumpf, Ledergamasche). bzw. eine Bekleidung der (Unter-)Schenkel samt den Füßen, und geht auf husõn aus altgermanischer Zeit zurück, das wahrscheinlich die mit Riemen um die Unterschenkel geschnürten Lappen aus Tuch oder Leder meinte.

Ursprünglich bezeichnete eine Hose die Bekleidung genau eines Beines. Dieser Wortgebrauch bestand auch fort, nachdem Hosen und Bruch zu einem Kleidungsstück vereinigt wurden. Mindestens noch im 19. Jahrhundert überwog der Gebrauch des Plurals, während heute im Deutschen außerhalb von Redewendungen überwiegend der Singular für das Paar verwendet wird.

Kulturgeschichte Die Erfindung der Hose ist eng verzahnt mit der Entwicklung von spezialisierter Schutzbekleidung für Beine und Unterleib vor Kälte und mechanischer Belastung, wie z. B. beim Reiten, so wurden erste Beinbekleidungen, sog. Beinlinge als Kälteschutz, schon bei der Eismumie Ötzi nachgewiesen.

Hosen in einer mit heute vergleichbaren Form wurden bei Reitervölkern wie den Skythen, Sarmaten und Dakern getragen, aber auch von Chinesen und Mongolen. Das bislang älteste Exemplar einer Reithose wurde als Teil einer Grabausstattung im Yanghai-Gräberfeld in der Nähe von Turfan gefunden und auf das Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. datiert.Ulrike Beck, Mayke Wagner, Xiao Li et al.: The invention of trousers and its likely affiliation with horseback riding and mobility: A case study of late 2nd millennium BC finds from Turfan in eastern Central Asia. In: Quaternary International, online 22. Mai 2014, doi:10.1016/j.quaint.2014.04.056Älteste Hose der Welt entdeckt. In: scinexx.de, 4. Juni 2014. Ein deutsch-chinesisches Team, das die gewebten Wollhosen im Rahmen des Silk Road Fashion-Projekts untersuchte, fand heraus, dass die Hosen aus drei Teilen bestehen, zwei Beinteilen und einem gestuften Zwickelteil, welches durch seine große Weite ein Spreizen der Beine seitwärts erlaubte, wie es beim Reiten benötigt wurde.In: Zeitschrift Wissen Plus, Bertelsmann Lexikothek, Brockhaus 4/2014, S. 4. Für die Herstellung wurde der Stoff nicht zugeschnitten, sondern maßgewebt.

Um 750 v. Chr. übernahmen die Germanen von anderen Völkern, möglicherweise von den Kelten, die knöchellange Hose. Für die Eisenzeit sind Hosen bei den Germanen belegt. Daneben wurden aber auch Beinwickel getragen. Die sehr weiten Hosen ohne Latz wurden in der Taille durch einen Gürtel gehalten. Eines der bekanntesten Fundstücke aus dem 2.–3. Jahrhundert nach Christus ist die Thorsberg-Hose. Römer und Griechen lehnten in der Antike die germanischen und gallischen Beinkleider als unzivilisiert und barbarisch ab. Ende des 4. Jahrhunderts, als sie sich, bei den Soldaten der römischen Legionen beginnend, allmählich durchsetzte, stellte eine Verfügung des Kaisers Flavius Honorius das Hosentragen innerhalb der Stadt Rom unter Strafe, um die ethnisch-kulturelle Abgrenzung zwischen Römer- und Germanentum aufrechtzuerhalten – eine Reaktion auf die steigende Bedrohung durch den Niedergang des Weströmischen Reiches durch germanische Invasionen und darauf, dass sich immer öfter Germanen in Italien, u. a. als Söldner im römischen Heer, aufhielten.Pohl, Walter: Reimitz, Helmut (1998): Strategies of Distinction: The Construction of Ethnic Communities 300–800. S. 47.Fear, Andrew: War and Society. In: Sabin, Philip et al. (Hrsg.): The Cambridge History of Greek and Roman Warfare Vol. II, 2007, S. 454.Gundula Wolter: Die Verpackung des männlichen Geschlechts., Marburg 1988, S. 25. Seit dem ausgehenden Mittelalter ist es eine europäische Entwicklung, dass die Hose zum Statussymbol für den Mann wurde und der Rock für Männer mit Ausnahme des Kilts und Belted Plaids in Schottland und der Fustanella in Griechenland und Albanien unüblich wurde.

Bis ins 10. Jahrhundert wurden in Europa sowohl lange Hosen als auch die Bruoch und Beinlinge (oft von den Angelsachsen) getragen. Im 11. Jahrhundert setzten sich Beinlinge durch. Im 14. Jahrhundert wurde das Obergewand kürzer, bedeckte oft gerade noch das Gesäß, und machte so Unterhose und Strümpfe sichtbar. Mitte des 15. Jahrhunderts kam die Strumpfhose auf, die nun zur Oberhose wurde. 50 Jahre später reichte diese eng anliegende Hose nur noch bis zum Knie, dazu wurden Strümpfe getragen.

Aus dem mittlerweile eingeführten Hosenlatz entwickelte sich Ende des 15. Jahrhunderts die Schamkapsel. Um 1550 kam am spanischen Hof eine kurze Hose in Mode, deren Beine mit Kleie oder Rosshaar kugelförmig ausgestopft wurden, die so genannte Heerpauke. Sie wurde an das Wams angenestelt. Bis ins 17. Jahrhundert hinein war sie die europäische Hofkleidung für Männer. Spanien schaffte sie 1623 ab. Der einfache Mann trug einfache knielange Hosen aus Wollstoff. In Deutschland trugen die Bürger in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine Pump- oder Pluderhose, die von den Landsknechten übernommen worden war.

Im 17. Jahrhundert setzte sich in Europa eine wadenlange gerade Röhrenhose durch. Die Außennaht zierten Knöpfe, Bänder oder Borten. Als höfische Herrenhose wurde dagegen eine enge Kniehose getragen. Die Oberschicht bevorzugte 1655 bis 1680 die Rheingrafenhose, eine Art Rockhose. Danach kam die Culotte auf, die unter das Knie reichte und bis zur Französischen Revolution von allen Schichten getragen wurde, als höfische Kleidung war sie allgemein länger. Sie lag sehr eng an und war beim Adel aus feinstem Trikotstoff, unter dem sich eigentlich nichts verbergen ließ. Ein Zeitgenosse bemerkte kritisch: Die französischen Revolutionäre trugen keine Culotte, sondern knöchellange gerade Hosen und erhielten deshalb den Beinamen „Sansculottes“ („ohne Culotten“).

Die neuen langen Hosen verloren sehr bald den Beigeschmack des Revolutionären und wurden gesellschaftsfähig. Während 1789 den preußischen Regierungsbeamten noch untersagt wurde, lange Hosen zu tragen, die Perücke wegzulassen und das Haar kurz zu tragen, zeigte sich acht Jahre später selbst der preußische König Friedrich Wilhelm III. in solchen Hosen. Die Verfügung der Trinity College in Cambridge, dass Studenten, die in den Sälen oder der Kirche in den langen Pantalons erschienen, als nicht anwesend betrachtet würden, blieb letztlich wirkungslos.

Im Biedermeier waren die Herrenanzüge sehr körperbetont gearbeitet, mit schmaler Taille. Etliche Männer gingen dazu über, sich ähnlich wie die Damen zu schnüren, das Pendant zum Korsett hieß baskischer Gürtel. Um 1850 wurde der geknöpfte Hosenschlitz eingeführt. Bis 1860 waren die Herrenhosen meistens aus hellen Stoffen mit auffälligem Karo- oder Streifenmuster. Danach wurden die Hosen dezenter und auf den „Rock“, hier Jacken mit einer Taillennaht, abgestimmt. Etwa 1895 wurden Knickerbocker als Radfahrkleidung populär. Nach dem Zweiten Weltkrieg eroberten die Jeans den europäischen Markt.

Die Verdrängung des Männerrocks ging gegen den heftigen Widerstand konservativer Kreise vonstatten. Seit dem 17. Jahrhundert trugen bis auf wenige Ausnahmen europäische Männer nur noch Hosen und breiteten diese Sitte im Zuge des Kolonialismus weltweit aus. So entstanden Redewendungen wie „die Hosen anhaben“ (erstmals als Topos bei Heinrich Wittenwilerdort: „Wiss, und trait dein weib die pruoch, Sei wirt dein hagel und dein fluoch – Wider gott und sein gepott!“ im um 1410 entstandenen Lehrgedicht Der Ring im Rahmen einer hauswirtschaftlichen Ermahnung, die Frau im Haus nicht die Oberhand gewinnen zu lassenTrude Ehlert: Die Rolle von »Hausherr« und »Hausfrau« in der spätmittelalterlichen volkssprachigen Ökonomik. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 153–166, hier: S. 165.Michael Dallapiazza: Sprechen über die Frau. Haushaltsdiskurse bei Wittenwiler und anderen. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 167–180, hier: S. 168 und 176.) als Synonym für „die Befehlsgewalt haben“.

Zur Verstärkung an dem Hosensaum wurden früher vermehrt Stoßbänder eingenäht, heutzutage ist dieser Bestandteil nur noch selten anzutreffen.

Geschichte der Frauenhose

mini|Kinder in Hosen 2018

Antike Belege für hosentragende Frauen finden sich in römischen Berichten (Tacitus 17) und auf Darstellungen von Kelten und Germanen. Eine Darstellung einer mitteleuropäischen Frau mit Hose findet man neben Darstellungen von Frauen in Kleidern und Röcken auf der Trajanssäule (113 n. Chr.) in Rom.

Später war das Tragen von Hosen für europäische und amerikanische Frauen jahrhundertelang tabu. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die weibliche Unterhose eingeführt, die im Schritt offen war und BeinkleidVgl. auch Gertrud Kurowski: Damen in Beinkleidern. In: Welt und Haus. 24. Jahrgang, 1925, Heft 30. genannt wurde. Die Frauenhosenbewegung ging Hand in Hand mit der Emanzipationsbewegung. Die amerikanische Frauenrechtlerin Amelia Bloomer war eine der ersten, die sich für eine Reformkleidung einsetzte und knöchellange weite Hosen für Frauen entwarf, die nach ihr Bloomers genannt wurden. Dazu trug sie ein etwa knielanges Kleid.

Auf den Theaterbühnen waren Hosenrollen eine erotische Sensation: Männerrollen, die von Hosen tragenden Darstellerinnen ausgeführt wurden. Im Ballett wurden die Röcke verkürzt, unter denen Trikot-Hosen sichtbar wurden, bekannt beispielsweise im französischen Cancan, der um 1900 von Paris ausgehend weltweit bekannt wurde. Der Erfolg des romantischen Balletts ebenso wie der Operette hat mit diesen Varianten der Frauenhose zu tun.